Bayer auf dem Weg zu einem milliardenschweren Glyphosat-Vergleich in den USA
Der deutsche Chemie- und Pharmariese Bayer steht kurz davor, einen wegweisenden Schritt zur Beilegung der Glyphosat-Klagen in den USA zu gehen. Um die Beilegung der jahrzehntelangen Auseinandersetzungen rund um den umstrittenen Unkrautvernichter zu erreichen, plant das Unternehmen einen umfassenden Sammelvergleich. Dieser steht noch unter dem Vorbehalt der gerichtlichen Zustimmung in St. Louis, Missouri. Der bereits einmal blockierte Vergleich wurde neu strukturiert und könnte Bayer helfen, Unsicherheiten aus juristischen Angelegenheiten zu verringern.
Der Vorschlag sieht vor, dass Bayer in den kommenden bis zu 21 Jahren maximal 7,25 Milliarden US-Dollar an Entschädigungen zahlt. Diese Zahlungen sollen jährlich abnehmen und bestimmte Klägergruppen abdecken, die bis Februar 2026 dem Produkt ausgesetzt waren und unter gesundheitlichen Folgen leiden. Der Vorstandsvorsitzende Bill Anderson verkündete optimistisch, dass die Vereinbarung Klarheit schaffen werde, insbesondere auch durch die kürzliche Annahme des Falls "Durnell" durch den US Supreme Court, der entscheiden soll, ob Bundesrecht über den Vorschriften einzelner Bundesstaaten steht.
Trotz dem Hoffnungsschimmer steht Bayer weiterhin vor Herausforderungen. Analysten wie Charles Pitman-King von Barclays heben hervor, dass der Einfluss des Supreme Court erheblich auf Bayers künftige Schritte ist. Zur Finanzierung der Vereinbarung hat Bayer eine Kreditlinie von 8 Milliarden US-Dollar gesichert, die über haftungsähnliche Finanzinstrumente refinanziert werden soll. Die Zustimmung einer überwältigenden Mehrheit der Kläger ist jedoch entscheidend, wie in einer Webkonferenz deutlich gemacht wurde.
Angesichts der zu erwartenden Belastungen aus den Vereinbarungen musste Bayer seine Rücklagen erweitern und schätzt, dass bis Ende 2025 die Rückstellungen signifikant aufgestockt werden. Die Bekanntgabe der Geschäftszahlen für 2025 wird aufgrund dieser Entwicklungen auf den 4. März verschoben. Über den Glyphosat-Vergleich hinaus hat Bayer weitere Streitigkeiten, auch über PCB-Verunreinigungen, beigelegt, um drohenden finanziellen und rechtlichen Belastungen vorzubeugen.
An den Aktienmärkten verheißen die Nachrichten jedoch vorerst gemischte Aussichten. Obwohl sich die Bayer-Aktie seit November erholt hat, bleibt das langfristige Kurspotenzial mit Blick auf die Aktie getrübt. Dennoch könnten strategische Überlegungen zur Aufspaltung des Unternehmens langfristig zusätzlichen Wert schaffen, wie James Quigley von Goldman Sachs anmerkt. Bayers Chef Anders bestätigte, dass solche Überlegungen künftig wieder anstehen könnten, der derzeitige Fokus jedoch auf der Senkung der Verschuldung und Stärkung der Agrar- und Pharmasparte läge.

