Breite Kritik an Koalitionsbeschlüssen für Corona-Hilfen

04. Februar 2021, 17:06 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Die von der großen Koalition beschlossenen neuen Corona-Hilfen stoßen bei der Opposition, in der Wirtschaft sowie bei Gewerkschaften und Sozialverbänden auf deutliche Kritik.

Während diese die Milliardenbeträge für Familien, Geringverdiener, Gastronomie, Unternehmen und Kultur überwiegend für unzureichend ansehen, werteten Union und SPD ihre Beschlüsse als wichtige Hilfe für besonders schwer von der Pandemie Betroffene.

Führende Unionspolitiker wie CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt betonten zudem die konstruktive Zusammenarbeit im Koalitionsausschuss am Mittwoch: «Diese Koalition hat gezeigt, sie ist vollkommen arbeitsfähig.»

Sozialminister Hubertus Heil strebt eine schnelle Realisierung der Beschlüsse an. Man arbeite mit Hochdruck an der gesetzgeberischen Umsetzung, sagte der SPD-Politiker. Als Ziel gab er aus, dass sich das Kabinett bereits am nächsten Mittwoch damit befasst. Aus Sicht der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken soll der vereinbarte Kinderbonus schon bald fließen. «Bis vielleicht März, April müsste das möglich sein, das Geld auszuzahlen», sagte sie im RTL/ntv-«Frühstart».

Der Koalitionsausschuss hatte am Mittwochabend milliardenschwere Hilfen zur Abfederung der Corona-Krise beschlossen. Familien sollen einen einmaligen Kinderbonus von 150 Euro je Kind erhalten, ebenso Erwachsene in der Grundsicherung. Für plötzlich in Not geratenen Selbstständige und Beschäftigte mit kleinen Einkommen wird der erleichterte Zugang in die Grundsicherung bis Ende 2021 verlängert.

Für Unternehmen, die coronabedingt Verluste erleiden, wird die Möglichkeit zur Verrechnung der Einbußen mit früheren Gewinnen verdoppelt - auf maximal 10 Millionen Euro beziehungsweise 20 Millionen bei einer Zusammenveranlagung. In der Gastronomie wird der bis Ende Juni 2021 befristete verringerte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent bis Ende 2022 verlängert. Und für das Programm «Neustart Kultur» soll es eine Anschlussregelung mit einer Ausstattung von 1 weiteren Milliarde Euro geben.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte die Hilfen als viel zu gering. «Das Ergebnis ist ein Tropfen auf den heißen Stein was die Herausforderungen und Nöte geringverdienender Arbeitnehmer und armer Familien angeht», sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. Ähnlich argumentiere der Paritätische Wohlfahrtsverband. «Es ist wirklich beschämend, wie die Bundesregierung die Not der Armen in dieser Krise monatelang ignoriert hat, die Menschen nun mit 150 Euro abspeist und im Regen stehen lässt», sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider.

Unzufrieden ist auch die Wirtschaft. Zahlreiche Branchenverbände kritisierten die Pläne für den Verlustrücktrag als halbherzig. Grundsätzlich sei die Maßnahme gut, hieß es etwa beim Autoverband VDA. «Allerdings ist der beschlossene Umfang ernüchternd», sagte Verbandspräsidentin Hildegard Müller der Deutschen Presse-Agentur. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer betonte, angesichts der riesigen unverschuldeten Liquiditätsprobleme der Betriebe seien die Hilfen «in keiner Weise weitreichend genug». Zufrieden zeigte sich vor allem das Gastgewerbe.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) verteidigte die neuen Hilfen. «Wir stärken damit viele mittelständische Unternehmen, auf deren Wettbewerbsfähigkeit wir angewiesen sind, damit die Wirtschaft nach der Krise schneller in Schwung kommt», erklärte er.

Die Linke-Vorsitzende Katja Kipping warf Union und SPD vor, zu spät und dann auch noch halbherzig zu handeln. Sie forderte: «Solange die Pandemie andauert, braucht es einen monatlichen Corona-Zuschlag von 100 Euro auf alle Sozialleistungen und auf niedrige Renten.» Auch FDP-Vizefraktionschef Christian Dürr zeigte sich enttäuscht: «Union und SPD haben zahlreiche Einzelmaßnahmen beschlossen, die langfristig weder Arbeitnehmern noch Betrieben aus der Krise helfen werden.»

«Das Signal des Koalitionsausschusses ist ein kraftloses Weiter-So und damit ungenügend», erklärte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt. Der neue Kinderbonus und weitere Hilfen wie für Gastronomie und Kultur seien zwar ein kleiner Fortschritt. «Aber ein Aufbruch, der neue Hoffnung gibt, sieht anders aus. Bei Solo-Selbstständigen kommen versprochene Hilfen immer noch nicht an.»

Dagegen bewertete CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt die Beschlüsse als ausgewogen: «Es sind die richtigen Entscheidungen getroffen worden in der Balance zwischen Unterstützung der Wirtschaft, Unterstützung der Familien, aber auch berücksichtigend, dass die Finanzen endlich sind.» Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) sagte im ARD-«Morgenmagazin», er habe bei der Spitzenrunde im Kanzleramt schon darauf gedrungen, dass es nicht zu teuer werde. Es sei ein guter Kompromiss gefunden worden, der auch finanzierbar sei.

CSU-Chef Markus Söder sagte der dpa in München: «Wir haben den Kinderbonus ausdrücklich unterstützt. Kinder dürfen nicht Verlierer der aktuellen Entwicklung werden.» Zugleich sei es aber auch wichtig, die mittelständische Wirtschaft zu unterstützen. «Mit dem Verlustrücktrag erhöhen wir die Liquidität der Unternehmen.»

Koalition / Parteien / Bundesregierung / Corona / Covid-19 / Deutschland
04.02.2021 · 17:06 Uhr
[16 Kommentare]
Rasen wird mit Wasser besprengt (Archiv)
Berlin - Vor dem Hintergrund eines regional und saisonal fortschreitenden Wassermangels in Deutschland mahnt der Deutsche Städtetag zum Umdenken. Städtetag-Hauptgeschäftsführer Christian Schuchardt sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: "Früher galt Wasser in Deutschland vielen als unbegrenzte Ressource. Dem ist nicht mehr so." Die Hitzesommer der […] (01)
vor 15 Minuten
Nick Jonas schickte Priyanka Copra damals die erste DM auf Twitter, wie seine Brüder Joe und Kevin in ihrem 'Hey Jonas'-Podcast nun enthüllten.
(BANG) - Nick Jonas hat verraten, welche erste Direktnachricht (DM) er seiner heutigen Ehefrau Priyanka Chopra geschickt hat. Der 33-jährige Sänger heiratete die heute 43-jährige Priyanka im Jahr 2018. Gemeinsam haben sie die vierjährige Tochter Malti. In einer aktuellen Folge des Podcasts 'Hey Jonas', den Nick gemeinsam mit seinen Brüdern Joe und Kevin […] (00)
vor 8 Stunden
Elon Musk
New York (dpa) - Die Aktie von Elon Musks Weltraumfirma SpaceX ist rund einen Monat nach ihrem gefeierten Börsendebüt unter den Ausgabepreis gefallen. Das Papier notierte im US-Handel gegen Mittag New Yorker Zeit bei rund 133 Dollar. Den Ausgabepreis hatte das Unternehmen im Juni auf 135 Dollar festgesetzt. Zwischenzeitlich war der Kurs angetrieben […] (00)
vor 6 Stunden
GTA 6 kommt später für PC und der Grund ist offenbar nicht „Bosheit“
GTA 6 erscheint am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X/S. Eine PC-Version wurde bisher nicht angekündigt. Für viele Spieler ist das frustrierend, aber auch nicht überraschend. Rockstar Games hat große Spiele in der Vergangenheit oft zuerst auf Konsolen veröffentlicht und erst später auf den PC gebracht. Genau deshalb gibt es seit […] (00)
vor 4 Stunden
Sky zeigt «Crystal Lake» ab Oktober exklusiv in Großbritannien und Irland
Die «Friday the 13th»-Vorgeschichte mit Linda Cardellini erhält einen Teaser. Sky hat den ersten Teaser der neuen Horrorserie Crystal Lake veröffentlicht. Die achtteilige Produktion von A24 startet im Oktober 2026 exklusiv bei Sky und dem Streamingdienst NOW in Großbritannien und Irland. Die Serie dient als Vorgeschichte zur legendären Horrorreihe «Friday the 13th» und erzählt erstmals die […] (00)
vor 1 Stunde
WM 2026 - England - Argentinien
Atlanta (dpa) - Titelverteidiger Argentinien steht wieder im WM-Finale. Das Team um Superstar Lionel Messi setzte sich nach fulminantem Comeback mit 2: 1 (0: 0) gegen England durch. Die internationale Presse feiert den großen Sieg der Argentinier - und nimmt die Entscheidungen von Trainer Thomas Tuchel ins Visier. England «Daily Mail»: «Es ist schon […] (01)
vor 1 Stunde
bitcoin, table, courses, finance, virtual, crypto, currency, money, coin, computer
Brian Armstrong, CEO von Coinbase, hat am 14. Juli eine Diskussion über die zukünftige Entwicklung von Bitcoin angestoßen, indem er die Nutzer auf X fragte, ob die älteste Kryptowährung ihren Markt-Tiefpunkt bereits erreicht hat. Die Umfrage zog schnell Tausende von Stimmen und Kommentare an, wobei die Community nahezu gleichmäßig gespalten war […] (00)
vor 1 Stunde
Warum ein KI-Roboter in diesem Sommer zum heimlichen Star vieler Familienurlaube werden könnte
Linden, 15.07.2026 (lifePR) - Jeder Familienurlaub hat seine heimlichen Stars. Mal ist es die beste Eisdiele am Urlaubsort, mal der Lieblingsstrand oder die überraschend gute Pizzeria in der kleinen Seitenstraße. In diesem Sommer könnte jedoch ein ungewöhnlicher Kandidat um diesen Titel mitspielen: ein kleiner KI-Roboter. Denn während Eltern entspannt […] (00)
vor 7 Stunden
 
Netzwerk-Patchpanel (Archiv)
Berlin - Die öffentliche Verwaltung in Deutschland hinkt beim Aufbau von KI- […] (03)
Spielschein für Lotto 6 aus 49 (Archiv)
Saarbrücken - In der Mittwochs-Ausspielung von "6 aus 49" des Deutschen Lotto- und […] (00)
Straßenschild der Wall Street (Archiv)
New York - Die US-Börsen haben am Mittwoch uneinheitlich geschlossen. Zu Handelsende […] (00)
CSU-Landesgruppenchef Hoffmann
Berlin (dpa) - Nach den Reformbeschlüssen der vergangenen Wochen sieht CSU- […] (03)
Dramatischer Kursverfall Die Aktien des biopharmazeutischen Unternehmens Evotec […] (00)
Pornobilder auf einem Smartphone
Mainz (dpa/tmn) - Künstliche Intelligenz macht es Kriminellen immer leichter - und […] (00)
Schütteln statt Chlor: Diese Kapsel tötet 99,9999 Prozent der Keime im Wasser
Weltweit fehlt mehr als zwei Milliarden Menschen der Zugang zu sicherem Trinkwasser, […] (00)
Jasper Philipsen
Nevers (dpa) - Wirbel um den belgischen Top-Sprinter Jasper Philipsen: Der 28-Jährige […] (01)
 
 
Suchbegriff