Computer- und Videospiele

Gamesbranche wächst - doch Deutschland bleibt nur Nebenrolle

15. Januar 2026, 15:04 Uhr · Quelle: dpa
Gamescom
Foto: Oliver Berg/dpa
Bei der Gamescom 2025 testeten zahlreiche Messebesucher das neue Strategiespiel «Anno 117», eine Römisches-Reich-Version des in Deutschland entwickelten Klassikers «Anno 1800». (Archivbild)
Die Gamesbranche in Deutschland erweitert sich mit steigenden Zahlen, fordert aber bessere Förderung für mehr internationalen Erfolg.

Berlin (dpa) - Bei Computerspielen gewinnt Deutschland als Entwicklungs- und Produktionsstandort etwas an Boden, nimmt auf internationalem Parkett aber weiterhin nur eine Nebenrolle ein. Die für Games zuständige Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und der Chef des Branchenverbandes Game, Felix Falk, stellten in Berlin eine umfassende Studie vor, die einerseits einen Trend nach oben und andererseits Nachholbedarf aufzeigt. «Bisher spielen wir in Deutschland vor allem Spiele aus Nordamerika, aus Asien und dem Rest Europas, aber immer noch zu wenige aus Deutschland», sagte die CSU-Politikerin Bär. Das Thema im Überblick. 

Wie groß ist die Branche hierzulande? 

In Deutschland arbeiteten 2024 rund 14.800 Menschen bei Gamesentwicklern, Produzenten und gamesbezogenen Dienstleistern, wie aus der Studie von Goldmedia im Auftrag des Game-Verbandes hervorgeht. Das waren 20 Prozent mehr als 2018. Sie bekamen 2024 3,73 Milliarden Euro in die Kassen, was 22 Prozent mehr war als sechs Jahre zuvor. Die Zahl der Unternehmen verdoppelte sich in diesem Zeitraum fast, und zwar von 523 auf 948. Der Markt ist sehr kleinteilig strukturiert, etwa drei Viertel der Unternehmen haben weniger als zehn Mitarbeitende. Nur zehn Prozent haben mehr als 50 Mitarbeitende. Laut Branchenverband Game spielt fast jeder zweite Deutsche Computer- oder Videospiele - es gibt hierzulande 37,5 Millionen Menschen, die zumindest gelegentlich spielen. 

Welche Spiele kommen überhaupt aus Deutschland? 

Eines der bekanntesten Aushängeschilder ist das Strategiespiel «Anno 1800» von Ubisoft; der französische Konzern hat in Deutschland Standorte in Düsseldorf, Mainz und Berlin. Bekannt sind zudem die Survival-Actionspiele «Enshrouded» von Keen Games und «Hunt Showdown» von Crytek, beide Studios kommen aus Frankfurt. Für Aufsehen sorgte unlängst das Independent-Studio Neoludic aus Köln, das mit «Tiny Bookshop» zahlreiche Preise abräumte - das Spiel ist ein sogenanntes cozy Game, bei dem der Spieler keinen Zeitdruck hat und auch nicht verlieren kann. Neoludic wurde 2021 gegründet, mittlerweile hat es acht Mitarbeiter. 

Welche Rolle spielen deutsche Games am Markt? 

Mit der Gamescom findet die weltgrößte Gamingmesse zwar in Köln statt und auch im E-Sport lockt das Counter-Strike-Turnier IEM Cologne seit Jahren Menschenmassen an den Rhein. In der global aufgestellten Branche spielt Deutschland aber nur eine Nebenrolle. Von 100 Euro, die hierzulande für Computer- oder Videospiele ausgegeben werden, entfallen der Untersuchung zufolge nur 5,5 Prozent auf ein Spiel aus Deutschland. Das waren 1,3 Prozentpunkte mehr als in einer Branchenschätzung von 2020, damals allerdings mit einer anderen Methodik. 

Blickt man auf den Weltmarkt, so ist der deutsche Anteil noch viel geringer. In einer ganz anderen Liga spielen die USA, Kanada und Großbritannien, die regelmäßig Blockbuster-Games auf den globalen Markt bringen. Aufstrebende Produktionsstandorte sind zudem Staaten wie China und Südkorea. 

Was fordert die deutsche Gamesbranche? 

Damit die deutschen Spieleentwickler weiter aufholen können, müsse die Förderung verlässlicher werden, sagt Game-Geschäftsführer Falk. Die 2020 eingeführten Fördertöpfe des Bundes hätten zwar erkennbar zu Wachstum geführt, seien aber schnell aufgebraucht gewesen. Gleich mehrfach verhängten die zuständigen Ministerien in den vergangenen Jahren einen Antragsstopp. Entwickler würden keine Projekte angehen oder gar neue Studios aufbauen, wenn ein Ende der Förderung drohe. «Da sagen die Unternehmen: Ich mache ja kein Studio auf, wo ich ein Team aufbaue, was ich nie in ein anderes Land transferieren kann», sagt Falk. 

Zudem brauche es Steuererleichterungen. Im Ausland bekommen Gamesfirmen diese schon lange: Frankreich bietet Spieleentwicklern schon seit 2008 steuerliche Anreize. Auch Großbritannien und Irland bieten vergleichbare Förderprogramme - Deutschland hingegen bislang nicht. 

Was tut die Politik? 

«Mir ist es jetzt wichtig, dass wir die Weichen stellen, dass der Anteil deutscher Produktionen steigt», sagt Bundesministerin Bär. Damit das passiert, legt der Bund deutlich mehr Fördergeld bereit als zuvor: In diesem Jahr sind es 125 Millionen Euro, 2024 waren es nur 88 Millionen Euro an direkter Förderung. «Wir hoffen auf viele Anträge und qualitativ hochwertige Spiele made in Germany.» Spiele aus Deutschland müssten sich auf internationaler Bühne nicht verstecken, betont sie. «Aber die Konkurrenz schläft nicht, der internationale Wettbewerb ist sehr hart.» Bislang haben deutsche Gamesfirmen nicht die gleichen Wettbewerbsbedingungen wie ausländische Konkurrenten, so Bär. 

Auch die gewünschten Steuererleichterungen möchte die Bundesregierung einführen. «Games sind ein Kulturgut und Innovationstreiber, daher wollen
wir den Gamestandort durch steuerliche Anreize und verlässliche Programme fördern», heißt es im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD. Doch zu welchem Zeitpunkt? «Wir arbeiten dran», sagt Bär. Für so eine steuerliche Unterstützung müssten auch die Bundesländer zustimmen. Spätestens zum Ende der Legislaturperiode werde das Vorhaben umgesetzt, sagt die CSU-Politikerin. «Der Koalitionsvertrag ist noch drei Jahre gültig, aber ich habe natürlich ehrgeizigere Ziele.» 

Von der Millionenförderung profitiert nicht nur die Branche, sondern auch der Steuerzahler, heißt es in der Studie. Für jeden investierten Euro an Förderung seien 2023 knapp 2,50 Euro an Steuern und Sozialabgaben wieder eingenommen worden. Aus dem damaligen Fördertopf von 70 Millionen Euro seien so insgesamt 176 Millionen Euro wieder zurückgeflossen.

Computer / Spiel / Games / Computerspiele / Dorothee Bär / Deutschland / Gamesbranche
15.01.2026 · 15:04 Uhr
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