Ausbau der Ganztagsbetreuung in Westdeutschland: Ein Blick auf die Herausforderungen

Ausbau der Ganztagsbetreuung in Westdeutschland: Ein Blick auf die Herausforderungen
Die bevorstehende Einführung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler wirft in Westdeutschland bereits jetzt deutliche Schatten voraus. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat errechnet, dass bis zum Jahr 2029 über 149.000 zusätzliche Hortplätze geschaffen werden müssen.
Besonders in Nordrhein-Westfalen und Bayern ist der Bedarf hoch, hier werden jeweils über 40.000 neue Plätze benötigt. Das IW stellt fest, dass in Regionen, in denen Dreiviertel der Kinder nachmittags betreut werden sollen, die Anforderungen sogar noch gravierender sind: Hier fehlen bis zu 570.900 Plätze.
Eine deutliche Diskrepanz zeigt sich insbesondere in Bayern, wo 2024 nur 34 Prozent der Schulkinder betreut werden sollen. Diese Zahlen stehen in Kontrast zu Aussagen der bayerischen Sozialministerin Ulrike Scharf, die auf deutlich höhere Betreuungszahlen hinweist. Die divergierenden Zahlen von IW und Ministerium könnten darauf zurückzuführen sein, dass das Institut von der gesetzlich festgelegten Betreuungszeit von 40 Stunden pro Woche ausgeht – ein Rahmen, der ab Herbst zunächst für Erstklässler gilt.
Die Umsetzung dieses Anspruchs birgt Unsicherheiten. Eine Umfrage ergab, dass jede vierte Schulleitung Zweifel am vollständigen Ausbau hat, was Eltern vor Herausforderungen stellen könnte.
In Ostdeutschland und Hamburg sieht die Situation hingegen optimistisch aus, da hier der Bedarf weitgehend gedeckt werden kann. Doch in Schleswig-Holstein, Bremen und Bayern gibt es größere Lücken. Es gibt Anzeichen dafür, dass in Bayern der geringere Bedarf zumindest teilweise auf die hohen Elternbeiträge zurückzuführen sein könnte. Um die nachhaltige Inanspruchnahme der Plätze zu fördern, wird in der IW-Studie empfohlen, attraktivere Konditionen für Familien zu schaffen, um sowohl die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als auch die Entwicklungschancen der Kinder zu unterstützen.

