Analyst verteidigt Circles Entscheidung, $280 Millionen Drift-Hack-Fonds nicht einzufrieren

Der Stablecoin-Emittent Circle steht nach dem $280 Millionen schweren Angriff auf das Solana-Handelsprotokoll Drift unter Druck. Eine kalifornische Anwaltskanzlei hat eine Sammelklage gegen Circle eingereicht. Der Vorwurf: Circle habe zugesehen, wie Hacker mit Verbindungen zu Nordkorea gestohlene USDC über die eigene Brücke transferierten, und sei somit für die Verluste der Investoren verantwortlich.
Ein Analyst argumentiert jedoch, dass Circles zurückhaltende Haltung nicht als Nachlässigkeit zu werten sei, sondern als notwendige Maßnahme, um die grundlegenden Prinzipien zu wahren, die USDC für institutionelle Nutzer attraktiv machen.
Warum das Einfrieren der Gelder problematisch gewesen wäre
Lorenzo Valente, Forschungsleiter bei ARK Invest, erklärte, dass das Einfrieren der gestohlenen USDC ohne gerichtliche Anordnung dazu geführt hätte, dass der Stablecoin von Circles subjektiven Entscheidungen abhängt. Der Vorfall sei ein "Markt-/Orakel-Exploit" und kein klarer Diebstahl gewesen, was bedeutet, dass er in einer Grauzone liegt, die aggressive, aber legale Handelsstrategien umfasst. Valente warnt, dass eine solche Praxis zu einem System führen könnte, in dem Entscheidungen ohne rechtliche Grundlage getroffen werden.
Valente betont zudem die Gefahr von Kettenreaktionen: Wenn Stablecoin-Emittenten Gelder nach eigenem Ermessen einfrieren, könnte dies dazu führen, dass Brücken Überweisungen rückgängig machen, dezentrale Börsen Router auf schwarze Listen setzen und Orakel Preisfeeds willkürlich anpassen.
"The whole point of permissionless onchain finance is that none of these actors get to play judge," schrieb er.
Der Analyst sieht in der Einhaltung rechtlicher Verfahren eine Produktfunktion, keine Einschränkung. Institutionen setzen auf USDC, weil Circle nicht willkürlich Guthaben löschen kann. Ein Stablecoin, der sich von öffentlichem Druck beeinflussen lässt, könnte leicht zu unüberlegten Handlungen verleitet werden.
Ein weiteres Risiko besteht darin, dass Hacker Gelder schnell bewegen. Unschuldige Liquiditätsanbieter und Market Maker könnten ungewollt Tokens halten, die durch Mixer oder Brücken geschleust wurden. Ein zu aggressives Einfrieren könnte dazu führen, dass Plattformen wie Circle unrechtmäßig Gelder von Unbeteiligten einziehen und sich so Klagen aussetzen.
Valente kritisiert auch die Inkonsistenz in der öffentlichen Wahrnehmung. Der bekannte On-Chain-Ermittler ZachXBT habe Circle zuvor für das Einfrieren von Wallets ohne Erklärung kritisiert, fordere nun aber ein schnelleres Eingreifen.
"You can't have it both ways," schrieb der ARK-Forscher. "Either Circle uses broad discretion (and you don't get to complain when they freeze something you like), or they only act under legal order."
Die Klage gegen Circle wurde von Gibbs Mura eingereicht. Der Rechtskommentator Jacob Robinson bezeichnete die Vorwürfe als "gefährlich und präzedenzbildend". Eine der Behauptungen ist, dass Circle Hacker unterstützt habe, indem es ihnen die Nutzung des Cross-Chain Transfer Protocols ermöglichte. Eine andere ist, dass Circle verpflichtet gewesen sei, den Schaden zu erkennen und die Vermögenswerte einzufrieren.
Robinson bezweifelt den Erfolg der Klage, warnt jedoch, dass ein Erfolg das Risiko für alle Betreiber von Brücken erhöhen könnte.
Drift setzt auf Tether
Während Circle seine Entscheidungen verteidigt, geht Drift Protocol neue Wege. Das Projekt kündigte eine Zusammenarbeit mit Tether im Umfang von fast $150 Millionen an. Geplant ist ein Neustart, bei dem USDT anstelle von USDC für Abwicklungen verwendet wird.
Ein $100 Millionen Kreditrahmen, Ökosystem-Zuschüsse und Darlehen an Market Maker sollen einen Erholungspool für betroffene Nutzer finanzieren.
Circles CEO Jeremy Allaire hatte bereits in einer Pressekonferenz in Seoul erklärt, dass das Unternehmen nur auf gesetzliche Anordnungen hin handelt. Circle könne sich nicht von rechtlichen Verpflichtungen lösen, um moralische Entscheidungen zu treffen, selbst wenn diese offensichtlich erscheinen.

