Billige Nahrungs-Imitate täuschen Verbraucher

11. Juli 2009, 10:51 Uhr · Quelle: dpa
Berlin (dpa) - Es sieht aus wie Käse, riecht wie Käse und schmeckt wie Käse - ist aber keiner. Ohne dass es die Verbraucher merken, wird ihnen mittlerweile immer häufiger falscher Käse untergejubelt.

Zahlreiche Pizzen und Brötchen werden mit Käse-Imitat überbacken, in den Kühlregalen der Supermärkte versteckt sich käseähnlicher «Pizza- Mix» neben echtem Edamer und Gouda. Dieser sogenannte Analogkäse hat allerdings nicht viel mit Käse gemeinsam: statt Milch enthält er Pflanzenfett, Wasser und Eiweißpulver. Diese Mischung soll zwar nicht gesundheitsschädlich sein, ist in der Herstellung aber deutlich billiger. Verbraucherschützer fordern daher, dass Imitatkäse gekennzeichnet wird und Verbraucher nicht länger betrogen werden.

Neben Käse und Schinken werden mittlerweile immer mehr Produkte künstlich im Labor hergestellt. Die Verbraucherzentrale Hamburg berichtet beispielsweise von Vanilleeis ohne echte Vanille, von Meeresfrüchte-Cocktails mit Krebsfleischimitat und Schoko-Keksen, die gar keine wirkliche Schokofüllung haben.

«Wenn etwas als Käse ausgegeben wird, das eigentlich ein Käse- Imitat ist, dann ist das Betrug», sagt der Sprecher der Verbraucherorganisation Foodwatch, Martin Rücker. Angesichts aktueller Berichte, wonach bei Lebensmittelkontrollen neben falschem Käse auch zahlreiche Schinken-Imitate gefunden wurden, erklärte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) bereits: «Da, wo Schinken oder Käse draufsteht, muss auch Schinken oder Käse drin sein.» Nach Angaben ihres Ministeriums liegt die jährliche Produktion von Analogkäse inzwischen immerhin bei 100 000 Tonnen.

Die Produktion selber ist erlaubt. Doch nach geltendem nationalen und europäischen Recht dürfen keine Erzeugnisse als «Käse» bezeichnet werden, die nicht ausschließlich aus Milch hergestellt wurden. Gibt ein Händler also ein Brötchen als Käsebrötchen aus, obwohl es Imitat enthält, verstößt er Rückert zufolge gegen diese Verordnungen.

Käseimitate sind aber auch dann problematisch, wenn sie die Verbraucher täuschen. «Wird etwas als Käse ausgegeben, das gar keiner ist, verstößt das gegen das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch», sagt der Geschäftsführer des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), Michael Welsch. Lebensmittel dürften nicht so bezeichnet werden, dass es irreführend ist. «Stellen die Kontrollbehörden der Länder einen solchen Verstoß fest, drohen Bußgeld oder andere Sanktionen.»

Allerdings erfährt die Öffentlichkeit von diesen konkreten Fällen fast nichts. Ähnlich wie beim Gammelfleisch müssen die Lebensmittelkontrolleure trotz des Verbraucherinformationsgesetzes keine Betriebe namentlich nennen, sagt Foodwatch-Experte Rücker. Außerdem hat die Öffentlichkeit laut BLL keinen Anspruch auf Informationen, sobald der Fall Gegenstand eines Straf- oder Ordnungswidrigkeitsverfahrens ist.

Daher müssen Verbraucher nachfragen oder auf Verpackungen genau nachschauen, was in den Produkten enthalten ist. Einfach ist das nicht immer. Denn möglicherweise weiß der Pizzaverkäufer auch gar nicht, wo der Belag herkommt. Gerade bei Pizzen hat der Kunstkäse nämlich einen großen Vorteil: «Er hat andere Backeigenschaften, deswegen halbiert sich die Backzeit», weiß Welsch. Berücksichtigt man noch den Preis von Käseimitat - es soll 40 Prozent billiger als Käse sein - ergibt das unter Umständen ein lohnendes Geschäft: Der Pizzabelag ist billiger und die Pizza auch noch schneller fertig.

Auch der Deutsche Bauernverband beobachtet die Entwicklung mit Sorge. «Wir sehen das als Gefahr für unsere Existenz», sagt Sprecher Michael Lohse. «Wir spüren schon jetzt, dass die Nachfrage nach Milch nachlässt - obwohl sich die Milchpreise auf einem historischem Tief befinden.» Das sei unter anderem auf den Analogkäse zurückzuführen. Denn wenn für dessen Produktion keine Milch benötigt werde, sinke auch der Absatz.

Doch möglicherweise sind der Mogel-Käse und der falsche Schinken sowieso erst der Anfang. Schon bald könnten neue Lebensmittelimitate hinzu kommen. «Es werden bereits weitere Fleischimitate entwickelt», berichtet Lohse vom Bauernverband. «Dann kommt vielleicht schon bald das fleischlose Schnitzel.»

Bundesverbraucherschutzministerium: www.bmelv.de

www.foodwatch.de

Verbraucher / Essen & Trinken
11.07.2009 · 10:51 Uhr
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