Boeing meldet geringeren Verlust – CEO sieht Turnaround „früher als erwartet“ auf Kurs
Der US-Flugzeugbauer Boeing hat im zweiten Quartal einen Nettoverlust von 612 Mio. Dollar verbucht – weniger als halb so viel wie im Vorjahr (1,44 Mrd. Dollar). Der Umsatz kletterte im selben Zeitraum um 35 Prozent auf 22,7 Mrd. Dollar, getragen von höheren Auslieferungen im zivilen Luftfahrtgeschäft. Die Free Cashflow-Verluste wurden auf 200 Mio. Dollar begrenzt – ein deutlicher Rückgang gegenüber den 4,3 Mrd. Dollar aus dem Vorjahreszeitraum.
Konzernchef Kelly Ortberg zeigte sich in einer Mitteilung an die Belegschaft zuversichtlich: „Wir sind weiter, als ich gedacht hätte.“ Ortberg, seit August 2024 im Amt, hatte den Konzern nach einer Serie sicherheitsrelevanter Krisen übernommen. Dazu zählt neben der 737-Max-Katastrophe von 2018 auch der Türpanel-Zwischenfall bei Alaska Airlines im Januar. Eine zusätzliche Belastung ist der noch ungeklärte Absturz eines 787-8 Dreamliners von Air India.
Im ersten Halbjahr 2025 lieferte Boeing insgesamt 280 Passagierjets aus – so viele wie seit 2018 nicht mehr. Besonders wichtig ist dabei die Rückkehr des 737-Modells in höhere Produktionsraten: Im Mai liefen 38 Einheiten vom Band. Die Erhöhung auf 42 pro Monat hängt noch von einer Genehmigung der US-Luftfahrtbehörde FAA ab. Die Fertigung des Langstreckenmodells 787 wurde bereits auf sieben Maschinen monatlich gesteigert.
Die Profitabilität im Verteidigungsgeschäft kehrte ebenfalls zurück: Mit einem operativen Ergebnis von 110 Mio. Dollar wurde der Verlust von 913 Mio. Dollar im Vorjahr klar hinter sich gelassen. Auch ein milliardenschwerer Auftrag für die nächste Generation von US-Kampfjets stärkt das Segment. Hinzu kommt ein Großauftrag aus Katar über bis zu 210 Großraumflugzeuge der Typen 787 und 777X – der größte Widebody-Deal der Boeing-Firmengeschichte.
Gleichzeitig verschieben sich wichtige Projekte: Die Zulassung der verbleibenden Max-Varianten 7 und 10 verzögert sich voraussichtlich bis 2026. Hintergrund ist eine technische Überarbeitung des Anti-Eis-Systems. Zudem beobachtet das Management die Lage im Handel mit China und Europa aufmerksam. Zwar wurden mit der EU neue Zollabkommen geschlossen, doch mögliche Spannungen mit China könnten den Aufschwung gefährden.
Die Boeing-Aktie hat seit Jahresbeginn mehr als 32 Prozent zugelegt, verlor nach Veröffentlichung der Quartalszahlen jedoch 3,5 Prozent. Ortberg betonte gegenüber Analysten, dass trotz Fortschritten noch erheblicher Handlungsbedarf bestehe: „Wir drehen einen Tanker – und er ist noch nicht gedreht.“


