Berlin im Dunkeln: Wegners Krisenmanagement auf dem Prüfstand
Während einer Bürgerveranstaltung in Steglitz-Zehlendorf sah sich Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner mit scharfer Kritik bezüglich seines Krisenmanagements während eines großen Stromausfalls konfrontiert. So wurde ihm vorgeworfen, dass er zu spät reagiert habe und bis heute eine Entschuldigung sowohl für das verspätete Handeln als auch für "menschliche Verfehlungen" vermissen lasse. Besonders erregt äußerte sich eine Teilnehmerin zu seiner Entscheidung, am ersten Tag des Blackouts, dem 3. Januar, ein Tennismatch zu spielen. Sie merkte an, dass er anstelle des Tennisspiels telefonisch hätte aktiv werden können.
Der Bürgermeister hatte bereits zuvor erklärt, am ersten Tag nicht in den betroffenen Stadtteilen anwesend gewesen zu sein, da neben dem Strom auch das Handynetz ausgefallen sei. Wegner räumte ein, dass seine Anwesenheit im Krisengebiet rückblickend vielleicht besser für die öffentliche Wahrnehmung gewesen wäre, betonte jedoch, dass den Betroffenen ein solcher Besuch nicht unmittelbar geholfen hätte.
Angesprochen auf sein Tennisspiel betonte Wegner, dass er währenddessen jederzeit per Handy erreichbar gewesen sei. Sein Hauptziel sei es gewesen, die rasche Wiederherstellung der Strom- und Wärmeversorgung zu sichern, was er als die richtige Entscheidung ansah.
Wegner drängte bei dem Termin in Berlin-Dahlem darauf, Lehren aus dem Vorfall zu ziehen, der durch einen Brandanschlag ausgelöst worden war. Er forderte bessere Sicherheitsmaßnahmen für kritische Infrastrukturen sowie eine kritische Überprüfung der bestehenden Abläufe im Zivil- und Katastrophenschutz. Als konkrete Maßnahme kündigte er an, neuralgische Punkte im Stromnetz schnellstens mit Videoüberwachungen ausstatten zu lassen.
Der großflächige Stromausfall, ausgelöst durch einen mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlag, ließ 100.000 Menschen in 45.000 Haushalten sowie über 2.000 Betriebe mehrere Tage im Dunkeln sitzen. Erst am 7. Januar war die Stromversorgung vollständig wiederhergestellt.

