Apotheken in England leisten Erste Hilfe bei häufigen Leiden
In England setzen Gesundheitsverantwortliche auf eine neue Strategie, um das stark beanspruchte britische Gesundheitssystem zu entzerren: Patienten mit bestimmten Erkrankungen können nun die Dienste einer Apotheke in Anspruch nehmen, ohne zuvor das Sprechzimmer eines Arztes aufsuchen zu müssen. Der staatliche Gesundheitsdienst NHS gibt bekannt, dass diese Maßnahme es ermöglichen soll, bis zu zehn Millionen Termine beim Hausarzt einzusparen, was in etwa 3,3 Prozent der Gesamtkonsultationen entspricht.
Die Notwendigkeit dieser Veränderung begründet sich in der Belastung der Hausarztpraxen – die Wartezeiten für Termine ziehen sich oft in die Länge. Angesichts der sich verändernden demografischen Struktur sowie einer steigenden Nachfrage nach medizinischer Versorgung betont NHS-Chefin Amanda Pritchard die Wichtigkeit von mehr Optionen und einem vereinfachten Zugang zum Gesundheitssystem.
Konkret sollen Apotheken nun Leiden wie Sinusitis, Hals- und Ohrenschmerzen, infizierte Insektenstiche, Hautausschlag der Art Impetigo, Gürtelrose und einfache Harnwegsinfektionen bei Frauen unter 65 direkt behandeln können. Die beteiligten Apotheken erhalten für ihr Engagement eine Pauschale von 2000 Pfund zuzüglich 15 Pfund pro Konsultation. Bei einer Mindestanzahl von Behandelten im Monat ist darüber hinaus ein Extra-Bonus von 1000 Pfund vorgesehen. Dieses Vorgehen ist nicht neu; ähnliche Modelle werden bereits in Schottland, Wales und Nordirland praktiziert, und seit Dezember 2023 können Frauen in vielen Apotheken des Landes die Antibabypille auch ohne ärztliche Verschreibung beziehen.
Gesundheitsverbände haben diese Entwicklung positiv aufgenommen, jedoch machen Apotheker gleichzeitig auf den Bedarf an verstärkter staatlicher Unterstützung aufmerksam. Sie weisen darauf hin, dass die Anzahl der qualifizierten Apothekenkräfte in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen ist. (eulerpool-AFX)

