AirAsia X greift nach der finanziellen Wende: Milliarden-Umbau, neue Langstrecken und Rückkehr nach London
Schuldenabbau als Schlüssel zur Expansion
AirAsia X, die Mittelstrecken-Tochter des malaysischen Luftfahrtkonzerns Capital A, strebt eine umfassende finanzielle Neuordnung an. Nach der Übernahme des Kurzstreckengeschäfts der Muttergesellschaft will die Airline Schulden im Umfang von 500 bis 600 Millionen US-Dollar restrukturieren. Ziel ist es, Laufzeiten zu verlängern, Zinskosten zu senken und die bisher zersplitterten Finanzierungsinstrumente in ein oder zwei zentrale Kreditlinien zu bündeln.
„Wir prüfen zahlreiche Refinanzierungsinitiativen, um die Struktur unserer Verbindlichkeiten grundlegend zu vereinfachen“, erklärte Vize-Konzernchef Farouk Kamal im Gespräch mit Reuters. Hintergrund ist die schwere Belastung aus der Pandemie, in deren Folge die Börse Malaysia Capital A zeitweise als finanziell angeschlagen einstufte.
Sieben Airlines unter einer Marke
Strategisch setzt der Konzern auf radikale Vereinfachung: Künftig sollen alle sieben AirAsia-Fluggesellschaften unter dem Dach von AirAsia X gebündelt werden. Die Konsolidierung soll Doppelstrukturen abbauen, Kosten senken und die operative Schlagkraft erhöhen. Während AirAsia X das gesamte Flugbetriebsgeschäft verantwortet, soll sich Capital A auf die Sanierung der Bilanz und nicht-fliegerische Geschäftsbereiche konzentrieren.
Die Airline-Gruppe, 2001 gegründet, zählt heute zu den größten Low-Cost-Anbietern Asiens. Die Pandemie hatte das Geschäftsmodell jedoch massiv getroffen – mit drastischen Umsatzeinbrüchen und hoher Verschuldung.
Comeback auf der Langstrecke: London und Nahost im Fokus
Parallel zur finanziellen Sanierung treibt AirAsia X die internationale Expansion voran. Bereits zur Jahresmitte sollen wieder Flüge nach London aufgenommen werden – mehr als zehn Jahre nach der Einstellung der früheren Verbindungen nach Gatwick und Stansted. Zudem will die Airline in Bahrain ein neues Drehkreuz aufbauen, um Verbindungen nach Zentralasien, in den Nahen Osten, nach Europa und Afrika effizienter zu verknüpfen.
Erst im November hatte AirAsia X eine neue Langstrecke nach Istanbul eröffnet. Mit der geplanten Flottenmodernisierung soll das Streckennetz nun deutlich über den asiatischen Raum hinauswachsen.
Milliardenflotte für die nächste Wachstumsphase
Technologisch setzt der Konzern auf Langstrecken-Schmalrumpfflugzeuge. Noch in diesem Jahr sollen vier Airbus A321LR ausgeliefert werden. Bereits im Juli hatte AirAsia X 50 A321XLR bestellt und sich Optionen gesichert, weitere Maschinen umzuwandeln. Zusätzlich prüft das Management Bestellungen von bis zu 150 weiteren Flugzeugen, auch im Regionalflugsegment.
Insgesamt umfasst die Flotte derzeit 255 Maschinen – und soll weiter wachsen, um die globale Low-Cost-Strategie zu untermauern.
Ambitionierte Finanzziele
Nach Abschluss der Konsolidierung peilt AirAsia X kurzfristig Umsätze von rund sechs Milliarden US-Dollar an. Finanzchef Low Kar Chuan nennt zudem eine EBITDA-Marge von 20 Prozent, eine Auslastung von über 80 Prozent und den vollständigen Abbau der während der Pandemie aufgenommenen Bankkredite innerhalb von zwei bis drei Jahren als Zielmarken.
AirAsia X steht vor einem tiefgreifenden Umbau: Schuldenrestrukturierung im Milliardenformat, Zusammenführung von sieben Airlines, Rückkehr auf interkontinentale Strecken und massive Flotteninvestitionen. Gelingt der Plan, könnte aus dem angeschlagenen asiatischen Billigflieger ein global aufgestellter Low-Cost-Konzern mit stabiler Bilanz werden. Scheitert er, droht eine der ehrgeizigsten Sanierungen der Luftfahrtbranche an regulatorischen, finanziellen und operativen Hürden.


