Agrarsektor unter Druck: Sorgenfalten bei Deutschlands Landwirten
Der Bauernverband schlägt Alarm: Die Gewinnlage der deutschen Agrarbetriebe bleibt trotz Entlastungen beim Agrardiesel und Stromkosten angespannt, während die Preise, insbesondere für Butter, unter Druck stehen. Das kürzlich abgeschlossene Wirtschaftsjahr 2024/25 brachte den Landwirten ein lediglich marginales Plus von 0,4 Prozent und damit ein durchschnittliches Einkommen von 78.500 Euro. Bauernpräsident Joachim Rukwied stellte in Berlin die erschütternde Frage, ob der "Motor" der Branche nicht bald zum Stillstand kommen könnte.
Die schwarze Prognose wird durch den Anstieg der Kosten für Löhne und Betriebsmittel wie Dünger und Energie noch verstärkt. Diese Entwicklungen scheinen die von der Regierung beschlossenen Maßnahmen ins Leere laufen zu lassen, da die Einsparungen von den Kostensteigerungen überschattet werden. Rukwied kritisierte die Preissenkungen für Butter in den Supermärkten scharf und warnte vor den möglichen Konsequenzen.
Besonders die Ackerbauern stehen vor einer wirtschaftlichen Herausforderung. Die Gewinne sind hier um 35,8 Prozent auf durchschnittlich 50.800 Euro gefallen, was bedeutet, dass jede erzeugte Tonne Weizen unrentabel geworden ist. Auch die Schweinehalter scheinen nicht verschont zu bleiben, hier gab es Einbußen von 28 Prozent.
Milchbauern hingegen konnten von einer Erholung profitieren: Ihr durchschnittlicher Gewinn stieg um 46 Prozent auf 115.300 Euro. Dennoch bleibt die Preislage angespannt. Rukwied äußerte Bedenken bezüglich weiterer Preissenkungen und forderte den Einzelhandel auf, Verantwortung zu übernehmen, anstatt hochwertige Lebensmittel zu "verramschen".
Der Verband appelliert an die Bundesregierung und Agrarminister Alois Rainer von der CSU, dringend notwendige Reformen einzuleiten. Es wird ein Politikwechsel gefordert, der ein stabiles Wachstum und eine nachhaltige Tierhaltung unterstützt. Der Ruf nach einem höheren Tierwohl bedarf einer einheitlichen Regelung auf Bundesebene, um tatsächliche Effekte zu erzielen.
Ein weiteres Problemfeld stellt der steigende Mindestlohn dar, der Obst- und Gemüsebetriebe unter Druck setzt und auch den Weinbau schwer belastet. In Zeiten der größten Krise des Weinbaus seit Jahrzehnten fordert Rukwied dazu auf, mehr deutschen Wein zu konsumieren, um die bedrohte Landwirtschaft sowie das Landschaftsbild zu unterstützen.

