Aufstrebender Gamestandort Deutschland: Zwischen Potenzial und Herausforderungen
Die deutsche Computerspielbranche gewinnt zunehmend an Bedeutung, bleibt international jedoch noch im Schatten ihrer Konkurrenten. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär und Felix Falk, der Geschäftsführer des Branchenverbands Game, präsentierten in Berlin eine aktuelle Studie, die sowohl Wachstum als auch Ausbauchancen für den heimischen Markt aufzeigt. Während Deutschland als Produktionsstandort an Bedeutung gewinnt, liegt der Fokus der Spieler hierzulande nach wie vor auf internationalen Titeln aus Nordamerika, Asien und Europa.
In der deutschen Gamesbranche waren 2024 etwa 14.800 Mitarbeiter bei Spieleentwicklern, Produzenten und gamesbezogenen Dienstleistern beschäftigt, ein Anstieg von 20 Prozent im Vergleich zu 2018. Der Umsatz der Branche stieg um 22 Prozent auf 3,73 Milliarden Euro. Die Anzahl der Unternehmen verdoppelte sich fast, wobei kleine Firmen mit weniger als zehn Mitarbeitern dominieren. Fast jeder zweite Deutsche im Alter von über 16 Jahren spielt gelegentlich Videospiele, insgesamt sind das rund 37,5 Millionen Menschen.
Bekannte deutsche Spiele sind "Anno 1800" von Ubisoft, das in Düsseldorf, Mainz und Berlin entwickelt wird, sowie "Enshrouded" von Keen Games und "Hunt Showdown" von Crytek, beide mit Sitz in Frankfurt. Das Independent-Studio Neoludic aus Köln hat mit "Tiny Bookshop" große Erfolge erzielt und mehrere Preise gewonnen. Dennoch machen Games aus Deutschland nur etwa 5,5 Prozent der inländischen Spieleausgaben aus.
Um den internationalen Rückstand aufzuholen, fordert die Branche verlässlichere Fördermittel und steuerliche Erleichterungen. Game-Geschäftsführer Falk mahnt, dass nur mit konstanter Unterstützung neue Projekte und Studios entstehen könnten, die sich im globalen Wettbewerb behaupten. Die Politik reagiert: Bundesministerin Bär kündigt eine Erhöhung der Fördergelder auf 125 Millionen Euro im laufenden Jahr an, während 2024 lediglich 88 Millionen Euro zur Verfügung standen. Darüber hinaus plant die Bundesregierung steuerliche Anreize, um den Gamestandort Deutschland weiter zu stärken.
Die gesteigerte Förderung zeigt bereits Wirkung und kommt auch dem Steuerzahler zugute: Für jeden Euro Fördergeld flossen 2023 etwa 2,50 Euro an Steuern und Sozialabgaben zurück. Dies führt zu einer positiven Bilanz im Haushalt, der durch die Förderung profitierte. Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen die steuerlichen Anpassungen umgesetzt sein — eine Maßnahme, die den Weg für mehr "Made in Germany"-Produkte in der Gamesbranche ebnen könnte.

