AI-Euphorie an der Börse: Vorsicht vor der Korrektur?
Investoren, die derzeit auf die KI-Welle setzen, sollten vorsichtiger agieren. Laut Joe Brusuelas, Chefökonom bei RSM, wird der Markt zunehmend „schäumender“, und es wäre nicht überraschend, wenn eine gesunde Korrektur bevorsteht. Diese Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem S&P 500 und Nasdaq neue Höchststände erreichen, während die Volatilität unter den langfristigen Durchschnitten bleibt. Die Begeisterung für KI überflutet den breiteren Markt.
Brusuelas erklärt, dass der anhaltende Anstieg des Marktes auch mit dem wirtschaftlichen Umfeld zusammenhängt, in dem das Wachstum fast sein Potenzial erreicht, die Arbeitslosigkeit mit 4,3 % relativ niedrig bleibt, und die Inflation zwar steigt, aber dennoch kontrolliert ist. Trotz günstiger Finanzbedingungen zeigt der zusammengesetzte Aktienindex von RSM, dass die Renditen im Verhältnis zur Volatilität zuletzt eine Standardabweichung über dem langfristigen Trend lagen. In den letzten vier Geschäftszügen ging dies oft einer Korrektur voraus.
Besonders das Tech-Segment und vor allem der Bereich der künstlichen Intelligenz tragen zu dieser Konzentration bei. Während es noch nicht als Blase gilt, könnten die aktuellen Bedingungen eine Marktbereinigung nach sich ziehen, um Spekulanten auszusortieren. Diese Zurückhaltung zeigt sich, während Großunternehmen wie Nvidia große Investitionen in OpenAI ankündigen, die das diesjährige Wachstum befeuern, jedoch auch Fragen zur Nachhaltigkeit solcher Ausgaben aufwerfen.
Brusuelas zieht Parallelen zur Dotcom-Blase der späten 1990er Jahre, als enorme Mittel in Internetprojekte flossen, die sich als überflüssig erwiesen. Der Internetboom veränderte zwar die Wirtschaft und Welt nachhaltig, erforderte jedoch auch eine Anpassungsphase. Ähnliches könnte nun mit der KI passieren: Nicht alle Projekte werden überleben. Eine MIT Media Lab-Studie legt nahe, dass 95 % der derzeitigen KI-Vorhaben eventuell keinen messbaren finanziellen Ertrag liefern.
Brusuelas mahnt, dass das Timing von Korrekturen unmöglich vorherzusagen sei, und selbst bei gestreckten Bewertungen könnten die Märkte weiterlaufen. Selbst wenn es eine Blase wäre, könnten solche Phasen sehr lange andauern.

