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Bosch und Conti in der KI-Offensive: Autoindustrie vor historischem Wandel

17. Oktober 2024, 16:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Mit der rasanten Entwicklung von Künstlicher Intelligenz verändert sich die Automobilbranche grundlegend. Bosch und Continental gehören zu den Vorreitern – doch was bedeutet das für die Mitarbeiter und die Zukunft der Industrie?

Die deutsche Automobilindustrie steht vor einem ihrer größten Umbrüche: Künstliche Intelligenz (KI) dringt in jede Ecke der Branche vor. Vom Produktionsprozess über die Qualitätskontrolle bis hin zur Interaktion mit dem Fahrer – nichts bleibt, wie es war.

Unternehmen wie Bosch und Continental treiben diese Entwicklung massiv voran. Für Zulieferer und Hersteller, aber auch für die Belegschaften, beginnt damit eine neue Ära.

Die Zeiten, in denen das Auto lediglich ein Fortbewegungsmittel war, scheinen endgültig vorbei. Systeme wie ChatGPT, die erst Ende 2022 vorgestellt wurden, sind bereits in den neuesten Modellen von Volkswagen, Audi und Citroën zu finden.

Mit diesen Sprachassistenten können Fahrer nun auf einfache Weise mit ihrem Auto kommunizieren. Was früher nur in Science-Fiction-Serien wie „Knight Rider“ möglich war, ist heute Realität.

KI wird zur Allzweckwaffe der Industrie

Doch bei Bosch und Continental geht die Nutzung von KI weit über smarte Sprachsteuerungen hinaus. Die Künstliche Intelligenz durchdringt sämtliche Unternehmensprozesse – von der Produktentwicklung bis zur Produktion. Continental hat mit Hilfe von KI einen Sensor in nur drei Monaten entwickelt, der dann umgehend an die Kunden geliefert wurde.

Während Continental durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Produktentwicklung beschleunigt, bleibt unklar, ob diese Effizienzgewinne auch langfristig zu höherer Produktqualität und Wettbewerbsfähigkeit führen.

„Wir sehen darin eine Riesenchance für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit“, erklärt Ariane Reinhart, Personalvorständin bei Continental. Sie betont jedoch auch, dass die Mitarbeiter sich auf große Veränderungen einstellen müssen.

Entwicklung auf Knopfdruck

KI sorgt für eine drastische Beschleunigung der Produktionsprozesse. Bisher dauerte es oft Jahre, um neue Komponenten in der Autoindustrie zu entwickeln. Dank der Künstlichen Intelligenz könnte dies in Zukunft in wenigen Monaten, vielleicht sogar Wochen geschehen.

Christian Findeisen, der das „GenAI Studio“ bei Accenture in München leitet, sagt voraus: „Die nächsten zwölf bis 18 Monate werden entscheidend sein, um sich im Bereich der generativen KI zu positionieren.“

Für viele Unternehmen ist das eine Verlockung. Autokonzerne investieren Millionen in die Technologie, um ihren Kunden ein personalisiertes Fahrerlebnis bieten zu können.

Digitale Assistenten sollen den Autofahrer von der Konfiguration des Wagens bis zur Wartung begleiten – und dabei genau wissen, was der Kunde braucht. „Das könnte die Zukunft der Kundenbindung in der Automobilindustrie entscheidend prägen“, so Findeisen.

Qualitätssicherung durch Maschinen

Nicht nur die Entwicklung wird durch KI revolutioniert, auch die Produktion selbst verändert sich. Bei Volkswagen in Wolfsburg übernehmen bereits Kameras die Qualitätskontrolle der Karosserien. Sie prüfen automatisch, ob die Spaltmaße stimmen. Diese Aufgaben wurden früher von Menschen ausgeführt, heute übernehmen Maschinen die Kontrolle – und liefern dabei präzisere Ergebnisse.

Bei Continental in Regensburg wurde die Qualitätssicherung der Leiterplatten ebenfalls automatisiert. „Früher haben Frauen in der Produktion die Bauteile überprüft, jetzt machen das Maschinen“, erklärt Reinhart.

Automatisierte Systeme bei Volkswagen und Continental prüfen die Produktion schneller und präziser – aber die zunehmende Abhängigkeit von Technik birgt das Risiko von Systemfehlern und neuen Abhängigkeiten.

Die betroffenen Mitarbeiterinnen werden allerdings nicht entlassen, sondern in neuen Positionen eingesetzt, etwa als Teamleiterinnen in der Elektronikfabrik. Damit versucht das Unternehmen, Ängste vor der Automatisierung abzubauen.

Die Skepsis der Mitarbeiter

Trotz dieser Beispiele bleibt die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen. Nur ein Drittel der Belegschaft bei Continental sieht die Entwicklungen in der KI positiv, so eine interne Umfrage. Viele fürchten, dass ihre Jobs überflüssig werden.

„Es ist eine echte Herausforderung, den Mitarbeitern die Angst zu nehmen und sie für die neuen Aufgaben zu qualifizieren“, betont Reinhart.

Um dieser Skepsis entgegenzuwirken, bietet das Unternehmen Fortbildungen und Umschulungen an. Die Hoffnung: KI soll den Menschen helfen, statt sie zu ersetzen.

Doch die Automatisierung macht auch vor den Callcentern nicht Halt. In den USA setzt Mercedes-Benz bereits virtuelle Verkäufer ein, die mit den Kunden sprechen. Diese KI-gestützten Assistenten sind rund um die Uhr verfügbar und sollen langfristig die Kundenzufriedenheit erhöhen.

Autonomes Fahren als Königsdisziplin

Die Königsdisziplin der KI in der Autoindustrie bleibt jedoch das autonome Fahren. Damit Fahrzeuge irgendwann sicher und selbstständig durch den Straßenverkehr navigieren können, müssen sie Unmengen an Daten verarbeiten und Entscheidungen in Sekundenbruchteilen treffen. „Das autonome Fahren ist die größte Herausforderung, der wir uns derzeit stellen“, erklärt Corina Apachite, KI-Chefin bei Continental.

Bis jetzt gibt es weltweit nur wenige funktionierende Systeme, die das Problem des autonomen Fahrens vollständig gelöst haben. Die Robotaxis der Google-Schwester Waymo in San Francisco gehören zu den Vorreitern, aber auch diese Fahrzeuge sind nur auf bestimmte Straßen und Gebiete trainiert.

Die Datenmenge, die benötigt wird, um autonomes Fahren wirklich flächendeckend möglich zu machen, ist enorm. Um diese Daten zu verarbeiten, arbeiten die Unternehmen an sogenannten generativen KI-Systemen, die selbstständig Verkehrssituationen simulieren und die Systeme damit trainieren.

Technologie
[InvestmentWeek] · 17.10.2024 · 16:00 Uhr
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