Analyse: US-Hilfe in Haiti - Die Weltmacht greift ein

17. Januar 2010, 22:19 Uhr · Quelle: dpa
Washington (dpa) - Mindestens 1000 amerikanische Soldaten sorgen im Erdbebengebiet in Haiti bereits für Ordnung, weitere 9000 bis 10 000 sollen folgen.

Der US-Flugzeugträger «USS Carl Vinson» liegt mit Elite-Einheiten an Bord vor der Küste des Karibikstaats vor Anker, weitere US-Kriegsschiffe plus ein riesiges Lazarettschiff sind auf dem Weg. Auf dem Internationalen Flughafen von Port-au-Prince haben Amerikaner die Kontrolle übernommen, US-Hubschrauber fliegen über das Katastrophengebiet, und um die Präsenz der USA richtig deutlich zu machen, reiste auch gleich Außenministerin Hillary Clinton als erster hoher ausländischer Besuch an - die friedliche Invasion der Weltmacht USA ist in vollem Gange.

Keine Sekunde haben die Amerikaner gezögert, Präsident Barack Obama hat die Hilfe für das Land im eigenen «Hinterhof» zur Chefsache gemacht, hat die gigantische Hilfsmaschinerie des Militärs angeschoben. Das Problem: Das Beben hat große Teile der ohnehin desolaten Infrastruktur des Armenhauses Haiti in Schutt und Asche gelegt. Kein Strom, kein Wasser, Hafen und Airport zerstört - bevor die Hilfswelle voll anlaufen kann, müssen derartige «Flaschenhälse» instand gesetzt werden. Das liegt derzeit so gut wie vollständig in den Händen der Amerikaner.

Problem Flughafen: Zu den ersten ankommenden Maschinen zählten in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) fünf US-Militärflugzeuge. An Bord war technisches Material, um die notwendigste Luftüberwachung zu gewährleisten, damit weitere Hilfsflüge mit Lebensmitteln, Trinkwasser und Medikamenten überhaupt einfliegen können. Die haitianischen Behörden übergaben auch die Hoheit über die Luftüberwachung an den «großen Bruder». AWACS-Aufklärungsflugzeuge überwachen den Himmel über der Karibik - als «Fluglotsen», um die Sicherheit des Luftverkehrs zu gewähren.

Noch treffen die Hilfen eher spärlich ein. Flugzeuge werden angewiesen, reichlich Kerosin an Bord zu haben - die Maschinen müssen wegen des verstopften Airports oftmals über Stunden Warteschleifen fliegen. «Wir hoffen, dass wir bald eine Kapazität von 90 Maschinen pro Tag haben», hofft PJ Crowley, Sprecher des Außenministeriums.

Problem Verkehr: Viele Straßen sind nicht zu passieren, Hubschrauber mitunter die einzige Chance, schnelle Rettung zu bringen. So hat der Flugzeugträger «Carl Vinson» 19 Helikopter an Bord, die mit Hilfsflügen begonnen haben. Oberste Priorität ist dabei die Versorgung mit Trinkwasser.

Die schlimmste Furcht, die auf Haiti umgeht, ist die Angst vor Plünderungen und «Hungerrevolten» - auch hier stehen die USA bereit. Notfalls sollen Soldaten dafür sorgen, dass es bei der Verteilung von Nahrungsmitteln und Wasser gerecht zugeht. Schon berichten erste TV-Reporter, mitunter herrsche bei solchen Aktionen das «Recht des Stärkeren». Nach Angaben der UN wurden in den ersten Tagen lediglich 8000 Menschen mit Lebensmitteln versorgt - das ist der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Es heißt, zwei bis drei Millionen Menschen seien bedürftig.

Schon sprach US-Verteidigungsminister Robert Gates von vereinzelten Plünderungen. «Der Schlüssel ist es, Lebensmittel und Wasser so schnell wie möglich herbeizuschaffen, damit die verzweifelten Menschen nicht zur Gewalt greifen.» Generalstabschef Mike Mullen kündigte für die nächsten Tage die Ankunft von 9000 bis 10 000 weiteren Soldaten an - allein 5000 seien für «Sicherheitsbelange» vorgesehen.

Die USA scheinen zu einem längerfristigen Engagement bereit zu sein. «Wir sind hier, um Euch zu helfen... Wir sind heute hier, wir werden morgen hier sein und in der Zeit, die vor uns liegt«, sagte Clinton nach ihrem Gespräch mit Haitis Präsident René Préval. Eine der Ängste, die in Washington umgeht, ist es, dass Not und Elend auf Haiti zu einer längerfristigen politischen Destabilisierung führen könnten - mit möglichen Flüchtlingsströmen in die USA als Folge.

Die USA, die Anfang des 20. Jahrhunderts Kolonialmacht in Haiti waren, «haben wenig andere Möglichkeiten, als sich langfristig stark zu engagieren«, sagt Michael Shifter, Vizedirektor des Washingtoner Think Tanks «Inter-American Dialog», der Zeitung «Wall Street Journal». Die Not nach dem Beben sei einfach zu groß. «Wir werden in dieser schwierigen Zeit Hilfe leisten», verspricht Obama.

Erdbeben / Haiti / USA
17.01.2010 · 22:19 Uhr
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