Amazon lässt Maverick Games los – das narrative Fahrspiel der Forza Horizon-Veteranen sucht einen neuen Verleger
Es gibt Trennungen, die niemanden überraschen, und solche, die einen kurz innehalten lassen. Die Nachricht, dass Amazon Games die Veröffentlichungsvereinbarung mit dem britischen Studio Maverick Games aufgelöst hat, fällt eher in die zweite Kategorie – denn das noch namenlose Fahrspiel der ehemaligen Forza Horizon-Macher war eines der interessanteren Versprechen im Bereich narrativer Spielerfahrungen. Was das für das Projekt bedeutet und wie es weitergeht, lässt sich aus den ersten Stellungnahmen beider Seiten bereits herauslesen.
Amazons strategische Kehrtwende und was sie bedeutet
Amazon Games hat seinen Rückzug aus dem Hochbudgetbereich nicht über Nacht vollzogen – er ist Teil einer schrittweisen Neuausrichtung, die sich seit Monaten abzeichnet. Im Oktober wurde die Entwicklung von New World: Aeternum eingestellt, im Dezember verkaufte das Unternehmen die Rechte am Echtzeitstrategie-Titel March of Giants an Ubisoft. Nun folgt die Trennung von Maverick Games. In einer offiziellen Erklärung hieß es, man konzentriere sich künftig auf Projekte, die Amazons eigene Stärken und Reichweite besser ausschöpften – darunter den neu aufgelegten Streamingdienst Luna sowie die Zusammenarbeit mit Crystal Dynamics an der Tomb Raider-Reihe. Tomb Raider: Legacy of Atlantis und Tomb Raider: Catalyst sollen demnach weiterhin unter dem Banner von Amazon Games erscheinen.
Maverick Games: Das Spiel lebt – und sucht aktiv einen neuen Partner
Wer nun befürchtet, das Projekt verschwinde stillschweigend in der Schublade, darf aufatmen. Kreativdirektor Mike Brown und Mitgründerin sowie Vorstandschefin Harindar Sangha haben unmissverständlich klargestellt, dass die Entwicklung planmäßig voranschreitet. „Wir sind in aktivem Austausch mit Partnern, die unseren langfristigen Ehrgeiz für das geistige Eigentum teilen“, hieß es in ihrer gemeinsamen Stellungnahme. Das Studio, das 2023 von Branchenveteranen gegründet wurde – darunter Brown selbst, der zuvor als Kreativdirektor der Forza Horizon-Reihe bei Playground Games tätig war –, arbeitet an einem erzählgetriebenen Open-World-Fahrspiel. Die bewusste Abwesenheit des Begriffs „Rennen“ in der Beschreibung lässt darauf schließen, dass das Projekt inhaltlich eigene Wege gehen will.
Ein vielversprechendes Projekt, das auf Rückenwind wartet
Das Spiel befindet sich also in einer Zwischenphase, die in der Spielebranche zugleich heikel und verbreitet ist: entwicklungsseitig stabil, verlagsseitig offen. Amazon selbst betonte, die Entscheidung solle Maverick Games die Möglichkeit geben, einen Partner zu finden, dessen strategische Ausrichtung besser zum Vorhaben passe. Angesichts des Hintergrunds des Teams – jahrelange Arbeit an einer der angesehensten Fahrspielereihen der Welt – dürfte das Interesse anderer Verleger kaum ausbleiben. Bis Ende des Jahres soll es laut Studio weitere Neuigkeiten geben. Die Wartezeit bleibt, aber die Vorfreude auf das, was Maverick Games schließlich präsentieren wird, hat durch diesen Umbruch kaum gelitten.


