Analyse: Einschüchterung und Knüppelhiebe in Algier

12. Februar 2011, 22:07 Uhr · Quelle: dpa

Algier/Paris (dpa) - Erst Ben Ali in Tunesien, dann Mubarak in Ägypten und als nächstes Bouteflika in Algerien? Die seit Wochen anhaltenden Proteste von Regimegegnern nähren auch im größten nordafrikanischen Land Hoffnungen auf einen demokratischen Öffnung.

Ein schneller Sturz des seit 1999 regierenden Präsidenten scheint nach diesem Samstag aber unwahrscheinlich. Ein von Oppositionsvertretern organisierter Protestmarsch in der Hauptstadt Algier wurde von Sicherheitskräften ohne große Probleme verhindert. Lediglich einige Tausend Demonstranten trauten sich angesichts der bis an die Zähne bewaffneten Polizisten überhaupt auf die Straße.

In den vergangenen Tagen war die Opposition noch voller Zuversicht gewesen. Zahlreiche Intellektuelle und Wissenschaftler hatten sich dem Protestaufruf des Bündnisses für Wandel und Demokratie angeschlossen. Nahezu täglich berichteten die Medien über Selbstverbrennungen und große Streiks im Land. «Die Menschen wollen nicht länger unterdrückt werden und fordern ihre Rechte», kommentierten Menschenrechtler wie Khelil Abdelmoumen. «Kommt zahlreich und bringt Eure Freunde mit», schrieb der Künstler Amazigh Kateb.

Wer in Heerscharen anrückte, waren letztendlich nur die Sicherheitskräfte. Mit einem gewaltigen Polizeiaufgebot demonstrierte die Regierung am Samstag in Algier ihre Macht. Der nicht genehmigte Protestmarsch konnte erst gar nicht vom Platz des 1. Mai starten. Wer versuchte, durch Absperrungen zu kommen, bekam Knüppelschläge ab. Lediglich rund 2000 Menschen kamen letztendlich zusammen. «Bouteflika, auf Wiedersehen» oder «Bouteflika-Verschwinde»-Rufe hallten durch die Luft, doch der große Volksaufstand blieb aus.

«Kaum einer in Algerien möchte, dass es noch einmal Chaos, Gewalt und Zerstörung gibt», kommentiert Alexander Knipperts von der Friedrich-Naumann-Stiftung in Algerien. Die Erinnerungen an den Bürgerkrieg in den 90er Jahren steckten den Menschen tief in den Knochen. Bei den Kämpfen zwischen Islamisten und Regierungsanhängern kamen damals mehr als 150 000 Algerier ums Leben. Beim Versöhnungsprozess verdiente sich Abdelaziz Bouteflika im eigenen Land viel Anerkennung.

Nach dem erfolgreich verhinderten Protestmarsch am Samstag können der Präsident und die Regierung jetzt darauf hoffen, dass ihre Beschwichtigungsversuche die Lage weiter beruhigen. Sie versprachen in den vergangenen Tagen unter anderem eine Ende des seit 19 Jahren geltenden Ausnahmezustands und mehr Rechte für die Opposition. Bereits nach den ersten Unruhen im Januar waren Preissenkungen für Grundnahrungsmittel wie Zucker und Speiseöl angekündigt worden.

Auf den Ausgang der Proteste in Algerien will deswegen niemand wetten. «Es gibt in Algerien nicht die einhellige Meinung, dass Bouteflika weg muss», sagt der Politikwissenschaftler Knipperts. «Momentan sind alle Prognosen Kaffeesatzleserei.» Eine westliche Diplomatin kommentiert: «Es kann sein, dass sich eine Dynamik entwickelt, es kann aber auch sein, dass noch lange alles beim Alten bleibt.»

Regierung / Unruhen / Algerien
12.02.2011 · 22:07 Uhr
[0 Kommentare]
Streik bei der dpa am 20.03.2026
Berlin - Die Gewerkschaft Verdi ist mit dem eintägigen Streik bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufrieden. "Die Streikbeteiligung wurde von allen als die Erwartungen übertreffend hoch eingeschätzt", sagte der für Medien zuständige Verdi-Bereichsleiter Matthias von Fintel am Freitag der dts Nachrichtenagentur. Insgesamt waren rund 800 dpa- […] (00)
vor 6 Minuten
Olivia Rodrigo
(BANG) - Olivia Rodrigo fällt es schwer, Songs zu schreiben, wenn sie glücklich ist. Die Sängerin steht kurz vor der Veröffentlichung ihres derzeit noch unbetitelten dritten Albums – das auf 'Sour' aus dem Jahr 2021 und dessen Nachfolger 'Guts' aus dem Jahr 2023 folgt – doch sie hat zugegeben, dass es ihr schwerfällt, melancholische Musik zu schreiben, […] (00)
vor 3 Stunden
ARD-Sendung "Immer wieder sonntags"
Baden-Baden (dpa) - Die ARD setzt die Schlagersendung «Immer wieder sonntags» ab. In diesem Jahr werden die letzten 13 Live-Ausgaben des Formats mit dem Traunsteiner Moderator Stefan Mross (50) produziert, wie der SWR in Baden-Baden auf Anfrage bestätigte. Die Sendung läuft seit rund 30 Jahren im Ersten und gehört zu den beliebtesten Volksmusik-Shows in […] (00)
vor 2 Stunden
Capcoms CEO erklärt den PC zur wichtigsten Gaming-Plattform der Welt und hat die Zahlen dafür
Capcom hat in den letzten Jahren bewiesen, dass das Studio weiß, wie man Spiele entwickelt, die sich verkaufen. Monster Hunter, Resident Evil, Devil May Cry – die Marken sprechen für sich. Doch neben den Spielen selbst gibt es eine strategische Weichenstellung, die CEO Kenzo Tsujimoto im aktuellen Jahresbericht unmissverständlich formuliert hat. Und sie […] (00)
vor 32 Minuten
Chuck Norris ist tot
Mit Chuck Norris verliert die Film- und Fernsehwelt einen der prägendsten Actionstars des 20. Jahrhunderts. Der US-Schauspieler und Kampfsportler Chuck Norris ist im Alter von 86 Jahren verstorben. Wie seine Familie mitteilte, starb er im Kreis seiner Angehörigen. Mit Norris geht eine Figur, die wie kaum eine andere für Härte, Disziplin und ein sehr spezifisches Bild des amerikanischen […] (04)
vor 2 Stunden
Jonathan Wheatley
Neuburg an der Donau (dpa) - Das neue Formel-1-Werksteam von Audi muss sich schon nach zwei Saisonrennen einen neuen Teamchef suchen. Der Brite Jonathan Wheatley werde den Rennstall mit sofortiger Rennstall verlassen, teilte der Autobauer mit. Mattia Binotto, Leiter des Formel-1-Projekts von Audi, werde nun auch die Aufgaben des Teamchefs übernehmen. Der 56-Jährige war auch schon Teamchef bei […] (00)
vor 9 Minuten
stock, chart, apple, bitcoin, investing, trading, crypto, block chain, vpn, euro
Diese Woche werfen wir einen genaueren Blick auf die Kursentwicklungen von Ethereum, Ripple, Cardano, Binance Coin und Hyperliquid. Ethereum (ETH) Ethereum testete in dieser Woche den Widerstand bei $2.400, wurde jedoch schnell zurückgewiesen, da der Gesamtmarkt eine deutliche Korrektur erlebte. Dennoch liegt der Preis 2% über dem Niveau der […] (00)
vor 36 Minuten
RAECKS im ersten Quartal 2026 – Wachstum, Vertrauen und internationale Expansion
Kerpen, 20.03.2026 (PresseBox) - Die RAECKS GmbH aus Frechen blickt auf ein starkes erstes Quartal 2026 zurück. Positive Kundenbewertungen, eine erfolgreiche Messepremiere und die gezielte Expansion in neue Märkte markieren einen klaren Wachstumskurs für die Regalmacher im B2B-Bereich. Besonders stolz sind die Regalmacher auf das erhebliche Umsatzwachstum im Vorjahresvergleich. Hohe Usability, […] (00)
vor 1 Stunde
 
Justicia (Archiv)
Hannover - Im Korruptionsprozess gegen einen Staatsanwalt vor dem Landgericht […] (00)
Prozess wegen Mordes
Stuttgart/Sindelfingen (dpa) - Etwas mehr als ein Jahr nach dem Fund einer […] (00)
Donald Trump (Archiv)
Washington - US-Präsident Donald Trump hat seine Kritik an den Partnerstaaten in der […] (05)
Norwegisches Kronprinzenpaar Haakon und Mette-Marit
Oslo (dpa) - Den Skandalen um Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit (52) zum Trotz […] (01)
ARC Raiders: Embark trennt sich von Mitgründer Rob Runesson
Embark Studios, der Entwickler von ARC Raiders und The Finals, hat sich von […] (00)
Deutsche Modeindustrie am Abgrund: Iran-Krieg trifft eine Branche, die schon taumelt
Eine Branche, die sich noch nicht erholt hat, bekommt den nächsten Schlag Zwei Jahre in Folge […] (00)
Olivia Rodrigo
(BANG) - Olivia Rodrigo möchte "halb" nach Großbritannien ziehen. Die 23-jährige […] (00)
Cyberkriminalität
Wiesbaden (dpa) - In einem großangelegten Schlag gegen ein internationales Hacker- […] (00)
 
 
Suchbegriff