Boeing auf dem Weg der Besserung: Einblicke in die Herausforderungen und Fortschritte
Der US-amerikanische Flugzeughersteller Boeing erlebt nach jahrelanger Krise erste zaghafte Anzeichen der Besserung. Im zweiten Quartal gelang es dem Konzern, die Auslieferung von Passagier- und Frachtjets signifikant zu erhöhen, während der Barmittelabfluss unter den Erwartungen blieb. Kelly Ortberg, seit einem Jahr an der Spitze des Unternehmens, ist jedoch weiterhin zurückhaltend: Die Transformation Boeings ist ein Marathon und kein Sprint. Veränderungen setzen Zeit voraus, doch erste Fortschritte seien schon zu erkennen, erklärte Ortberg bei der Präsentation der Quartalszahlen in Arlington.
Trotz einer Umsatzsteigerung um 35 Prozent und einer deutlichen Verringerung des Verlustes blieb die Reaktion der Börse verhalten. Nach einem anfänglichen Anstieg um zweieinhalb Prozent fiel die Boeing-Aktie kurz darauf um fast drei Prozent ins Minus. Die Zahlen des zweiten Quartals übertrafen mit einem Umsatz von rund 22,8 Milliarden US-Dollar Analystenerwartungen bei weitem, doch die lange Dauerkrise des Konzerns hinterlässt ihre Spuren. Der Öffentlichkeit bleibt in Erinnerung, dass sich die Krise Anfang 2024 nach einem Vorfall mit einem Mittelstreckenjet vom Typ 737 Max verschärfte, der beinahe katastrophal endete und die Produktionskapazitäten weiterhin bremst.
Boeing kämpft mit Schwierigkeiten, die bis zu den Abstürzen zweier 737-Max-Flugzeuge vor sechs Jahren zurückreichen. Diese Ereignisse führten zu einer zwanzigmonatigen Stilllegung der Reihe und kosteten nicht nur Menschenleben, sondern auch Milliarden an Unternehmenseinbußen. Für 2025 sehen Marktbeobachter ebenfalls keine schwarzen Zahlen. Weiterhin ist Boeing stark verschuldet, wodurch der Restrukturierungsprozess ins Stocken gerät.
Der Last der Krise gesellt sich der Mangel an Alternativen bei Mittelstreckenjets hinzu, da Konkurrenten wie Airbus bereits langfristig ausgebucht sind. Boeings Probleme bei der Zulassung neuer Modelle wie der 777X oder den Max-Varianten 7 und 10, die frühestens 2026 zertifiziert werden sollen, verzögern den Aufschwung zusätzlich. Umso wichtiger ist die Einigung im Zollstreit zwischen den USA und der EU: Flugzeuge und Teile werden zollfrei gehandelt, was der Branche Luft verschafft.
Nur zähneknirschend erlaubt die FAA Boeing die aktuelle Produktionsrate von monatlich 38 Exemplaren der 737 Max. Eine Entscheidung über weitere Erhöhungen steht noch aus, jedoch könnte eine solche langfristig maßgeblich zum Aufschwung beitragen.

