Filmkritik - Cattolica (2004)
 
 

Cattolica

DVD / Blu-ray :: IMDB (7,2)
Regie: Rudolph Jula
Darsteller: Merab Ninidze, Vanessa Compagnucci
Laufzeit: 86min
FSK: ???
Genre: Drama (Deutschland, Schweiz)
Verleih: Ventura Film
Filmstart: 11. August 2005
Bewertung: n/a (0 Kommentare, 0 Votes)
Stefan ist jemand, der gern an allen Blüten des Lebens nascht, neugierig, spielerisch, immer etwas ironisch. Grössere Anstrengungen meidet er nach Möglichkeit - er trinkt viel, raucht gern und arbeitet nebenbei in einem trendigen Club. Eines Abends sieht Stefan einen Unbekannten an der Theke sitzen, der ihn aufmerksam mustert. Martin wirkt still und kühl - und trägt einen Ehering. Stefan lächelt. Er glaubt, dass ein verheirateter Mann nach einer kleinen Abwechslung sucht und lädt Martin zu sich nach Hause ein. Das vermeintliche Abenteuer endet abrupt, als Martin einen Brief aus der Jacke zieht. Seine Mutter hat ihn kurz vor ihrem Tod geschrieben: einen Brief für Stefan, ihren zweiten Sohn, den sie nach der Geburt zur Adoption weggegeben hat. Stefan und Martin sind Brüder. Der Brief bringt Stefans Welt zum Einsturz. Seine Eltern haben ihm die Wahrheit über seine Herkunft nie erzählt. Vom leiblichen Vater ist nichts bekannt, bis auf den Namen, Ein italienischer Name. Auch Martin hat den Geliebten ihrer Mutter nie kennen gelernt. Er will nach Italien fahren, um ihn zu suchen. Stefan lässt sich nicht abwimmeln – er fährt mit. Schon auf der Autobahn wird klar, dass sie nichts gemeinsam haben – ausser dass sie Brüder sind. Stefan ist gewohnt, dass sich die Welt um seine Bedürfnisse dreht. Doch Martin schweigt ihn nur an. Viel zu reden ist nicht seine Art. Das Gaspedal durchgedrückt, braust er Richtung Italien. Spät nachts erreichen sie Cattolica, einen Ferienort an der Adria. Für Martin beginnt eine Reise in die Vergangenheit. Er war als kleines Kind schon einmal in Cattolica. Martin ist damals mit seiner Mutter nach Italien in die Ferien gefahren. Er kann sich kaum erinnern, aber er weiß, dass sie den Mann, den sie liebte, in jenem Sommer wieder gesehen haben muss: Stefan kam genau neun Monate später zur Welt… Martin hat nichts ausser ein paar Urlaubsphotos, zwei Briefe - und eine kleine, versteinerte Muschel, die seine Mutter aufgehoben hat. Es sind die einzigen Spuren, um den Vater zu finden. Die Mutter hat ihm das Geheimnis ihrer Liebesgeschichte und seiner Herkunft nie anvertraut. Zwei Tage am Meer enden ohne Ergebnis und mit einem Streit. Enttäuscht verabschieden sie sich am Bahnhof von Cattolica. Martin glaubt, dass er seinen Vater niemals finden wird. Doch für Stefan gibt es kein zurück. Er schaut sich die Urlaubsphotos der Mutter genauer an: „Ein Bild, auf dem der Bahnhof von Cattolica zu sehen ist, ein Bahnsteig, von dem Züge Richtung Süden fahren. Der Geliebte ihrer Mutter war Gastarbeiter. Und Gastarbeiter kamen aus dem Süden. Stefan wird klar, dass die Reise der Mutter in Cattolica erst begann. Sie ist in den Süden gefahren - zu ihm. Stefan steigt in den ersten Zug Richtung Süden. Und Martin schliesst sich an. Sie wissen nicht, was sie erwartet, wo genau sie suchen sollen. Aber sie wissen, dass ihre Wege sich nicht mehr trennen werden: es gibt eine gemeinsame Vergangenheit, die sie verbindet. Allmählich beginnen aus zwei Einzelkindern Brüder zu werden. Sie verlassen die Küste und dringen ins Landesinnere vor, in die Stille steinerner Landschaften und archaischer Orte. Die Reise bringt Martin zu seinen frühesten Erinnerungen zurück. Nach und nach geben die Photos, die Briefe und die versteinerte Muschel ihr Geheimnis preis. Martin und Stefan entdecken die Geschichte ihrer Familie, die nie zusammen war. Und schließlich erreichen sie jenen Ort, an dem diese Geschichte ihren Ausgang nahm. Für Stefan wird es eine Begegnung, für Martin eine Erlösung werden.

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