Atempause in Bayerns Nahverkehr: Verkehrschaos durch Streiks absehbar

Die Gewerkschaft Verdi ruft für diese Woche erneut zu einem landesweiten Warnstreik im bayerischen Nahverkehr auf. In München und Nürnberg soll der Betrieb am Mittwoch stark beeinträchtigt sein, während in Bayreuth die Streiks bereits am Dienstag beginnen. Betroffen sind U-Bahnen, Straßenbahnen und Buslinien, die von kommunalen Verkehrsbetrieben organisiert werden. Nicht betroffen sind die S-Bahnen und Regionalbahnen, die weiterhin planmäßig verkehren. In der aktuellen Tarifrunde handelt es sich um den zweiten Warnstreik, nachdem Anfang der Woche bereits erhebliche Einschränkungen den öffentlichen Nahverkehr in mehreren bayerischen Großstädten beeinträchtigten.
Verdi verfolgt das Ziel, mehr Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen zu bringen, steht jedoch einer unnachgiebigen Haltung der Arbeitgeber gegenüber. Landesbezirksleiter Sinan Öztürk hebt hervor, dass die Arbeitgeber bisher keine akzeptablen Angebote gemacht haben, was zu erneuten Streikmaßnahmen geführt hat. In Nürnberg werden voraussichtlich alle U-Bahn-Linien, Straßenbahnen und der Großteil der Busse stillstehen. Als Ersatz sollen private Anbieter auf 16 Buslinien im Nachtverkehr eingesetzt werden. Die Deutsche Bahn hingegen plant, ihren regulären Service aufrechtzuerhalten.
In München plant die Verkehrsgesellschaft auf ein stark reduziertes Busangebot zurückzugreifen, ergänzt durch private Unternehmen. Die S-Bahnen und Regionalbusse sollen, zur Erleichterung vieler Pendler und Studierender, planmäßig fahren. Die Streiks treffen nicht nur die täglichen Pendler. In München findet am Mittwoch zusätzlich das Pokalspiel zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig statt, weswegen Fans mit erheblichen Schwierigkeiten bei der Anreise zur Allianz Arena rechnen müssen. Auch der ADAC befürchtet eine deutliche Zunahme des Individualverkehrs und damit auch längere Staus auf den Straßen.
Verdi fordert für die Beschäftigten des öffentlichen Nahverkehrs in Bayern eine Gehaltserhöhung von 668,75 Euro und die Reduzierung der Wochenarbeitszeit. Dies wird von den Kommunen als zu kostspielig abgelehnt. Der Kommunale Arbeitgeberverband Bayern (KAV) betont die attraktiven Arbeitsbedingungen und die bereits zugesagte Gehaltserhöhung von mindestens 5 Prozent. Übermäßige Steigerungen, so der KAV, könnten zu höheren Fahrpreisen und einem reduzierten Angebot führen. Die Erfahrungen aus der vergangenen Woche zeigen, dass die Streiks erhebliche Auswirkungen haben können. In München wurde beispielsweise der Staulevel mehr als verdreifacht, zufolge des Verkehrsdienstleisters TomTom. Für die kommenden Tage muss daher abermals mit erhöhten Verkehrsaufkommen und längeren Fahrzeiten gerechnet werden.

