Bafin findet in fast jeder dritten geprüften Bilanz Fehler
Frankfurt am Main - Zahlreiche Bilanzen von börsennotierten Unternehmen in Deutschland sind fehlerhaft. Die Finanzaufsicht Bafin habe in den vergangenen Jahren 178 Geschäftsabschlüsse geprüft und dabei in 50 Fällen Fehler festgestellt, sagte der für Bilanzkontrolle zuständige Exekutivdirektor Thorsten Pötzsch dem "Handelsblatt" (Freitagsausgabe). "Das bedeutet, fast jede dritte von uns geprüfte Bilanz hatte Mängel."
Die Bafin hatte im Zuge von Reformen nach dem Wirecard-Skandal 2022 die alleinige Verantwortung für die Prüfung von Bilanzen von Unternehmen erhalten, deren Wertpapiere am geregelten Markt in Deutschland zum Handel zugelassen sind. Aktuell sind das 424 Firmen. Aus Sicht von Pötzsch war die Reform "richtig und wichtig": "Für Täter ist die Wahrscheinlichkeit, bei Bilanzmanipulation erwischt zu werden, deutlich gestiegen", sagte der Exekutivdirektor.
Die Bafin mahne dabei nur Fehler an, "die wesentlich sind", sagte er. "Der Klassiker sind Forderungen und Immobilien, die in der Bilanz zu hoch bewertet werden." Häufig würden auch Minderungen von Firmenwerten in der Bilanz nicht nachvollzogen. In den Lageberichten entspreche die Wirtschaftslage oft nicht den tatsächlichen Verhältnissen. Aktuell arbeiteten 60 Fachleute für die Bilanzkontrolle der Bafin, sagte Pötzsch. Die Zahl der Prüfungen habe die Behörde Jahr für Jahr gesteigert. "Im vergangenen Jahr waren es 50."


