Nahost

Armee: Letzte tote Geisel aus Gaza zurück in Israel

26. Januar 2026, 20:07 Uhr · Quelle: dpa
Nahostkonflikt - Demonstration in Tel Aviv
Foto: Mahmoud Illean/AP/dpa
Für die Freilassung und Übergabe aller Geiseln waren monatelang Tausende Israelis auf die Straßen gegangen. (Archivbild)
Im Rahmen des Gaza-Abkommens sind nun alle toten Geiseln an Israel übergeben. So geht es jetzt mit dem von den USA vermittelten Gaza-Friedensplan weiter.

Gaza/Tel Aviv (dpa) - Alle von der Hamas entführten Geiseln sind zurück in Israel: Die Leiche des Polizisten Ran Gvili sei identifiziert und nach Israel gebracht worden, teilte Israels Armee mit. Das israelische Militär hatte zuvor auf einem Friedhof im Gazastreifen nach der letzten toten Geisel gesucht. Die Terrororganisation Hamas hatte eigenen Angaben zufolge den Vermittlern des Gaza-Abkommens alle zur Auffindung der Leiche nötigen Informationen übermittelt.

«Das gesamte Volk Israel ist zu Tränen gerührt», sagte der israelische Präsident Izchak Herzog. Auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zeigte sich erleichtert. «Es gibt keine Geisel mehr im Gazastreifen», sagte er im Parlament. Auch UN-Generalsekretär António Guterres begrüßte den Schritt. Alle Beteiligten müssten nun unverzüglich und mit gutem Willen die nächsten im Abkommen vorhergesehenen Schritte gehen.

US-Präsident Donald Trump, der den Gaza-Friedensplan vorangetrieben hat, äußerte sich ebenfalls erfreut: «Unglaubliche Leistung!», schrieb er auf der Plattform Truth Social vollständig in Großbuchstaben. Die meisten hätten das für unmöglich gehalten, fügte er hinzu und lobte die Verdienste von US-Vermittlern. 

Untersuchungen seit dem Wochenende

Mehrere israelische Medien meldeten, israelische Einsatzkräfte hätten seit dem Wochenende die sterblichen Überreste von rund 250 Menschen auf dem Friedhof untersucht. Vor wenigen Stunden sei Gvilis Leiche anhand ihrer Zahnstruktur erkannt worden, berichtete die «Times of Israel». Danach seien weitere Tests durchgeführt worden, um seine Identität zu bestätigen. Alle anderen Leichen würden zurück in ihre Gräber gebracht, der Friedhof gereinigt, hieß es weiter in dem Bericht. 

Sobald Israel im Gegenzug die Leichen von 15 Palästinensern übergeben hat, sind die Voraussetzungen zum Eintritt in die zweite Phase des von den USA vorangetriebenen Gaza-Friedensplans offiziell erfüllt. 

Die US-Regierung hatte die zweite Phase, die zu einem endgültigen Ende des Gaza-Kriegs führen soll, bereits ausgerufen. Die israelische Regierung sagte dagegen, erst dann in die nächste Phase des Friedensplans einzutreten, wenn der Leichnam der letzten Geisel nach Israel zurückgebracht worden sei. Auslöser des Gaza-Kriegs war das Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 in Israel.

Diese Punkte des Friedensplans wurden bislang umgesetzt

In einem ersten Schritt trat im Rahmen des US-Friedensplans am 10. Oktober 2025 bereits eine Waffenruhe zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas in Kraft. Zudem ließen islamistische Gruppen im Gazastreifen die letzten 20 noch lebenden, aus Israel entführten Geiseln frei, darunter auch Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft. Im Gegenzug dafür entließ Israel knapp 2.000 palästinensische Häftlinge aus Gefängnissen.

Die Hamas übergab zudem die letzten 28 Geisel-Leichen - allerdings anders als vereinbart nur sehr schleppend. Unter den Toten waren auch mehrere aus Israel entführte Ausländer. Israel übergab für jede tote israelische Geisel die sterblichen Überreste 15 verstorbener Bewohner Gazas, insgesamt bislang 360. Die genauen Todesumstände der Palästinenser sind nicht bekannt. 

Im Rahmen der mühsam errungenen Einigung kommt auch mehr Hilfe in den Gazastreifen. Israelische Soldaten zogen sich in dem Küstenstreifen zudem hinter die sogenannte «gelbe Linie» zurück. Israels Armee kontrolliert damit noch immer etwas mehr als die Hälfte des Palästinensergebiets. 

Hamas soll nun entwaffnet werden

Die von den USA bereits ausgerufene zweite Phase des Abkommens sieht nun die Entwaffnung der Hamas vor, was die Islamistenorganisation aber bislang ablehnt. Laut Beobachtern ist ein Kompromiss denkbar, so dass die Islamisten etwa auf Raketen verzichten könnten. Hamas-Mitglieder, die sich zu einer friedlichen Koexistenz mit Israel zur Niederlegung ihrer Waffen verpflichten, sollen Amnestie erhalten. Sollte es in dieser schwierigen Frage keine Einigung geben, könnte der Krieg wieder ausbrechen.

Übergangsregierung und weitere Gaza-Gremien gebildet

Vor kurzem wurden als Teil der zweiten Phase bereits die 14 Mitglieder einer palästinensischen Übergangsregierung bekanntgegeben, die den in zwei Kriegsjahren weitgehend zerstörten Gazastreifen verwalten soll. 

Zur Unterstützung dieser Regierung von Fachleuten, die keine Verbindung zur islamistischen Hamas haben sollen, wurde ein Gremium namens «Gaza Executive Board» ins Leben gerufen. Diesem gehören unter anderem der US-Sondergesandte Steve Witkoff, der britische Ex-Premier Tony Blair, der türkische Außenminister Hakan Fidan und der ranghohe katarische Diplomat Ali Thawadi an. Die Aufnahme der prominenten Vertreter aus Katar und der Türkei ärgert Israel. Beide Länder gelten als Unterstützer der Hamas. Berichten zufolge haben sie die Hamas aber dazu gebracht, dem Gaza-Abkommen zuzustimmen. 

Ein weiteres neues Gremium, das Exekutivkomitee, soll darüber hinaus die neue palästinensische Übergangsregierung beaufsichtigen und außerdem den Wiederaufbau im zerstörten Gazastreifen steuern. Dem sogenannten «Founding Executive Board» gehören unter anderem US-Außenminister Marco Rubio, Weltbank-Präsident Ajay Banga, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sowie Witkoff und Blair an.

«Friedensrat» soll Friedensprozess in Gaza überwachen

All diese Gremien sind dem sogenannten «Friedensrat» unterstellt, der sich aus führenden Politikern aus aller Welt zusammensetzen und von Trump geleitet werden wird. Dieser «Friedensrat» soll den Friedensprozess im Gazastreifen überwachen. Er wird sich - anders als zunächst erwartet - aber auch um andere internationale Konflikte kümmern. Beobachter sehen ihn als Konkurrenz zu den Vereinten Nationen. Viele europäische Staaten, darunter Deutschland, lehnen einen Beitritt ab. Mit dabei sind unter anderem Ungarn, Israel, Belarus, Katar, Saudi-Arabien und die Türkei.

Internationale Truppe soll Israels Armee in Gaza ablösen

Der «Friedensrat» soll auch eine internationale Stabilisierungstruppe (ISF) aufbauen, die im Gazastreifen für Ordnung sorgen soll. Ihre genaue Zusammensetzung ist allerdings noch offen. Mehrere mehrheitlich muslimische Länder hatten aber bereits Bereitschaft signalisiert, Soldaten zu stellen, so etwa Indonesien und Pakistan. Deutschland beabsichtigt nicht, sich militärisch an der ISF zu beteiligen. 

Israels Armee soll sich aus dem Gazastreifen zurückziehen und bislang gehaltene Gebiete schrittweise an die ISF übergeben. Einen konkreten Zeitplan für all diese Punkte gibt es noch nicht. 

Ob der Übergang zur zweiten Phase tatsächlich gelingt, ist ungewiss. Die Differenzen zwischen den Kriegsparteien sind riesig. Die Waffenruhe im Gaza-Krieg hatte zudem bereits in der ersten Phase mehrfach gewackelt.

Konflikte / Krieg / Nahost / Israel / Palästinensische Gebiete / USA / Hamas
26.01.2026 · 20:07 Uhr
[1 Kommentar]
Junge Liberale (Archiv)
Berlin - Vor der Neuwahl des FDP-Vorstands drängen die Jungen Liberalen darauf, die Partei möglichst breit aufzustellen. Es sei wichtig, "die Vielfalt liberaler Strömungen auszuhalten - statt eine zu opfern, um eine andere bei Laune zu halten", heißt es in einer Positionierung der FDP-Nachwuchsorganisation zum Bundesparteitag, über die die Zeitungen des […] (01)
vor 12 Minuten
Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden.
(BANG) - Katie Price hat erklärt, dass sie ihren Ehemann Lee Andrews vermisst – neun Tage nach dessen Verschwinden. Das frühere Glamour-Model feierte seinen 48. Geburtstag am Freitag (22. Mai) allein und veröffentlichte in den sozialen Medien ein bewegendes Video mit Fotos von sich und Lee, der seit vergangener Woche nicht mehr gesehen wurde, als er […] (01)
vor 22 Stunden
KI
Stuttgart (dpa) - Künstliche Intelligenz ist in den Zukunftsplanungen der deutschen Wirtschaft fest verankert, doch auf dem Weg in den produktiven Arbeitsalltag in den Unternehmen verliert sie oft massiv an Schwung. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des IT-Beratungsunternehmens Zoi. Für einen erfolgreichen KI-Einsatz mangle es weniger an Geld, sondern an der […] (00)
vor 3 Stunden
GTA 6: Der nächste Trailer könnte näher sein, als viele denken
GTA 6 ist wieder genau dort, wo Rockstar Games es offenbar am liebsten hat: mitten im Kopf der Fans. Kein Countdown. Keine große Ankündigung. Kein offizieller Trailer-Termin. Und trotzdem reicht ein einzelner Satz in einem Finanzbericht, damit die Spekulationen sofort wieder explodieren. Der neue Auslöser kommt aus dem aktuellen Jahresbericht von […] (00)
vor 52 Minuten
Eishockey kann nicht mit Fußball schritthalten - DTM ganz schwach
Obwohl der DFB schon sehr viel Aufmerksamkeit von Sport-Fans absorbierte, lief bei ProSieben parallel auch noch Eishockey. Zur Primetime gab es bei den Unterföhringern von ProSieben trotz Pokal-Finale das nächste Spiel der deutschen Männer bei der diesjährigen Eishockey WM zu sehen - sie spielten gegen Österreich. Nach ihrem kapitalen Fehlstart konnte die Mannschaft zuletzt im Match gegen […] (00)
vor 1 Stunde
Joao Fonseca
Paris (dpa) - Bei der Titeljagd im Tennis herrscht aktuell Langeweile. Jannik Sinner dominiert, und bei einer Rückkehr des aktuell verletzten Carlos Alcaraz läuft alles auf ein Duell der beiden Ausnahmekönner hinaus. Doch es gibt ein paar Jungstars, die sie herausfordern wollen. Das sind die Top-Talente bei den am Sonntag beginnenden French Open. Rafael […] (00)
vor 2 Stunden
Tragisches Unglück in der Kohlemine In der nördlichen Provinz Shanxi kam es am Freitagabend zu einer verheerenden Gasexplosion in einer Kohlemine, die die Zahl der Todesopfer zunächst auf 90 bezifferte, bevor sie auf 82 korrigiert wurde. Dies wurde von Guo Xiaofang, dem Leiter der Kreisregierung von Qinyuan, in einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Die […] (00)
vor 35 Minuten
Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen
Mörfelden-Walldorf, 23.05.2026 (lifePR) - Modellbau Utensilien professionell entfetten und reinigen Jeder Modellbauer kennt das Problem: fettige Fingerabdrücke, Staub oder Schweiß auf empfindlichen Bauteilen. Gerade beim Kleben oder Lackieren ist eine absolut saubere Oberfläche entscheidend, damit die Arbeit gelingt und das Modell ein perfektes Finish […] (00)
Gestern um 08:00
 
Joschka Fischer (Archiv)
Berlin - Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) warnt die CDU vor einer […] (00)
Gebäudeeinsturz Philippinen
Manila (dpa) - Ein im Bau befindliches neunstöckiges Gebäude im philippinischen […] (01)
weizenfeld, weizen, mais, field, landwirtschaft, sommer, getreidefeld, goldgelb, ahre, natur
Pfingstsonntag unter meist klarem Himmel Pfingstsonntag zeigt sich der Westen und […] (00)
Menschen auf der Straße (Archiv)
Berlin - Die Sorge der Menschen in Deutschland vor einem möglichen russischen […] (03)
Capcom schwört auf menschliche Kunst – doch hinter den Kulissen brummen schon die KI-Server
Ein Statement, das wie eine Kampfansage klingt: Capcom werde niemals generative KI […] (00)
«Rosen und Reis» fällt im Ersten gnadenlos durch
Die Hochzeitskomödie mit Anneke Kim Sarnau und Oliver Wnuk interessierte kaum jemanden. Selbst […] (00)
FC Bayern München - VfB Stuttgart
Berlin (dpa) - Uli Hoeneß hat den kollektiven Protest der Fans von Bayern München und […] (02)
Das Kohlen-Dilemma China hat sich seit langem auf seine robuste Kohlenproduktion […] (00)
 
 
Suchbegriff