Börsen im Sturzflug: Handelskonflikt löst globale Turbulenzen aus
Der Wochenstart an den internationalen Finanzmärkten war von einem anhaltenden Ausverkauf geprägt, der den DAX zu Wochenbeginn unter die Schwelle von 19.000 Punkten fallen ließ. Ralf Umlauf von der Helaba erklärt das dominierende Thema treffend als "Risikoaversion". Und Robert Halver von der Baader Bank beschreibt den Zustand der Märkte als "Schnappatmung", während die Bedrohung durch Zölle weiterhin die Schlagzeilen beherrscht und Handelsabkommen im Unklaren bleiben, woraus sich eine fortdauernde wirtschaftliche Unsicherheit ergibt.
Seit dem von Donald Trump deklarierten "Liberation Day" am Donnerstag befinden sich die Börsen weltweit im freien Fall. Gegenzölle aus China haben das Marktklima weiter eingetrübt. Zu Beginn der Woche sank der DAX auf 18.700 Punkte, ein erheblicher Rückgang im Vergleich zum Handelsschluss am Freitag bei 20.642 Punkten. So sind sämtliche Gewinne des Jahres verloren. Die Niedergangsbewegung setzte sich auch in Asien fort, während Dow Jones und Nasdaq 100 auf den Stand von Mai 2024 zurückgefallen sind.
Christian Henke von IG spricht von einem schwarzen Freitag und einem regelrechten "Massaker" an der Nasdaq. Die Gefahr einer globalen Rezession hat erheblich zugenommen. Selbst der bis dato robuste DAX musste empfindliche Verluste hinnehmen. "Die exponentielle 200-Tage-Linie wurde leicht unterschritten – eine schnelle Rückeroberung dieser Marke wäre entscheidend", betont Henke. Ohne eine Gegenbewegung drohen weitere Verluste.
Die Frage nach dem weiteren Verlauf der Marktspirale hängt stark von den Reaktionen der beteiligten Regierungen ab, meint Sören Hettler von der DZ Bank. Signalisiert die US-Regierung Verhandlungsbereitschaft, könnte das Vertrauen in "Dealmaker-Trump" wiederaufleben und stabilisierend wirken. Bleibt aber der harte Kurs, sind weitere Rückschläge abzusehen.
Trotz der angespannten Lage gibt es auch Perspektiven der Erholung. Robert Halver sieht aufgrund des dramatischen Kursverfalls bereits viel Negatives eingepreist und rät davon ab, sich gänzlich von den Märkten zurückzuziehen. Antizyklische Investoren mit Weitblick könnten bei einem weiteren Rückgang sukzessive in zyklische Werte einsteigen.
Auch die DekaBank hegt vorsichtige Zuversicht: Trotz der anhaltend hohen Unsicherheit und der starken Schwankungen an den Märkten geht Chefvolkswirt Ulrich Kater davon aus, dass die Weltwirtschaft insgesamt robust bleibt und die Aktienmärkte bald wieder den Aufwärtstrend aufnehmen könnten.
Diese Woche werden neben den Entwicklungen im Handelskonflikt die US-Inflationszahlen und der Start der Berichtssaison im Fokus der Anleger stehen. Insbesondere am Freitag, wenn die ersten US-Unternehmen ihre Quartalszahlen präsentieren.

