Allenfalls ein mulmiges Gefühl: München nach Terroralarm

01. Januar 2016, 16:08 Uhr · Quelle: dpa

München (dpa) - Reisende ziehen mit Rollkoffern über die Bahnsteige des Münchner Hauptbahnhofs. Die bayrische Hauptstadt hat wieder auf Normalbetrieb umgestellt.

Die Schalter der Bahn sind geöffnet. An den Ständen gibt es Kaffee in Pappbechern und frische Pizza. Von dem Terror-Großeinsatz in der Silvesternacht hier und am Pasinger Bahnhof ist am Neujahrstag fast nichts mehr zu sehen und zu spüren.

Die Sicherheitslage sei nun nicht viel anders als zuletzt nach den Anschlägen von Paris, gibt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit Erleichterung bekannt. Es bestehe zwar eine hohe Terrorgefahr in Europa, «aber keinen unmittelbaren Hinweis auf eine Anschlag heute oder morgen an einem bestimmten Ort».

Mancher, der an diesem neblig-kalten Neujahrstag in der Innenstadt unterwegs ist oder an den Imbissbuden und in den Geschäften arbeitet, spricht von einem «mulmigen Gefühl». «Die Wahrscheinlichkeit eines Anschlags steigt, weil Deutschland jetzt in den Krieg involviert ist», sagt der Leiter eines Gastronomiebetriebs, der nicht namentlich genannt werden will. «Die Frage ist nur, wo es passiert.» Gemeint sind die Luftangriffe der Allianz auf Ziele in Syrien, die von Deutschland seit kurzem unterstützt werden. Ein Bäckereiverkäufer am Hauptbahnhof findet: «Man ist es schon gewohnt, dass es dauernd Bedrohungen gibt.» Allerdings glaubt er: «Wenn es schon ein Ziel gibt, dann wäre es wohl Berlin.»

In der Silvesternacht sorgen Terrorwarnungen für bange Stunden. Schwer bewaffnete Einsatzkräfte ziehen vor den Eingängen des Hauptbahnhofs auf. Flatterband sperrt das Gelände ab. Sicherheitsbeamte drängen Passanten zurück, die sich auf Fragen nach dem nächsten Zug mit vagen Antworten begnügen müssen.

Zuletzt war der Hauptbahnhof zu Beginn der Flüchtlingskrise im September ein Brennpunkt. Damals trafen an einzelnen Tagen bis zu zehntausend Menschen aus den Krisengebieten der Welt ein und wurden von Einheimischen in großer Gastfreundschaft empfangen. Die Bilder applaudierender Münchner gingen um die Welt. Nun zeigen die Berichte maskierte Polizisten in Kampfmontur und mit Maschinenpistolen vor der Brust.

Einmal mehr haben die Beamten am Silvesterabend eine großen Einsatz gemeistert. Auf der Facebook-Seite der Polizei zollen ihnen die Münchner Respekt: «Bin froh dass nichts passiert ist», heißt es da. «Ein Dank an unsere Polizei und alle anderen.» Und die Polizei grüßt an Neujahr auf Twitter trotz der Anspannung locker: «Guten Morgen, #München! An alle Nachtschwärmer: Danke, dass Ihr Ruhe bewahrt habt und Verständnis für unsere Maßnahmen hattet.»

In der Nacht hatte die Polizei noch getwittert: «Trotz der ernsten Lage lassen wir es uns nicht nehmen: Frohes neues Jahr Euch allen! Und: Seid vorsichtig!». Die Münchner waren wachsamer als sonst - einige meldeten sich mit Hinweisen bei der Polizei. «Wir sind dankbar, wenn die Bürger etwas feststellten und im Zweifelsfall lieber einmal mehr die 110 wählen», sagte eine Sprecherin.

Am Neujahrstag bleiben die Einsatzkräfte in Alarmbereitschaft. Zusätzliche Beamte sind in der Stadt unterwegs, hin und wieder kontrollieren sie. Durch die Fußgängerzone bahnt sich vorsichtig ein Polizeiwagen einen Weg durch die Menschen. Denn wenn es stimmt, was die Geheimdienste melden, dann könnten fünf bis sieben mögliche Attentäter weiter irgendwo in der Nähe sein. Von einigen seien Personalien ermittelt worden, sagte der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä. Aber: «Wir wissen derzeit nicht, ob die Namen überhaupt stimmen, ob es die Personen gibt und wo sie sich aufhalten.»

Was auch immer hinter den möglichen Attentaten steckt: Sollten Terroristen das Ziel gehabt haben, Angst und Panik zu verbreiten, sind sie gescheitert. Die Münchner und die Touristen, darunter viele aus Italien, reagieren sehr besonnen. Gemütlich bummeln sie die Fußgängerzone entlang, fotografieren sich vor dem Karlstor oder drehen einige Runden auf der Eislauffläche am Stachus ein paar hundert Meter vom Hauptbahnhof entfernt.

«Wir fühlen uns sicher», sagt eine ältere Frau aus Mainz, die in München ihre Kinder besucht. Eine Großmutter, die mit ihrem Enkel ins nahe Kino geht, ist vorsichtiger. «Wir werden nachher nicht mit der U-Bahn fahren, wir werden mit dem Auto abgeholt», erklärt sie. Auf den Kinobesuch verzichten wollte sie aber nicht. «Sonst kann man sich zuhause gleich eingraben.»

Terrorismus / Bayern
01.01.2016 · 16:08 Uhr
[0 Kommentare]
Frau mit Smartphone (Archiv)
Berlin - Seit der Verordnungsfähigkeit von Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) im Jahr 2020 haben die gesetzlichen Krankenkassen für die sogenannten Gesundheits-Apps auf Rezept 400 Millionen Euro ausgeben. Sie sind bis Ende 2025 rund 1,6 Millionen mal verschrieben worden, wie einem GKV-Bericht zu entnehmen ist, über den die Zeitungen der Funke- […] (00)
vor 1 Stunde
Kelly Osbourne teilte dieses Foto von Kiinicki auf Instagram
(BANG) - Kelly Osbourne hat neue Liebesspekulationen ausgelöst, nachdem sie einige Schnappschüsse in den sozialen Medien geteilt hat. Wenige Wochen nach ihrer Trennung von ihrem Verlobten Sid Wilson veröffentlichte die Reality-TV-Bekanntheit mehrere Instagram-Schnappschüsse von Kiinicki, einer in Los Angeles ansässigen nichtbinären Person, die als […] (00)
vor 16 Stunden
Review: Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds im Test
Die Zukunft der Sprachkommunikation ist da! Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 – Mein neuer täglicher Begleiter für Business, Reisen und internationale Gespräche. Nachdem ich die Timekettle W4 Pro AI Interpreter Earbuds 2026 seit Mitte Februar 2026 intensiv im Alltag getestet habe – auf Geschäftsreisen in Spanien und Frankreich, bei mehreren […] (00)
vor 5 Stunden
Ghost Master: Resurrection im Test: Spuken wie früher?
Ghost Master: Resurrection ist ein Remake des Originals aus 2003. Ich habe als Kind das Spiel gesuchtet und es war einfach großartig, die CD besitze ich heute noch. 2021 wurde es dann auch auf Steam veröffentlicht und war ohne Probleme spielbar. Jetzt wurde aber mit Ghost Master: Resurrection eine erweiterte Neuauflage des Spiels veröffentlicht. Es […] (00)
vor 4 Stunden
National Geographic zeigt «Innovation durch Desaster»
Der Sender widmet sich ab Ende Mai den größten technischen Katastrophen und den Lehren daraus. National Geographic nimmt im Mai eine neue Doku-Reihe ins Programm: Innovation durch Desaster feiert am Mittwoch, 27. Mai 2026, um 20.15 Uhr TV-Premiere und läuft fortan mittwochs zur Primetime. Die kanadische Produktion aus dem Jahr 2025 trägt im Original den Titel «Engineering by Catastrophe» und […] (00)
vor 13 Stunden
SC Freiburg - Bayern München
Berlin (dpa) - Der FC Bayern hat sich bei der Generalprobe für den Champions-League-Kracher bei Real Madrid mit einer spektakulären Aufholjagd Selbstvertrauen geholt. Der Rekordmeister aus München kam beim SC Freiburg nach einem 0: 2-Rückstand dank drei später Tore noch zu einem 3: 2 (0: 0). Im Viertelfinal-Hinspiel der Königsklasse treten die Bayern, […] (02)
vor 6 Stunden
nahaufnahme von bitcoin-symbolschildern im freien, die moderne kryptowährungstrends widerspiegeln.
Die Einführung von Bitcoin und Ethereum auf der Handelsplattform von Charles Schwab könnte die Akzeptanz dieser Kryptowährungen erheblich vorantreiben. Als eine der größten Finanzinstitutionen weltweit, die Billionen von Kundengeldern verwaltet, stellt Schwabs Einstieg in den Kryptomarkt eine bedeutende Brücke zwischen traditionellem Finanzwesen und […] (00)
vor 1 Stunde
Durchhaltevermögen: Die innere Kraft, die über Erfolg entscheidet
Höchst i. Odw., 04.04.2026 (lifePR) - In einer schnelllebigen Welt voller Herausforderungen, Leistungsdruck und ständiger Veränderungen wird Durchhaltevermögen (auch mentale Stärke oder Resilienz) zu einer der wichtigsten Fähigkeiten. Es beschreibt die Fähigkeit, trotz Rückschlägen, Erschöpfung oder Hindernissen an Zielen festzuhalten, Aufgaben mit […] (00)
vor 18 Stunden
 
US-Präsident Trump
Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat eine Anordnung unterzeichnet, um die […] (08)
Längstes Fischbrötchen der Welt
Rostock (dpa/mv) - Exakt 42,37 Meter sind es geworden: Damit hat ein Caterer den Rekord für das […] (07)
Spielschein für Lotto 6 aus 49
Saarbrücken - In der Samstags-Ausspielung von "6 aus 49" des Deutschen Lotto- und […] (02)
AOK (Archiv)
Berlin - Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, stellt […] (00)
Ghost of Yōtei: Legends startet seinen ersten Raid – Lord Saito wartet auf euch
Sucker Punch Productions hat mit Ghost of Yōtei: Legends einen Mehrspielermodus auf […] (00)
Kein Bock auf Autos: GRIP floppt am Karfreitag
Wäre Grünwald mal bei Der Trödeltrupp geblieben - ab 16: 20 Uhr schwenkt der Sender um zu GRIP […] (00)
Ein positives Zeichen in einem volatilen Umfeld Der aktuelle US-Arbeitsmarktbericht, […] (00)
VfB Stuttgart - Borussia Dortmund
Stuttgart (dpa) - Niko Kovac stellt sich auf eine der schwierigsten Auswärtsaufgaben in […] (02)
 
 
Suchbegriff