Analyse: Klitschkos 24 Stunden Auswärts-Diplomatie

02. Februar 2014, 17:17 Uhr · Quelle: dpa

München (dpa) - Die letzte Runde wird eingeläutet, da wird der ehemalige Boxweltmeister nervös. Vitali Klitschko sitzt in einem Sessel auf dem Podium der Münchner Sicherheitskonferenz, tippt hektisch mit den Fingern auf die Lehne und geht noch einmal sein Manuskript durch.

Der ukrainische Oppositionspolitiker weiß: Jetzt kommen die für ihn vielleicht wichtigsten Minuten dieses Tages. Mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, US-Außenminister John Kerry oder dem Deutschen Frank-Walter Steinmeier hat er da bereits gesprochen. Doch jetzt, auf dem Podium, hat er die Chance, vor 400 Politikern und Sicherheitsexperten gleichzeitig um Unterstützung zu werben.

Für einen Tag hat Klitschko die Wirren in seinem Heimatland hinter sich gelassen. Die Staatskrise, den Machtkampf mit der Regierung, die gewaltsamen Demonstrationen, die Toten. Ob er sich die Reise erlauben könne, wird er gefragt. «Ganz kurz, nur für heute, und dann fliege ich zurück», sagt er. Es sei wichtig, mit «Freunden» zu sprechen, um - wenn möglich - die Eskalation in seinem Heimatland zu stoppen.

Direkt neben ihm auf dem Podium nimmt allerdings einer seiner Gegner Platz: der amtierende ukrainische Außenminister Leonid Koschara. Beide begrüßen sich mit einem kurzen Handschlag. Aber das war's dann auch. Unterkühlter könnte die Debatte nicht sein, kaum schärfer das Trennende.

Koschara versucht es mit Offensivverteidigung. «Wir denken, dass wir alle wichtigen Forderungen der Opposition erfüllt haben», sagt er. Jetzt müsse die Opposition Entscheidungen treffen. Und Koschara erhebt Vorwürfe gegen Teile der Opposition. Er unterstütze friedliche Demonstranten, aber er dulde keine gewalttätigen Übergriffe auf die Polizei. Außerdem kritisiert Koschara: «Es geht hier nicht um einen Kampf um Demokratie, sondern es geht um den Kampf um ein Amt.»

Klitschko geht zum Gegenangriff über, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Machthaber um Präsident Viktor Janukowitsch. Die hätten den Weg der Spannung und der Konfrontation gewählt, den Weg von Terror und Gewalt. Doch der Druck auf Janukowitsch wachse, sagt er - und fordert erneut, die Regierung müsse sämtliche Forderungen erfüllen.

Klitschko setzt auf die Macht der Bilder: Er verteilt Broschüren mit Fotos aus den Straßen von Kiew. Auch Koschara hält er das Heft hin, blättert es vor dessen Augen durch. Koschara schaut sogar hin.

Der große Applaus im «Bayerischen Hof» zeigt deutlich, wem die Sympathien gehören: dem bulligen Zwei-Meter-Mann. Doch die Diskussionen in München zeigen auch, welchen Schwierigkeiten die ukrainische Opposition auf internationalem Parkett gegenübersteht.

Da ist einerseits Kerry, der die Opposition der Solidarität des Westens versichert. Die Menschen in der Ukraine hätten das Recht, ihre Zukunft selbst zu bestimmen. «Die USA und die Europäische Union stehen an der Seite des ukrainischen Volkes in diesem Kampf.» Und da ist auf der anderen Seite der russische Außenminister Sergej Lawrow, der dem Westen vorwirft, dem ukrainischen Volk keine Wahl zu lassen, als sich in Richtung Europa und Nato zu orientieren. Lawrow fragt provozierend: «Was hat das Aufwiegeln zunehmend gewalttätiger Proteste auf der Straße mit dem Werben für Demokratie zu tun?» Und warum die EU eigentlich nicht die verurteile, die Gebäude besetzt hielten?

Klitschko weiß, dass der Kampf noch lange nicht zu Ende ist. Das macht er mittags auch bei einem kurzen Auftritt auf einer Kundgebung deutlich. «Ohne Kampf gibt es keinen Sieg - deswegen müssen wir kämpfen. Deswegen müssen wir kämpfen für unser Land», ruft er den mehreren hundert Anhängern zu, die sich auf einem Platz in der Nähe versammelt haben. Er ruft: «Wir werden siegen.»

Am Ende seiner kurzen Ansprache reckt Klitschko die Fäuste Richtung Himmel, der an diesem Samstag blitzblau über München strahlt. Fast unwirklich ist der Vergleich zu den Fotos aus Kiew von vor gut einer Woche, die Klitschko inmitten der Proteste vor schwarzen, dichten Rauchwolken zeigten. Kiew scheint an diesem Mittag weit, weit weg. Nur die Fotos, die Klitschkos Anhänger an den Bühnenrand geklebt haben, vermitteln, um was es geht. Es sind blutige Fotos aus Kiew.

Am Ende des Konferenztages wirkt Klitschko erschöpft. Doch auf einer Pressekonferenz zum Abschluss versichert er, er verlasse München stärker als er gekommen sei - wegen der großen Unterstützung, die er spüre. Für ihn haben sich die gut 24 Stunden gelohnt. Aber ein Ausweg aus der Krise in der Ukraine ist weiter nicht in Sicht.

International / KORR-Inland / Sicherheit / Ukraine
02.02.2014 · 17:17 Uhr
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