Ausland hilft Israel gegen katastrophales Großfeuer

Tel Aviv/Haifa (dpa) - Mindestens 41 Tote und 17 000 Menschen auf der Flucht: In Israel haben mehr als 3000 Feuerwehrmänner und Soldaten es auch am zweiten Tag nicht geschafft, den Großbrand im Karmel-Gebirge zu löschen. Die Feuerwalze hat am Freitag die Außenbezirke der Großstadt Haifa erreicht.

Nach einem Hilferuf von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu rollte eine internationale Welle der Unterstützung an. Viele Länder schickten Löschflugzeuge für den Kampf gegen den größten Brand in der Geschichte Israels.

Die Polizei nahm unterdessen zwei Männer fest, die bei Haifa versucht haben sollen, Feuer zu legen. Für den Großbrand seien sie aber nicht verantwortlich, sagte Polizeichef David Cohen. Bereits am Samstag solle geklärt sein, ob Brandstiftung oder aber Fahrlässigkeit den Großbrand ausgelöst hat.

Deutschland bot Israel Schutzausrüstungen für Feuerwehrleute sowie Sonderlöschmittel an, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. 18 Tonnen Löschmittelzusätze sollten so bald wie möglich auf dem Luftweg nach Israel gebracht werden, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin auf Anfrage. Die Chemikalien im Wert von rund 250 000 Euro könnten innerhalb von 24 Stunden geliefert werden.

Nachdem die Einsatzkräfte mehr als 30 Stunden lang ohnmächtig zusehen mussten, wie das Feuer immer weiter wütete, keimte am Freitagabend erste Hoffnung auf. Zum einen ließ der starke Wind nach. Zum anderen sagen Meteorologen ab Montag Regen voraus. Darüber hinaus sind nahezu alle 20 Löschflugzeuge eingetroffen, die von Europa aus nach Israel geflogen sind.

Mindestens 41 Menschen sind nach Angaben von Polizeisprecher Mickey Rosenfeld seit dem Ausbruch des Feuers gestorben. Vier Personen würden noch vermisst. Unter den Opfern sind 36 Wachmänner, die Häftlinge retten sollten. Über 17 000 Menschen mussten sich nach Angaben der Behörden vor dem Flammeninferno in Sicherheit bringen.

Die israelische Regierung bezeichnete den Großbrand als «nationale Tragödie». Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprachen ihr Beileid aus. «Die Nachricht vom Tod so vieler Menschen erfüllt uns mit Trauer», heißt es in einem Kondolenzschreiben von Außenminister Guido Westerwelle (FDP).

In Zeiten der Katastrophe erfuhr Israel Solidarität von Staaten, mit denen man nicht unbedingt rechnen konnte. So schickte die Türkei, deren Beziehungen zu Israel seit Monaten frostig sind, zwei Löschflugzeuge. Aus Jordanien reisten 23 Feuerwehrleute an. Selbst die palästinensische Autonomiebehörde half mit Löschfahrzeugen.

Das Feuer hat nach Angaben der Forstbehörde auf einer Fläche von rund 30 Quadratkilometern - so groß wie die Nordseeinsel Borkum - Wald- und Buschlandschaft mit 1,5 Millionen Bäumen vernichtet.

Die Feuerwalze konnte sich so rasend schnell ausbreiten, weil in Israel seit Monaten Trockenheit herrscht. Die Mittagstemperaturen liegen bei 28 Grad Celsius. Außerdem wurden die Flammen lange Zeit durch stark drehende Winde weiter angefacht.

Die israelischen Medien kritisieren eine völlig unzureichende Ausstattung der Feuerwehr. Nach Angaben der Tageszeitung «Haaretz» erreichte das erste israelische Löschflugzeug am Donnerstag erst zwei Stunden nach Ausbruch des Brandes die Unglücksstelle. Außenminister Avigdor Lieberman räumte ein, dass der Mangel an Löschflugzeugen im Kabinett bekannt gewesen sei.

Das Ausmaß der Brandkatastrophe hat viele Israelis geschockt. Das Ganze sehe «wie ein Vulkan» aus, sagte ein Bewohner Haifas. «Eine derartige Ausbreitung haben wir noch nie gesehen», sagte Haifas Bürgermeister Yonah Yahav. Haifa ist die drittgrößte Stadt in Israel. Der Großraum Haifa hat rund 600 000 Einwohner.

Brände / Israel
03.12.2010 · 22:26 Uhr
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