Auftragseingänge im Aufwind: Deutsche Industrie verzeichnet überraschend positives Wachstum
Die deutschen Industrieunternehmen konnten im November einen unerwartet deutlichen Anstieg an Aufträgen verbuchen. Laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden stieg der saison- und kalenderbereinigte Auftragseingang gegenüber dem Oktober um 5,6 Prozent. Faszinierend ist, dass diese Zahl selbst ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen einen Zuwachs von 0,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat aufweist. Analysten von Bloomberg hatten nach einem starken Oktober mit einem Rückgang gerechnet, umso überraschender fiel das Ergebnis aus. Zudem wurde die Oktober-Zahl leicht auf ein Plus von 1,6 Prozent revidiert.
Auch im stabileren Dreimonatsvergleich zeigt sich eine bemerkenswerte Entwicklung mit einem Zuwachs von 4,0 Prozent – wobei dieser, im Gegensatz zur früheren Annahme, auf die vorangegangenen drei Monate bezogen ist. Ohne Einbeziehung von Großaufträgen kam es zu einer Erhöhung der Auftragseingänge um 2,1 Prozent. Im Vergleich zum November des Vorjahres wurde sogar ein Anstieg von 10,5 Prozent verzeichnet.
Ökonomen sehen in diesen Entwicklungen Zeichen einer möglichen Trendwende für die deutsche Konjunktur. Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sprach von einer „echten Trendwende“, während Thomas Gitzel von der VP Bank die Zahlen als positive Überraschung bezeichnete. Die Prognosen halten an, dass insbesondere Rüstungsaufträge weiterhin Einfluss haben werden.
Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung unterstrich die Rolle staatlicher Investitionen. Diese könnten die Wirtschaft weiter ankurbeln und führten bereits zu einem deutlichen Auftragspolster, das erwartet wird, auch im kommenden Jahr positive Effekte für die Industrie zu bringen.
Ein besonders starker Anstieg kam aus dem Inland, mit einem Plus von 6,5 Prozent bei den Bestellungen. Aber auch das Auslandsgeschäft zog merklich um 4,9 Prozent an. Überdurchschnittliche Zuwächse konnten insbesondere die Hersteller von Metallerzeugnissen mit einem Plus von 25,3 Prozent und der Bereich des Sonstigen Fahrzeugbaus, zu dem Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge gehören, vermelden, die um 12,3 Prozent zulegten.

