Arbeitgeber fordern Reform der Lohnfortzahlung: Ende der telefonischen Krankschreibung im Visier

Die Diskussion um die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gewinnt an Schärfe, während Arbeitgebervertreter in Deutschland auf eine Reform drängen. Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), kritisiert die aktuellen Regelungen und spricht sich für eine Begrenzung der Lohnfortzahlung auf maximal sechs Wochen pro Jahr und Arbeitnehmer aus, anstatt diese pro Krankheit zu gewähren. Diese Forderung äußerte er in einem Interview mit der 'Welt', untermauert von dem Argument, dass internationale Beispiele zeigen würden, dass großzügige Lohnfortzahlungen zu vermehrten Fehlzeiten, insbesondere bei leichten Erkrankungen, führten.
Dulger plädiert auch für ein Ende der Vergütung von Zuschlägen für Nacht-, Sonntags- und Überstundenarbeit im Krankheitsfall. Zudem erneuert er die Forderung nach Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Diese habe als pandemiebedingtes Notinstrument zwar ihren Zweck erfüllt, erweist sich heute jedoch als anfällig für Missbrauch. Als Alternative sieht Dulger die Einführung von Videosprechstunden.
Die Diskussion entfaltet sich vor dem Hintergrund steigender Fehlzeiten, die das Statistische Bundesamt auf durchschnittlich 14,8 Tage je Arbeitnehmer im letzten Jahr beziffert. Dieser Anstieg wird teilweise auf die umfassendere Erfassung durch die elektronische Krankschreibung zurückgeführt. Außerdem belastet die Lohnfortzahlung die Arbeitgeber erheblich; laut Schätzungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft beliefen sich die Kosten im letzten Jahr auf etwa 82 Milliarden Euro, beeinflusst durch höhere Beschäftigungszahlen und Lohnsteigerungen.

