Air France-KLM überflügelt Ryanair – Europas Traditions-Airlines erleben überraschendes Comeback
Mit einem Kursplus von über 50 Prozent liegt Air France-KLM derzeit vor Ryanair – ein Novum in Europas Airline-Sektor. Während die Aktien der US-Branchenriesen Delta, United und American Airlines 2025 bislang schwächeln, feiern die europäischen Traditionsgesellschaften ein unerwartetes Börsencomeback. Besonders American Airlines steht unter Druck: Die Aktie verlor seit Jahresbeginn mehr als ein Drittel an Wert. Selbst United, der vergleichsweise stabile US-Wert, liegt über zehn Prozent im Minus.
Im Vergleich dazu konnten British-Airways-Mutter IAG, Lufthansa und eben Air France-KLM kräftig zulegen. Eine solche Divergenz zwischen europäischen und amerikanischen Airline-Aktien hat es laut historischen Daten nur einmal in den vergangenen zehn Jahren gegeben. Ausschlaggebend dafür ist nicht zuletzt die begrenzte Kapazitätsausweitung: Sowohl Boeing als auch Airbus hinken bei der Auslieferung neuer Maschinen hinterher – ein Umstand, der vor allem in Europa die gefährliche Versuchung kostspieliger Verdrängungswettbewerbe eindämmt.
Zwischen 2004 und 2019 stieg die Kapazität europäischer Airlines jährlich um knapp 5 Prozent, während die Umsätze im Schnitt leicht zurückgingen, wie Bernstein-Daten zeigen. Die US-Gesellschaften machten es besser: Dort wuchsen die Erlöse schneller als das Sitzplatzangebot.
Hinzu kommt die strategische Neuaufstellung von Air France-KLM. Die Ankündigung, die Mehrheit an der skandinavischen SAS zu übernehmen, hat dem Kurs im Juli weiteren Auftrieb gegeben. Die Übernahme verspricht eine breitere Kundenbasis und neue Möglichkeiten zur Kostensenkung. Für Investoren war das ein klares Kaufsignal.
Auch makroökonomisch spielt Europa aktuell seine Karten besser aus. Angesichts zunehmender Sorgen über die Stabilität der US-Wirtschaft unter Präsident Trump reduzieren viele Anleger ihr US-Exposure – zum Nachteil amerikanischer Airlines, insbesondere jener mit starkem Inlandsfokus wie American Airlines.
Dennoch bleibt der Blick auf Airline-Aktien von Vorsicht geprägt. Historisch gesehen sind sie Frühindikatoren wirtschaftlicher Trends – aber auch anfällig für abrupte Kurswechsel. Trotz Kursrallys handeln Europas Airlines auf Bewertungsniveaus, die deutlich unter denen anderer zyklischer Branchen liegen. Air France-KLM wird mit dem Dreifachen des erwarteten Gewinns 2025 bewertet, IAG kommt auf das Siebenfache. Selbst das liegt unter den Multiples von 8 bis 9, die die US-Wettbewerber aktuell aufweisen.

