Air-France und Airbus vor Gericht: Der Fall AF 447 wird neu aufgerollt
Die Tragödie des Air-France-Flugs AF 447, bei der im Jahr 2009 alle 228 Insassen bei einem Absturz über dem Atlantik ums Leben kamen, erfährt eine juristische Fortsetzung. Mehr als 16 Jahre nach dem Vorfall müssen sich die Fluggesellschaft Air France und der Flugzeughersteller Airbus erneut vor einem Pariser Berufungsgericht verantworten. Beide Unternehmen waren in erster Instanz vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden, sehen sich nun jedoch erneut mit möglichen Geldstrafen von bis zu 225.000 Euro konfrontiert.
Der schicksalhafte Flug startete in Rio de Janeiro mit dem Ziel Paris, verschwand jedoch in einer Unwetterfront von den Radarschirmen. Erst zwei Jahre später konnten die letzten Opfer und der Flugdatenschreiber aus den Tiefen des Ozeans geborgen werden, was erhellte, dass vereiste Pitot-Sonden zur Messung der Fluggeschwindigkeit einen wesentlichen Beitrag zur Katastrophe leisteten.
Nach Jahren des Wartens brachte ein Gerichtsprozess 2022 für viele Hinterbliebene eine lang ersehnte Möglichkeit zur Aufarbeitung. Airbus wurde beschuldigt, die Risiken eines Ausfalls der Sonden unterschätzt zu haben, während Air France für eine mangelhafte Schulung seiner Piloten kritisiert wurde. Ein Gutachten hatte 2012 bereits ergeben, dass das Cockpit-Personal in der Extremsituation nicht souverän agierte, obwohl die Risiken vermeidbar gewesen wären.
Obwohl Airbus und Air France im ersten Verfahren nicht schuldig gesprochen wurden und Nachlässigkeiten als nicht kausal für den Absturz galten, legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Für die Angehörigen bleibt die Hoffnung, in diesem neuen Verfahren die Frage nach der Verantwortung geklärt zu wissen und den Vorfall umfassend aufzuarbeiten.

