Menschenrechte

Amnesty kritisiert westliche Doppelmoral

28. März 2023, 01:24 Uhr · Quelle: dpa
Protest und Flucht sind für die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die hervorstechenden Entwicklungen des vergangenen Jahres. Mahnende Worte findet sie auch für die Bundesregierung.

Berlin/London (dpa) - Härte gegen Moskau, Milde bei Freunden: Angesichts der Folgen des russischen Kriegs gegen die Ukraine hat Amnesty International Doppelmoral angeprangert. «Die entschlossene Reaktion des Westens auf Russlands Aggression gegen die Ukraine steht in scharfem Kontrast zu einem beklagenswerten Mangel an sinnvollen Maßnahmen gegen schwerwiegende Verletzungen durch einige ihrer Verbündeten, darunter Israel, Saudi-Arabien und Ägypten», kritisierte die Menschenrechtsorganisation in ihrem am Montag vorgelegten Jahresbericht 2022/23.

Scharfe Kritik gab es auch am brutalen Vorgehen der iranischen Regierung gegen Demonstranten sowie an Einschüchterungsversuchen mit Gewalt und Drohungen aus China.

«Russlands Invasion in der Ukraine ist ein erschreckendes Beispiel dafür, was passieren kann, wenn Staaten glauben, sie könnten internationales Recht missachten und Menschenrechte ohne Konsequenzen verletzen», sagte Amnesty-Generalsekretärin Agnès Callamard. «Die Reaktionen auf Russlands Invasion in der Ukraine haben uns gezeigt, was getan werden kann, wenn der politische Wille vorhanden ist.» Diese Maßnahmen mit harten Sanktionen müssten eine Blaupause sein für den Umgang mit anderen Menschenrechtsverletzungen.

Dass der Westen mit zweierlei Maß messe, habe es etwa China, Ägypten und Saudi-Arabien ermöglicht, Kritik an ihrer Menschenrechtsbilanz zu umgehen, betonte Amnesty. Doppelmoral und unangemessene Reaktionen auf Menschenrechtsverletzungen hätten auf der ganzen Welt zu Straflosigkeit und Instabilität geführt. Konkret nannte Amnesty «ohrenbetäubendes Schweigen zur Menschenrechtsbilanz Saudi-Arabiens, Untätigkeit gegen Ägypten und die Weigerung, dem israelischen System der Apartheid gegen die Palästinenser entgegenzutreten».

AI Deutschland: Russlands Krieg ein Brandbeschleuniger

Der Generalsekretär von Amnesty International Deutschland, Markus Beeko, sagte, der russische Krieg in der Ukraine wirke wie ein Brandbeschleuniger, der negative menschenrechtliche Entwicklungen verstärke. «Wer die Einhaltung der Menschenrechte gegenüber anderen Ländern einklagt und einfordert, der muss ebenso vor der eigenen Tür kehren», forderte er von Deutschland und der Europäischen Union (EU).

Beeko lobte die Aufnahme von mehr als einer Million Menschen aus der Ukraine durch Deutschland als gut und wichtig. Doch Menschen Schutz zu gewähren, bedeute auch, die Ressourcen dafür bereitzustellen, dass sie gut untergebracht würden und am gesellschaftlichen Leben teilhaben könnten. «Die Kommunen müssen hierfür vom Bund dauerhaft unterstützt werden», forderte er. Es dürfe zudem «keine Doppelstandards» geben. «Die unbürokratische Hilfe für Menschen aus der Ukraine sollte eine Blaupause für den Umgang mit Schutzsuchenden aus allen Teilen der Welt sein», verlangte Beeko.

Hervorstechende Entwicklungen Protest und Flucht

Protest und Flucht seien 2022 hervorstechende Entwicklungen gewesen, sagte Beeko. So hätten Sicherheitsbehörden in 85 der von Amnesty International betrachteten 156 Länder unrechtmäßige Gewalt gegen Protestierende eingesetzt. In 35 Ländern seien sie mit tödlichen Waffen vorgegangen, und in 33 Ländern sei es zu Tötungen gekommen. Zudem seien in 79 Ländern Aktivistinnen und Aktivisten willkürlich festgenommen worden. In 29 Ländern sei das Recht auf friedlichen Protest eingeschränkt worden. Weltweit seien im vergangenen Jahr 103 Millionen Menschen auf der Flucht gewesen. Das seien 20 Millionen mehr als 2021, so viele wie nie zuvor, bilanzierte Beeko.

Kritik an Einschränkungen von Versammlungsfreiheit

Gerade vor dem Hintergrund weltweit zunehmender staatlicher Gewalt gegen Protestbewegungen sei es wichtig, dass die Versammlungsfreiheit in Deutschland ein hohes Gut bleibe, mahnte Beeko. Deshalb sehe Amnesty «mit Sorge, dass mehr und mehr Bundesländer repressive Versammlungsgesetze erlassen, die das Recht auf friedlichen Protest einschränken und die Befugnisse der Polizei ausweiten, etwa in Nordrhein-Westfalen, Bayern und zuletzt in Hessen». Beeko forderte von der Bundesregierung und der EU zudem, die Entwicklung, den Verkauf und den Export von biometrischen Überwachungstechniken zu verbieten. Solche Technologien würden etwa im Iran oder Russland eingesetzt, um Protestierende zu verfolgen.

Amnesty kritisierte auch, dass unzureichende Ermittlungen bei Vorwürfen über diskriminierende Personenkontrollen (Racial Profiling) in Deutschland das Recht auf Nichtdiskriminierung verletzt hätten.

Aktivistin: Sanktionen gegen Iran nicht zielführend

Mariam Claren, Aktivistin und Tochter der im Oktober 2020 im Iran festgenommenen iranisch-deutschen Frauenrechtlerin Nahid Taghavi, äußerte sich eher unzufrieden mit der deutschen Reaktion auf den gewalttätigen Umgang der iranischen Führung mit den aktuellen Protesten im Land. Zwar sehe man «deutliche Reaktionen». So habe die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) gemeinsam mit Island eine Sondersitzung des UN-Menschenrechtsrats initiiert, woraufhin eine Resolution verabschiedet worden sei.

Dennoch seien viele Sanktionen gegen Iran nicht zielführend, bemängelte Claren. Es würden immer wieder Einzelpersonen sanktioniert. «Aber ich habe nicht das Gefühl, dass es seitens der Bundesregierung eine klare Linie zur neuen Iranpolitik, die es meines Erachtens benötigt, gibt.» Im Vergleich mit anderen Ländern gebe es aus Deutschland zwar «ein wenig mehr Reaktionen. Aber von zufrieden kann nicht die Rede sein», sagte sie.

Menschenrechte / International
28.03.2023 · 01:24 Uhr
[2 Kommentare]
Tankstelle (Archiv)
Brüssel - Die EU-Kommission will im Kampf gegen die Folgen der Energiekrise den Verbrauch von Öl und Gas reduzieren und die Strompreise drücken. Das geht aus einem Entwurf der Kommission hervor, der in der kommenden Woche vorgestellt werden soll und über den das "Handelsblatt" (Donnerstagausgabe) berichtet. In dem Papier rät die Kommission ihren […] (01)
vor 49 Minuten
Alabama 3 wäre beinahe nicht für den Vorspann von 'The Sopranos' ausgewählt worden.
(BANG) - Die Band Alabama 3 wäre beinahe nicht für ihren inzwischen ikonischen Song 'Woke Up This Morning' im Vorspann von 'The Sopranos' ausgewählt worden. Die achtköpfige Londoner Band – angeführt vom Gründungsmitglied Rob Spragg – baute sich eine weltweite Fangemeinde auf, nachdem ihr Alt-Country-Song von 1997 in den Eröffnungs-Credits der […] (00)
vor 4 Stunden
Eine Person tätigt einen Onlinekauf
Bamberg (dpa/tmn) - Beim Onlinekauf von Eintrittskarten oder Gutscheinen zum Ausdrucken («Print@Home») dürfen nicht pauschal zusätzliche Kosten anfallen. Der Anbieter ist etwa nicht berechtigt, über den eigentlichen Ticket- oder Gutscheinpreis hinaus einfach eine sogenannte Systemgebühr in Rechnung zu stellen. Das hat das Oberlandesgericht Bamberg […] (00)
vor 4 Stunden
WWE 2K26 Ringside Pass Saison 2 liefert euch neue Kämpfer
Heute hat 2K den neuesten Ringside Report zu  WWE 2K26 veröffentlicht und alle Details zu Ringside Pass Saison 2 bekanntgegeben. Die neuen Inhalte sind ab sofort verfügbar. Wie bereits angekündigt, steigen Spieler: innen, die das Spiel vor dem 15. April 2026 installiert haben, automatisch um 20 Stufen auf und beschleuningen so ihren Fortschritt in […] (00)
vor 44 Minuten
Patrick Schwarzenegger wurde an der Seite von Phoebe Dynevor für 'Beach Read' gecastet.
(BANG) - Patrick Schwarzenegger wurde an der Seite von Phoebe Dynevor für 'Beach Read' gecastet. Der 32-jährige Schauspieler wird gemeinsam mit der 'Bridgerton'-Darstellerin in der Verfilmung von Emily Henrys New-York-Times-Bestseller-Roman mitspielen, der sich derzeit bei 20th Century Studios in Entwicklung befindet. 'Beach Read', veröffentlicht im […] (00)
vor 4 Stunden
FC Liverpool - Paris Saint-Germain
Liverpool (dpa) - Nach dem bitteren Champions-League-Abend von Liverpool nahm Florian Wirtz immerhin noch ein Souvenir mit vom verregneten Rasen. Mit dem Trikot von Weltfußballer Ousmane Dembélé verabschiedete sich der 22-Jährige in die Nacht, nachdem sein FC Liverpool mit dem 0: 2 gegen Paris Saint-Germain die letzte verbleibende Titelchance in dieser […] (02)
vor 27 Minuten
bitcoin, blockchain, currency, coin, gold, money, finance, digital, crypto, payment
Ethereum hat bereits den Weg gewiesen. Während Bitcoin an einem einzigen Tag um etwa 5% zulegte, stieg Ether um mehr als 8% und übertraf damit Bitcoin um den Faktor 1,4. Laut einem Analysten könnte dies ein Vorgeschmack darauf sein, was der breitere Kryptomarkt leisten könnte, wenn Bitcoin im restlichen April weiter steigt. Ein bestimmtes Kursniveau […] (00)
vor 53 Minuten
Dunkles Büro? Warum mehr Licht allein oft nicht die Lösung ist
Wrestedt, 15.04.2026 (PresseBox) - Viele Beschäftigte kennen die Situation: Der Raum ist beleuchtet, wirkt aber trotzdem irgendwie künstlich und matt. Der Bildschirm sticht optisch heraus, die Augen werden schnell müde, einzelne Bereiche am Arbeitsplatz bleiben zu dunkel oder das Licht fühlt sich insgesamt unangenehm an. Dann liegt die Vermutung nahe, […] (00)
vor 4 Stunden
 
Republik Sudan (Archiv)
Berlin - Zum dritten Jahrestags des Kriegs im Sudan hat der frühere UN- […] (01)
Friedrich Merz am 14.04.2026
Berlin - Die europäischen Planungen für einen möglichen Einsatz in der Straße von […] (00)
Lufthansa-Flugzeuge (Archiv)
Frankfurt am Main - Unmittelbar nach dem Ende des zweitägigen Pilotenstreiks ist bei […] (00)
Sanktions-Beben beim Bürgergeld: Staat greift bei Terminsündern knallhart durch
Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg wirken wie ein Weckruf für das […] (04)
Hailey Bieber
(BANG) - Hailey Bieber befürchtet, dass ihr Sohn in einer "düsteren" Welt aufwächst. […] (00)
Im Ersten heißt es «Mensch Mutti»
Die Hauptrollen in dem Freitags-Film übernimmt das Trio Frida-Lovisa Hamann, Steffi Kühnert, […] (00)
Blitzer in Deutschland: In diesen Bundesländern wird am meisten geblitzt
Blitzer gehören für viele Autofahrer in Deutschland längst zum Alltag. Ob auf der […] (00)
Real Madrid - FC Bayern München
München (dpa) - Manuel Neuer freut sich schon auf das alles entscheidende zweite […] (04)
 
 
Suchbegriff