Arbeitskämpfe in Deutschland: Ein Jahr der verkürzten Streiks
Die jüngste Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass die Streikaktivitäten im vergangenen Jahr in Deutschland leicht zurückgegangen sind. Insgesamt wurden 286 Arbeitskämpfe verzeichnet, 26 weniger als im Jahr davor. Dies könnte auf die hohe Inflationsrate zurückzuführen sein, die vielerorts Forderungen nach höheren Löhnen verstärkte, während auch Verbesserung in den Arbeitsbedingungen oft auf dem Verhandlungstisch lagen. Warnstreiks blieben dabei das häufig gewählte Mittel, unbefristete Erzwingungsstreiks sind weiterhin eine Seltenheit.
Trotz der gestiegenen Teilnehmerzahl von etwa 912.000 Personen – ein Zuwachs von 55.000 im Vergleich zum Vorjahr – fiel die Anzahl der arbeitskampfbedingten Ausfalltage merklich ab. Mit 946.000 Tagen liegt der Wert deutlich unter den rund 1,5 Millionen Tagen des Vorjahres. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Streiks 2024 im Durchschnitt kürzer ausfielen. Insbesondere in der Metall- und Elektroindustrie kam es zu umfangreichen, aber zeitlich begrenzten Warnstreiks mit großer Beteiligung, unter anderem bei VW und im kommunalen Nahverkehr.
Ein großer Teil der Arbeitskämpfe fand auf Haus-, Firmen- oder Konzernebene statt und nicht im Rahmen von Flächentarifverhandlungen, da sich viele Unternehmen aus letzteren zurückgezogen haben. Die Gewerkschaften bemühen sich daher verstärkt um den Abschluss von Haustarifverträgen. Doch nicht alle Streiks enden siegreich für die Gewerkschaften. Verhandlungen bei Unternehmen wie SRW Metalfloat, Amazon und Zalando verliefen bisher ohne entscheidenden Erfolg, was die Herausforderungen in der Arbeitskampfstrategie verdeutlicht.

