Analyse: Die Wut der Pegida-Bürger: Wer ist das Volk?

06. Januar 2015, 22:27 Uhr · Quelle: dpa

Dresden/Berlin (dpa) - Wer sich den von Woche zu Woche wachsenden Pegida-Protestmärschen in Dresden anschließt, kann unbehelligt in der Menge mitschwimmen.

Das ist in Köln, München oder Berlin, wo zur gleichen Zeit Tausende lautstark für ein multikulturelles Deutschland demonstrieren, ganz anders. Wohl deshalb ist der Anteil der Extremisten und Rechtsradikalen an den Kundgebungen von «Kögida», «Mügida» und «Bärgida» höher als in Sachsen.

Vordergründig geht es ihnen um die Bewahrung der Kultur des «Abendlandes». In der Praxis hapert es allerdings manchmal schon an der deutschen Rechtschreibung. Dass das «D» in dem Satz «Sachsen bleibt Deutsch» eigentlich klein sein müsste - Schwamm drüber. Auffällig ist auch, dass bei den Demonstrationen in Dresden, Köln und München diesmal neben der Deutschlandfahne auch vereinzelt die von Rechtsextremen entworfene Fahne des «Vierten Reichs» zu sehen war.

Neben «deutsch» taucht bei den Aktionen von Pegida und ihren vielen kleineren Ablegern das Wort «Volk» am häufigsten auf. Das «deutsche Volk», das ist der kleinste gemeinsame Nenner. In Städten wie Köln, wo man italienischen Migranten auch dann freundlich auf der Straße begegnet, wenn sie wie 2012 den Sieg über Deutschland im Halbfinale der Fußball-EM feiern, kann man mit solchen Slogans keine Massen um sich scharen. In Dresden, wo die «Völkerfreundschaft» zwar über Jahrzehnte Teil der DDR-Ideologie, aber keine gelebte Praxis war, ist das anders. «Der Osten war eine homogene Gesellschaft, ob man das nun mag oder nicht», sagt die frühere Fraktionschefin der Grünen im sächsischen Landtag, Antje Hermenau.

Allerdings, fremdenfeindliche Ressentiments und Islam-Kritik sind - darauf weisen auch Migrationsforscher hin - nicht die einzige Triebfeder der Pegida-Spaziergänger. Oft ist es Fundamentalkritik an der politischen Klasse, die sie auf die Straße treibt. In der Studie «Fragile Mitte - Feindselige Zustände» von 2014 identifizierten sich 70 Prozent der Befragten mit dem Satz: «Politiker nehmen sich mehr Rechte heraus als normale Bürger».

Die These, dass soziale Abstiegsängste hinter den Pegida-Protesten stecken, hält der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung, Andreas Zick, für abwegig. Er stellt sogar eine «wachsende Zustimmung zu chauvinistischen und nationalorientierten Einstellungen nach der Überwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise» fest.

Auch die Tatsache, dass die Wiege von Pegida ausgerechnet in Dresden steht, spricht für Zicks Theorie. Denn mit der Zahl der Arbeitslosen stand Dresden im sachsenweiten Vergleich schon immer besser da als andere Städte. In ganz Sachsen hat sich die Arbeitslosenquote in den vergangenen zehn Jahren zudem von 16,9 Prozent auf 8,1 Prozent (November 2014) halbiert. Auch andere ökonomische Daten deuten auf keine besondere «Notlage» der Elbestadt hin. Ganz im Gegenteil. Dresden ist nach dem Verkauf seiner Wohnungsgesellschaft 2006 de facto schuldenfrei. Die Stadt kann sich parallel teure Kulturprojekte wie den Umbau des Kulturpalastes und eines früheren Kraftwerkes zu einer modernen Spielstätte für die Staatsoperette und das Theater Junge Generation leisten.

Die Teilnehmer der Pegida-Demonstrationen haben sich lange dagegen gewehrt, als Frustrierte oder «Wutbürger» bezeichnet zu werden. Von «Wut» spricht an diesem Abend in Dresden aber auch einer der Redner. Der Publizist Udo Ulfkotte zeichnet ein düsteres Bild Deutschlands. Er spricht von einer angeblich drohenden Islamisierung, als deren Folgen Mädchen und Jungen in Schulen und Kindergärten kein Schweinefleisch mehr essen dürfen.

Wer die Wortbeiträge der «Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» hört, kann die Reaktionen der Teilnehmer voraussagen. Am lautesten wird immer dann gejubelt oder «Buh» geschrien, wenn es um muslimische Fanatiker geht oder wenn die «Lügenpresse» beschimpft wird. In den Sprechchören sind Politiker «Volksverräter» und die Pegida-Demonstranten «das Volk».

Kathrin Oertel gehört zum Organisationsteam von Pegida. Sie ist diesmal die erste Rednerin auf dem kleinen Lautsprecherwagen. Gleich zu Beginn hebt sie auf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ab, die in ihrer Neujahrsansprache gesagt hatte, die Menschen sollten den Organisatoren von Pegida nicht folgen. Als Merkels Name fällt, ertönt ein Pfeifkonzert. Die Kanzlerin gehört jetzt zum Pegida-Feindbild.

Warum die breit gefächerten Forderungen der Pegida gerade in Dresden auf so viel Widerhall stoßen, ist nicht vollends geklärt. Zu DDR-Zeiten galt die Elbestadt als «Tal der Ahnungslosen», weil im Talkessel kein Westfernsehen zu empfangen war. Andere sehen in der Zerstörung der barocken Stadt im Zweiten Weltkrieg einen Grund dafür, warum Dresden einen besonderen Mythos hat und die Einwohner stärker als anderswo auf die Bewahrung des Althergebrachten setzen.

Demonstrationen / Flüchtlinge / Asyl / Sachsen
06.01.2015 · 22:27 Uhr
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