Das Konsumentenverhalten wird mit Sicherheit nicht viel an den Problemen ändern, denn der Mensch ist nun mal von Natur aus egoistisch. Nur mal ganz einfach gesagt, wir alle haben PC, Handy und viel Spaß mit diversen meißtens nicht kostenlosen Hobbies. In der Zwischenzeit verhungern Menschen überall auf der Welt. Stört uns das wirklich?
Spielt ja keine Rolle, ob mich das stört oder nicht. Wenn ich auf jeglichen Luxus verzichte, dann verhungern die Leute trotzdem. Krieg gibt es auch weiterhin.

Und Spenden -also ich weiß nicht. Ich will gar nicht wissen, wieviel Geld schon nach Afrika geflossen ist und nie bei denen angekommen ist, für die man eigentlich gespendet hat. Wie oft wurde dafür lieber eine AK47 gekauft statt Milch. Korruption, Kriminalität und Krieg lässt sich so jedenfalls nicht verhindern. Aber genau hier liegt das Problem, weswegen überhaupt Leute hungern.

Wenn wir wirklich eine gerechtere Welt wollen dürfen wir uns nicht auf den Verstand der Masse verlassen. Da brauchen wir eine Regierung, die es für uns regelt.
Also den Gedanken an eine "gerechtere Welt" habe ich längst aufgegeben. Für diese Form des rosaroten Idealismus bin ich einfach schon zu alt. Ich für meinen Teil bin nur noch an meinem und am Wohl meiner Lieben interessiert. Der Rest der Menschheit muss sich schon um sich selbst kümmern und sich damit zufrieden geben, dass ich anderen nicht schaden will.

Außerdem kann der Staat von mir erwarten, dass ich ein gesetzestreuer Bürger bin und regelmäßig meine Steuern zahle. Aber Vertrauen kann ich ihnen nicht entgegen bringen. Im Gegenteil sehe ich den Staat inzwischen eher als Gegenspieler, vor dem ich mein erarbeitetes Geld so gut wie möglich schützen muss. Wenn ich jetzt noch in die Waagschale werfe, dass meine Regierung so gut wie nie in der Lage war, durch höhere Abgaben und Steuern irgendwas zu verbessern (auch nicht durch Kürzung bei den Ärmsten unserer Gesellschaft), dann muss ich hier ganz klar widersprechen. Es mag ja sein, dass ein Mensch immer intelligenter ist als die Masse. Aber nicht meine Regierung, zumal wir ja auch keine Monarchie hier haben.

Der Gedanke, für den Preis arbeitet ein Deutscher nicht schreckt ihn da wenig, denn es gibt ja genügend ausländische Arbeitskräfte.
Also im Grunde stimme ich Dir ja zu - die Freizügigkeit ist ein riesiges Problem. Und sie wird sich über die Zeit auch spürbar auf den Arbeitsmarkt auswirken, da bin ich mir sicher. Aber nicht jede Stelle wird sich von einem Ausländer besetzen lassen. Vor allem nicht bei den Spezialisten und gut ausgebildeten Fachkräften, weil die schon seit Jahrzehnten die Möglichkeit hatten, hier her zu kommen und zu arbeiten. Und das ohne große Probleme. Ich wüßte nicht, warum jetzt auf einmal die Schwemme kommen sollte.

Eher würde ich vermuten, dass jetzt vermehrt Billiglöhner kommen, weil sie durch den Mindestlohn jetzt mit einem Mindesteinkommen rechnen kommen. Es sind zwar 2 verschiedene Themen: Freizügigkeit und Mindestlohn. Aber da beides gleichzeitig passiert, sehe ich hier eher ein Problem.

Desweiteren muß die EU-Erweiterung möglichst sofort gestoppt werden.
Zu spät. Viel zu spät.

Zunächst müssen die großen Unterschiede in der derzeitigen EU ausgeglichen werden. Erst dann ist die EU stabil genug, weiter zu expandieren.
Auch viel zu spät. Wir haben bereits jeden nur denkbar schweren Klotz am Bein.

Außerdem brauchen wir den Schwarzen Peter gar nicht zuerst ins Ausland schieben. Wir haben ganz üble Blutsauger im Land: Die Banken und Finanzmärkte. Die hätte man schon vor Jahren und Jahrzehnten regulieren müssen. Aber nicht wieder halbherzig und dilettantisch, sondern mit Weitsicht und Nachhaltigkeit. aber daran ist ja keiner interessiert, der hier viel mehr verdient, als durch das Steuergeld in Form von Diäten und Nebeneinkommen in Form von Bestechungen und Zuwendungen.

Außerdem ist die Freizügigkeit zu beschränken. Jeder Staat verkraftet nur ein begrenztes Maß an Zuwanderung, dieses Maß aber kann nur der jeweilige Staat bestimmen.
Auch richtig, aber auch zu spät :) Vor allem muss die Zuwanderung reglementiert werden bevor es zu Ghettobildung kommt. Nicht nur die Zahl, sondern (und das ist viel wichtiger) vor allem die Art. Es muss in die Zukunft geplant werden, vor allem wenn man vorhat, die Leute nicht wieder zurück zu führen. Aber das traue ich aus gutem Grund meinem Staat genauso wenig zu, wie alles andere. Man muss sich klar sein, dass Zuwanderung auch Kosten verursachen kann und meistens auch wird. Vor allem Kosten, die das Sozialsystem tragen muss.

Unter dem Strich wird die Freizügigkeit Deutschland nicht nutzen. Ob sie Deutschland schaden wird, bleibt abzuwarten. Und der Mindestlohn ist zwar im Grundgedanken richtig und wichtig, kommt aber zu einem Zeitpunkt, der den positiven Effekt auch umkehren kann.

Die Schweiz macht schon dicht, hat Angst vor der Schwemme. Mal schauen, ob die Schweiz auch diesmal wieder recht behält.
 
Eine Lösung muss ihm aber einfach gemacht werden. Die Gewerkschaften könnten jedem Betrieb, der tarifgebunden bezahlt, eine Plakette für an die Tür geben...
Grundsätzlich nicht schlecht, aber ich befürchte, dass auch das ignoriert wird und wirklich nur der staatliche Eingriff hilft.
Und Spenden -also ich weiß nicht.
Ich habe auch so meine bedenken, ob es wirklich effektiv ist gegen die Knebelverträge anzuspenden, die dritte Welt Staaten für billige Kredite so unterschreiben. Vermutlich wäre ihnen mehr geholfen, wenn man statt Polizei- und Militärausbildern mal Rechtsberater in eine Transall setzen würde und ihre Position gegenüber internationalen Organisationen stärkt.
 
Ich habe auch so meine bedenken, ob es wirklich effektiv ist gegen die Knebelverträge anzuspenden, die dritte Welt Staaten für billige Kredite so unterschreiben.
Naja, egal wieviel Kredit so ein Land bekommt und zu welchen Konditionen, dem Volk geht es deshalb ja auch nicht besser. Im Gegenteil wird ja nicht selten für das Geld dann Krieg geführt oder wenigstens aufgerüstet.

Und wie oft hat man schon gehört, dass die Gelder irgendwelcher Spendenorganisationen irgendwo versickert sind - auf ganz wundersame Weise. Tja, in Afrika läuft nunmal vieles anders als in Mitteleuropa und in Deutschland.

Ich gehe ja sogar so weit zu sagen, dass man den Leuten dort am besten gar kein Geld schicken sollte. Besser, man würde vor Ort Schulen und Krankenhäuser errichten und auch betreiben. Aber das würde ja wieder als "Kolonisation" ausgelegt werden. Also besser gar nix tun und die Leute machen lassen, was auch immer.
 
Das Friseurhandwerk ist ein schönes Mindestlohnbeispiel. Darüber lohnt es sich nachzudenken. Es ist eines der wenigen Gewerke, wo die Wertschöpfung über einen sehr hohen Anteil an reiner Arbeitsleitung erbracht wird. Klar, es werden Mittelchen angepriesen, gerade das weibliche Geschlecht ist da besonders empfänglich, wobei es ja mittlerweile, laut Werbung auch Mittel gibt, die den Haarwuchs wieder reaktivieren, was so manchen Mann begeistern dürfte und eine Zusatzeinnahmequelle für diesen Handwerkszweig bringen dürfte.

Katzee, deine Ausführungen über den Preisanstieg ist ein interessanter Aspekt, den man besondere Aufmerksamkeit spenden darf. Wie haben sich die Nebenkosten wie Strom, Heizung in den letzten Jahren verändert? Wie hat sich der Markt im Friseurhandwerk geändert? Ich habe mich selbst schon dabei erwischt, als ich in der Innenstadt bei einem anderen Friseur mir die Haare per Maschine schneiden lies. Dies geschah so gut und effektiv, dass kein Unterschied zu meinen herkömmlichen Friseur zu erkennen war. Er unterschied sich dennoch dadurch, dass er in 7 Minuten fertig war, mein Friseur der mit Schere und Kamm und mit "Smalltalk" mir 20-30 Minuten seiner Dienstleistung schenkt, steht dem als zweiter Wettbewerber etwas blass gegenüber. Das sind jetzt ca. Angaben, nagelt mich darauf bitte nicht fest. Ich gehe nicht mit einer Stoppuhr zum Friseur. Der Preisunterschied war glaub ich 4 Euro für einen trockenen Männerhaarschnitt. 9+1 standen im Verhälnis zu 12,5+1,5.

Zudem kennen wir die Friseursalons gut besucht, was vielleicht daran liegt, dass wir sie zu Stoßzeiten besuchen. Was ist mit den ruhigeren Zeiten, wo keine oder wenige Diestleistungen erbracht werden können, aber die Angestellten, der Strom, die Heizung, die Miete, die Lohnnebenkosten, alle anderen Verbindlichkeiten bedient werden müssen?

Ein Mindestlohn würde im Friseurhandwerk dazu führen, dass die Friseurmeister nur noch Teilzeitkräfte einstellen können, die am besten direkt über den Salon wohnen und direkt abrufbar zur Arbeit kommen können, dann schnell und effektiv den Haarschnitt ausführen, um so eine höhere Wertschöpfung zu generieren, dass sie ihren Mindestlohn erwirtschaften.

Die einzige Lösung ist eine höhere Effizienz, da gäbe es verschiedene Lösungsansätze. Erstmal sollte jeder Friseurmeister ein betriebswirtschaftliches Studium absolvieren, nein, Scherz, er sollte aber überdenken sein Geschäftsfeld zu erweitern. Den Bereich Pflegeprodukte zu integrieren, sein Personal diesbezüglich zu schulen, sein Geschäftsfeld zu diversifizieren und zwar in dem Maße, dass er eine Agglomeration schafft zu seiner Umgebung. Wo befindet sich sein Standort? Innenstadt, Außenbezirk, Land, Stadt, Arbeiterviertel? Und diesen bedient. Das kann die Kombination mit einem Kaffeetreff sein, das Aufstellen eines Kaffeeautomaten für die hektische schnelle Innenstadt oder Whatever... Auch ein zeitunabhängiges Zweiggeschäft, das den Angestellten in stoßfreien Zeiten eine andere Beschäftigung zuweist, die einen Ausgleich zum Stehen bringt, aber dennoch eine Wertschöpfung beinhaltet. Internethandel(versand) whatever...

Ich schreibe und schreibe und vergesse fast das ich noch zu tun habe.

Mich würde mal das ein oder andere Posting von Friseuren und Friseurmeistern zu dem Thema Mindestlohn interessieren. Mag jemand?

P.S.: Danke Katzee für diesen Gedanken, den ich denken durfte. ;)
 
[...] Die einzige Lösung ist eine höhere Effizienz, da gäbe es verschiedene Lösungsansätze. [...] er sollte aber überdenken sein Geschäftsfeld zu erweitern. Den Bereich Pflegeprodukte zu integrieren, sein Personal diesbezüglich zu schulen, sein Geschäftsfeld zu diversifizieren [...]
Ich kenne keinen einzigen Frisör mehr, der nur noch Haare schneidet. Alle mir bekannten Salons haben inzwischen ein Nagelstudio integriert. Einer fällt mir ein, der bietet darüber hinaus auch noch (Fuß-) Massagen an. Ich denke, dass einer damit mal angefangen haben wird und alle anderen nachgezogen haben. Zumal so eine Ausbildung zum Nageldesigner ja auch fast an einem Wochenende zu machen ist.

Darüber hinaus verkauft auch jeder Frisör irgendwelche Mittelchen, die man sonst nicht beim örtlichen Drogeristen bekommt. Ob die nun besser oder nur anders sind, weiß ich nicht. Und überall bekommt man einen Kaffee angeboten. Man kann sich also jetzt den Pelz schneiden, die Füße durchwalgen und die Fingernägel anpinseln lassen bei einer Tasse Kaffee oder einem Was-weiß-ich-Latte. Mehr braucht eine Frau auch bald gar nicht zum Glücklichsein. Obendrein kann man noch irgendein Zeug kaufen, das gut sein muss, weil es der Frisör des Vertrauens verkauft hat. Und ich sehe immer häufiger "mobile Frisöre", die mit dem Auto nach Hause kommen und dort schneiden. Zusätzlich. So, jetzt wüsste auch ich nicht mehr, wie man aus so einem Laden noch mehr machen könnte. Ob es den Läden jetzt besser als vorher geht?

Letztlich ist der Mindestlohn deshalb ja nicht falsch. Wenn ein Betrieb es nicht schafft, so viel Geld zu erwirtschaften, dass die Angestellten so viel verdienen, dass sie ohne staatliche Hilfen davon leben können, dann muss der Chef die Arbeit allein erledigen. Schafft er es nicht, muss er die Preise erhöhen. Macht er dann keinen Umsatz mehr, muss er sein Geschäftsfeld ändern oder wenigstens erweitern. Hilft das auch nichts, muss er schließen. Ist zwar doof für den Unternehmer, aber so ist es nunmal. Es gibt keine Entschuldigung, weswegen jemand Tag für Tag arbeiten gehen sollte (zum Teil schwer!) und dann noch betteln gehen muss, weil er einst den falschen Job erlernt hat.
 
Zumindest in der Großstadt ist die Anzahl an Friseurläden inflationär. Neben (immer weniger) "tradionellen" Friseure und neben Ketten (z.B. Essanelle) gibt's viele "Selbstständige". Keine Ahnung, ob es hohe Hürden (Meisterbrief notwendig?) gibt, aber scheinbar macht jeder aus der Branche einen Laden auf. Teils hippe Einrichtung, auf jeden Fall einen vermeintlich orginellen Namen - schon ist der Laden eröffnet. Meistens ist die Bezahlung gering. Und das gilt letztendlich auch für den Inhaber. Ein Mindestlohn wird sicherlich zu einer Bereinigung des Marktes führen. Profitieren von dieser Bereinigung werden vor allem die Ketten. Denn die werden den Mindestlohn ehern verkraften bzw. Lösungen finden. Kleine Läden können durch besonderen Service oder Ambiente ihren Umsatz sichern, aber das ist stark von der vorhandenen Kundschaft im direkten Umfeld abhängig. Man muss einfach berücksichtigen, dass man bei einem Friseurbesuch regelmäßig für eine Dientsleistung gefühlt viel Geld hinlegen muss. Da ist für viele der Preis entscheidend.
 
Ich find die ganze Mindestlohndiskussion in gewisser Weise unsinnig bzw. überflüssig.
Vorweg, ich denke wir reden hier hauptsächlich über Vollzeitjobs (für größtenteils gelernte Fachkräfte) und da muss sich Arbeit einfach lohnen.
Und das tut sie auch bei 8,50 die Stunde nicht. Das sind gerade mal 1360 brutto im Monat bei einer 40h-Woche, also 160h im Monat. Steuern und Sozialabgaben abgezogen, was bleibt da noch? Gerundet 1000? 1100? Ich mein allein bei nem Lehrlingsgehalt von 450-500 € gehen ja schon gute 100 € an Sozialabgaben runter :-? das wird ja nicht weniger mit steigendem Gehalt.

Und was bekommt man mit ALG II? Etwas über 700 inkl. Mietkostenübernahme. Man arbeitet sich also den Arsch ab, macht sich physisch und psychisch kaputt für 200, 250 € mehr im Monat, die aller Wahrscheinlichkeit für einen fahrbaren Untersatz wieder drauf gehen, den man braucht um zur Arbeit zu kommen :ugly:
Da kann man auch gleich zu hause bleiben.
Und das gilt nur für Singles... hat man ne Familie sind diese 1360 € ein noch größerer Witz!

Deutschland braucht keinen Mindestlohn, Deutschland braucht einfach nur genug Menschen, die sich genau das sagen... die Arbeit lohnt sich nicht, hab ich halt paar Kröten weniger, bleib dafür aber zu hause. Das hat auch nichts mit Faulheit zu tun, denn man will für seine Arbeit ja nur vernünftig entlohnt werden.
Eine Friseuse muss und will glaube ich gar nicht mit 6 Riesen nach Hause gehen, aber 1500 bis 1800 (Einstiegsgehalt) netto kann man wohl für jeden Vollzeitjob heutzutage verlangen, sofern man was gelernt hat.
Und wenn genügend Menschen zu hause bleiben, weil sich Arbeit nicht lohnt, dann wird das Umdenken in den Chefetagen ganz von allein kommen.
Der Kunde als Konsument regelt den Arbeits-/Gehaltsmarkt nur in begrenztem Maße, denn er kann halt nur so viel in die Wirtschaft stecken wie er selbst in der Tasche hat.
 
Zumindest in der Großstadt ist die Anzahl an Friseurläden inflationär. Neben (immer weniger) "tradionellen" Friseure und neben Ketten (z.B. Essanelle) gibt's viele "Selbstständige". Keine Ahnung, ob es hohe Hürden (Meisterbrief notwendig?) gibt, aber scheinbar macht jeder aus der Branche einen Laden auf.
Das ist das direkte Ergebnis der Schlechtbezahlung. Nach der Ausbildung lässt man sich noch ein, zwei Jahre ausbeuten zu Löhnen um 4-5 Euro, danach macht man sich selbstständig, damit man die 70 Euro, die man Oma für die Dauerwelle abnimmt, selber behalten zu können.

Angestellt sein als Frisör lohnt sich meist weder für den Arbeitgeber (zu hohe Kosten bei unkalkulierbaren Einnahmen), noch für den Arbeitnehmer (zu geringes Einkommen, man lebt nur vom Trinkgeld).

Ich frage mich schon immer, wie bei uns auf 400 Meter Geschäftsmeile 4 Frisörsalons leben können. Und selbst in den Randbezirken, wo selbst Kioske dichtmachen wegen mangelnder Kundschaft -> 2 Frisöre finden sich immer noch. Der Martk scheint es also herzugeben...

Die Selbstständigkeit ist doch auch ein gutes Mittel um hohe Lohnkosten erst einmal zu verhindern. Da gründet man mal schnell eine Salongemeinschaft und spart sich die Sozialabgaben. Wenn interessiert schon Altersvorsorge und Arbeitslosengeld, wenn der Rest zum Leben nicht reicht?

Marty
 
Und was bekommt man mit ALG II? Etwas über 700 inkl. Mietkostenübernahme. Man arbeitet sich also den Arsch ab, macht sich physisch und psychisch kaputt für 200, 250 € mehr im Monat, die aller Wahrscheinlichkeit für einen fahrbaren Untersatz wieder drauf gehen, den man braucht um zur Arbeit zu kommen :ugly:
Aller Wahrscheinlichkeit? Haben alle Friseurinnen ein Auto?! 200 € mehr im Monat finde ich schon eine beachtliche Summe.

Eine Friseuse muss und will glaube ich gar nicht mit 6 Riesen nach Hause gehen, aber 1500 bis 1800 (Einstiegsgehalt) netto kann man wohl für jeden Vollzeitjob heutzutage verlangen, sofern man was gelernt hat.
Und wenn genügend Menschen zu hause bleiben, weil sich Arbeit nicht lohnt, dann wird das Umdenken in den Chefetagen ganz von allein kommen.
"Chefetagen" klingt beim Thema Friseur ein wenig lustig. Als ob da über dem Friseurladen der Chef in seinem großen Büro sitzt und die Scheine zählt. Viele Geringverdiener arbeiten eben in Kleinstbetrieben, die sich finanziell gerade so über Wasser halten können.

Der Kunde als Konsument regelt den Arbeits-/Gehaltsmarkt nur in begrenztem Maße, denn er kann halt nur so viel in die Wirtschaft stecken wie er selbst in der Tasche hat.
Gilt das nicht auch für viele Chefs? Er kann nur so viel seinen Mitarbeitern zu stecken, wie er in der Tasche hat. Er kann natürlich mehr zahlen, aber die Finanzierung erfolgt über höhere Preis. Und ob dann der Kunde noch kommt...
 
Aller Wahrscheinlichkeit? Haben alle Friseurinnen ein Auto?! 200 € mehr im Monat finde ich schon eine beachtliche Summe.

Ich möchte hier nicht (nur) auf Friseurinnen eingehen, sondern auf den Arbeitnehmer allgemein...
200 € mehr im Monat ist eine beachtliche Summe, ja, aber nicht für eine 40h-Woche, einen Vollzeitjob.
Dann kann ich auch hingehen, ALG II beantragen, mir n Minijob suchen - 160 € Einkommen sind ja anrechnungsfrei - und bei einem Stundenlohn von 8,50€ arbeite ich dann 20 Stunden im Monat !!! statt 40 in der Woche und hab genauso viel in der Tasche.
Ob ich dann ein Auto habe oder mit den öffentlichen fahre... steht erstmal nicht zur Debatte, aber die meisten Vollzeitarbeitnehmer besitzen doch ein Auto (ob aus Bequemlichkeit oder aus Zwang will ich gar nicht diskutieren, man muss halt jeden Tag zur Arbeit kommen, wo der Empfänger/Minijobber größtenteils zu hause bleibt) und da gehen die 200 die man mehr hat schnell für drauf, wenn man nicht gar noch drauf legen muss.

"Chefetagen" klingt beim Thema Friseur ein wenig lustig. Als ob da über dem Friseurladen der Chef in seinem großen Büro sitzt und die Scheine zählt. Viele Geringverdiener arbeiten eben in Kleinstbetrieben, die sich finanziell gerade so über Wasser halten können.

Wie gesagt, der Thread beschäftigt sich mit Mindestlohn allgemein, auch wenn hier ein paar gerade thematisch den Friseur favorisieren und ich bezog mich nicht auf den Friseurberuf im Speziellen, da hast du was falsch interpretiert. Aber auch bei Friseursalons gibt es mittlerweile genug Ketten, die das Geschäft dominieren und da sitzt irgendwo ein Chef in einer "Chefetage" oder ein Investor, der die Däumchen dreht, sich den Gewinn einsteckt, während andere schuften.
Und da sehe ich das Problem... wenn der Selbstständige sich für seinen Lebensunterhalt den Arsch abschuftet und nach Abzug aller Kosten "nur" auf einen Stundenlohn von 4-5 € kommt, meine Güte, das sind Randerscheinungen. Und wenn da ein Kleinstbetrieb mit 2-5 +/- Mann/Frau ist, dann kann man wohl auch noch ein Auge zu drücken bzw. bringt Verständnis auf.
Aber in der Regel werden Niedriglöhne doch auch gerne von Subunternehmern und Ketten bezahlt, um deren eigenen Gewinn maximieren zu können. Gastronomieketten und Friseurketten sind dafür ein gutes Beispiel oder Unternehmen die Putzkräfte zur Verfügung stellen.
Das sind in der Regel alles keine kleinen Unternehmen und dennoch zahlen die so, dass die Arbeitnehmer sich Vollzeit den Arsch aufreissen, der Staat aber trotzdem noch zu buttern muss, während das Unternehmen selbst Gewinn macht und der Chef bzw. die Investoren mit Millionen €uros in den Taschen nach Hause gehen.

Gilt das nicht auch für viele Chefs? Er kann nur so viel seinen Mitarbeitern zu stecken, wie er in der Tasche hat. Er kann natürlich mehr zahlen, aber die Finanzierung erfolgt über höhere Preis. Und ob dann der Kunde noch kommt...

Achja? Wie kanns dann sein, dass das Milliardenunternehmen mit dem vergoldeten M, Gewinne in Millionenhöhe (in Deutschland allein) macht, seinen Mitarbeitern aber trotzdem nur einen Lohn an der wirklich untersten Grenze zahlt?
Um nur ein Beispiel zu nennen... Man könnte auch auf einen Teil des Gewinns verzichten, die Preise bleiben gleich, der Kunde kommt weiterhin, dafür wird der Arbeitnehmer besser bezahlt. Und wer weiß, vielleicht steigt dann sogar der Umsatz und damit wiederum der Gewinn, weil der Arbeitnehmer auch als Konsument wieder mehr ausgeben kann.
Momentan ist eher so, dass die Löhne wo es nur geht, gedrückt werden, während sich die Bonzen oben die Taschen vollstopfen, die Politiker sich die Diäten mal wieder erhöhen und gleichzeitig wird trotzdem alles teurer... das ist reine Gewinnmaximierung, das Geld fließt in die Taschen weniger und die breite Masse hat sinkende Reallöhne, das kanns nicht sein.
 
Dann kann ich auch hingehen, ALG II beantragen, mir n Minijob suchen - 160 € Einkommen sind ja anrechnungsfrei - und bei einem Stundenlohn von 8,50€ arbeite ich dann 20 Stunden im Monat !!! statt 40 in der Woche und hab genauso viel in der Tasche.
.

Fast richtig. Der Freibetrag von 165,- Euro gilt bei Arbeitslosengeld, für Hartz4 (ALG2) -Empfänger sind es nur 100,- Euro. Was darüber hinausgeht wird angerechnet:

bis 100 Euro: nicht anrechenbarer Grundfreibetrag (*)
101 - 1000 Euro (brutto): 20% frei (**)
1001 - 1200 (mit Kind: 1500) Euro: 10% frei
ab 1200 (1500) Euro: kein Anspruch

https://www.hartz4hilfthartz4.de/cms/html/hartz-4-iv-alg-ii-freibetrag-einkommen.html


(*) Den Freibetrag hättest Du schon nach ca 11,75 Stunden erreicht.
(**) Vom Rest (20 * 8,50 - 100) blieben Dir 14,- Euro.


-----

edit (was ich noch vergessen hatte): Einnahmen aus einem 1-Euro-Job (*) werden nicht angerechnet.

(*) Streng genommen gibt es die ja nicht mehr, aber "1,10-Euro-Job" oder "1-Euro-10-Job" klingen so holprig...
 
Zuletzt bearbeitet:
Fast richtig. Der Freibetrag von 165,- Euro gilt bei Arbeitslosengeld, für Hartz4 (ALG2) -Empfänger sind es nur 100,- Euro. Was darüber hinausgeht wird angerechnet:

bis 100 Euro: nicht anrechenbarer Grundfreibetrag (*)
101 - 1000 Euro (brutto): 20% frei (**)
1001 - 1200 (mit Kind: 1500) Euro: 10% frei
ab 1200 (1500) Euro: kein Anspruch

https://www.hartz4hilfthartz4.de/cms/html/hartz-4-iv-alg-ii-freibetrag-einkommen.html


(*) Den Freibetrag hättest Du schon nach ca 11,75 Stunden erreicht.
(**) Vom Rest (20 * 8,50 - 100) blieben Dir 14,- Euro.

Vielen Dank für die Aufschlüsselung, habe mich mit diesen Freibeträgen nie genauer beschäftigt, abgesehen davon, dass ich diese anrechnungsfreien 160 € im Kopf hatte... Ändert sich natürlich auch regelmäßig, wenn die Sätze korrigiert werden. Nun gut, so weit daneben lag ich ja nicht...
Und der Kern meiner Aussage, dass der finanzielle Unterschied zwischen Arbeitslosigkeit + Minijob und Vollzeitstelle selbst mit Mindestlohn verschwindend gering ist und es sich nicht lohnt Vollzeit zu arbeiten, bleibt ja erhalten.

Man kann sich natürlich fragen, wo man die Grenze ansetzen sollte für einen Mindestlohn... in meinen Augen sind bei der derzeitigen Entwicklung 8,50 zu niedrig. Brutto versteht sich. Da wären 9,50-10 € schon besser angesetzt. Damit läge man brutto bei 1520-1600, was netto grob überschlagen irgendwo bei dem jetzt angesetzten Brutto-Mindestlohn liegen würde.
Das ist für mich ein würdiger Lohn für eine Vollzeitarbeit und inkl. Freibeträge weit genug weg vom Arbeitslosengeld.
Denn eben diese Überlegung haben doch viele: Warum soll ich arbeiten gehen, wenn ich ohne Arbeit genauso viel oder höchstens minimal weniger habe (was durch diverse Vergünstigungen für Empfänger bspw. günstigere Monatstickets für ÖPNV kaum ins Gewicht fällt)? Arbeit, vor allem Vollzeitarbeit muss gewürdigt werden und finanziell attraktiv sein.
Optimalerweise sollte ein Gehalt für eine Vollzeitstelle so angesetzt sein, dass man min. eine dreiköpfige Familie ernähren kann.
Und da betrachte ich die Ungelernten noch mit. Ein Gelernter sollte nicht unter 1,8k brutto Einstiegsgehalt nach hause gehen müssen.

Und wenn man sich mal die Durchschnittsgehälter anschaut (jaja traue keiner Statistik die man nicht selbst gefälscht hat): https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1789/umfrage/durchschnittseinkommen-in-deutschland-nach-branchen/

Da ist selbst im "unterbezahlten" Gastgewerbe noch ein Durchschnittsbrutto von 2012€ im Monat möglich.
2000 € sollten doch für jede gelernte Fachkraft drin sein, dadrunter würde ich persönlich mich nicht für einen Vollzeitstelle hergeben. Das wäre übrigens ein Stundensatz von 12,50 €
 
Hallo,

ich habe eine Frage zum Mindestlohn, hab schon gegoogelt, aber nicht so richtig was gefunden.

Laut Wikipedia gibt es für verschiedene Branchen bereits einen Mindestlohn.

u.a. folgende:

- Gebäudereinigung
Gültig vom 1. November 2013 bis 31. Oktober 2015
Innen- und Unterhaltsreinigung (Lohngruppe 1; West und Berlin): 9,00 € (ab 1. Januar 2014: 9,31 €, ab 1. Januar 2015: 9,55 €)

- Arbeitnehmerüberlassung (Zeitarbeit)
Gültig ab 1. Januar 2014
West: 8,50 €

- Pflegebranche (Altenpflege und häusliche Pflege durch Pflegebetriebe)
Gültig ab 1. Juli 2013 bis 31. Dezember 2014
West und Berlin: 9,00 €

Ich habe einen Nebenjob (450€ Basis, Niedersachsen) und bin über eine Reinigungsfirma angestellt.
Ich reinige jedoch nichts, sondern arbeite in einer Klinik (überwiegend Geriatrie) und bringe die Leute zum Essen, Arztterminen, etc. und erledige Botengänge.

Stellt dies nun eine Arbeitnehmerüberlassung der Reinigungsfirma an die Klinik dar?
Ist der Mindestlohn der Gebäudereiniger zu zahlen?
Ist der Mindestlohn der Pflegebranche zu zahlen?
Oder falle ich hier komplett raus?
 
450€ - Job ist da imho völlig 'raus.

Ganz sicher? Nur weil die ARbeitszeit und die Vergütung begrenzt ist, befreit das doch nicht vom Tariflohn.

Grundsätzlich gilt: Dir steht der Lohn aus dem Arbeitsvertrag zu, arbeitest du in einer höher zu entlohnenden Branche, gilt der dort zu zahlende Lohn. (abzgl. max 20%, wenn AG kein Tarifpartner ist, alles drunter ist sittenwidrig).
Arbeitest du dauerhaft unter deinem Vertragslohn ist eine Eingruppierung entsprechend auch möglich,
 
Ganz sicher? Nur weil die ARbeitszeit und die Vergütung begrenzt ist, befreit das doch nicht vom Tariflohn.

Grundsätzlich gilt: Dir steht der Lohn aus dem Arbeitsvertrag zu, arbeitest du in einer höher zu entlohnenden Branche, gilt der dort zu zahlende Lohn. (abzgl. max 20%, wenn AG kein Tarifpartner ist, alles drunter ist sittenwidrig).
Arbeitest du dauerhaft unter deinem Vertragslohn ist eine Eingruppierung entsprechend auch möglich,

Also ich bekomme 8,5€ und das steht auch im Arbeitsvertrag. Fragt sich jetzt nur, welcher Branche ich denn eigentlich zugeordnet bin.
Also der AG darf einfach so bis zu 20% unter dem Mindestlohn zahlen, ohne das irgendetwas passiert?
 
Die Reichen....

Ach, da gehts doch nur um die, die Geld haben. Einem vernünftigen Mindestlohn schadet nicht, wie jetzt mit den 8,50. Deswegen wirds wohl kaum Entlassungen geben. Viel schlimmer ist, das der jetzt wohl nciht für alle gelten soll. Warum sollen Jugendlich kein Recht auf den Mindestlohn haben?
 
Ach, da gehts doch nur um die, die Geld haben. Einem vernünftigen Mindestlohn schadet nicht, wie jetzt mit den 8,50. Deswegen wirds wohl kaum Entlassungen geben. Viel schlimmer ist, das der jetzt wohl nciht für alle gelten soll. Warum sollen Jugendlich kein Recht auf den Mindestlohn haben?

Weil viele Jugendliche in der Berufsausbildung sind und die Löhne dort -verständlicherweise- niedriger sind .. Sonst würde man in der Berufsausbildung monatlich brutto locker 1.000 Euro verdienen? :ugly:
 
Ich habe dazu gestern was interessantes gelesen. Und zwar Langzeitarbeitslose haben erst einen Anspruch auf den Mindestlohn nach 6 Monaten das passt ja wieder wie die Faust aufs Auge. Wenn ich Unternehmer bin nehme ich mir einen Langzeitarbeitslosen und da die Probezeit in der Regel ein halbes Jahr ist, klatsche ich diesen kurz vor Ablauf raus muss ja keinen Grund angeben da Probezeit und nehme dann den nächsten die Billigarbeiter sind weiterhin sicher.


Auch habe ich eine sehr gute Karikatur gestern gesehen ein Menschlein steht mit einem Schild wo drauf steht Mindestlohn 8,50€ vor einen riesen Haufen Geld und auf diesen Haufen sitzt eine Bonze und zeigt mit dem Finger auf den der das Schild hält. Und in einer Sprechblase von der Bonze stand dann zu lesen du machst die Wirtschaft kaputt.
 
Also, das ist wirklich grausam, jeder sollte den mindestlohn bekommen. Unsere Regierung hat wirklich einen Knall.

Gruß Heidi