Hintergrund: Schwerpunkte des Koalitionsvertrages

24. Oktober 2009, 22:33 Uhr · Quelle: dpa
Berlin (dpa) - Steuerentlastungen für mehr Wachstum, stabile Sozialbeiträge und ein «Schutzschirm für Arbeitnehmer»: Das sind die zentralen Vorhaben der schwarz-gelben Koalition bis 2013. Die Kabinettsaufteilung soll so bleiben, nur Aufbau Ost wechselt vom Verkehrs- zum Innenressort.

Wesentliche Punkte des Koalitionsvertrags von Union und FDP unter dem Motto «Wachstum. Bildung. Zusammenhalt.»:

STEUERN: Anfang 2010 greifen STEUERENTLASTUNGEN von jährlich rund 14 Milliarden Euro, die bereits Schwarz-Rot beschlossen hat. Zusammen mit den ersten schwarz-gelben Steuerschritten sind es im ersten Regierungsjahr 2010 Entlastungen von rund 21 Milliarden Euro. Bis 2013 sollen dann Steuerentlastungen im Gesamtvolumen von bis zu 24 Milliarden Euro im Jahr umgesetzt werden. «Möglichst» zum 1. Januar 2011 soll ein TARIFSTUFENSYSTEM bei der Einkommensteuer in Kraft treten. Zahl und Verlauf sind offen.

Einige Elemente der UNTERNEHMENSTEUERREFORM von 2008 werden im Sinne der Unternehmen korrigiert. So wird die «Zinsschranke» gelockert, um den Mittelstand bei der Kreditbeschaffung zu entlasten. Geschwister, Nichten und Neffen werden beim ERBEN bessergestellt. Auch Firmenerben werden entlastet. Die Arbeitsplatzauflage für Firmennachfolgern bei der Betriebsfortführung soll gelockert werden.

Von 2010 an soll für Beherbergungen im Hotel- und Gaststättengewerbe der reduzierte MEHRWERTSTEUERSATZ von sieben Prozent gelten. Der kaum noch überschaubare Katalog ermäßigter Sätze soll durchforstet werden.

HAUSHALT: Krisenbedingte Einnahmeausfälle für die Arbeitslosen- und Krankenversicherung sollen mit Steuermitteln aufgefangen werden. Die Beiträge sollen somit stabil gehalten werden.

FAMILIE: Der jährliche KINDERFREIBETRAG soll in einem ersten Schritt zum Januar 2010 von 6024 auf 7008 Euro angehoben werden. Das monatliche KINDERGELD wird um jeweils 20 Euro erhöht - also auf 184 Euro für das erste und zweite Kind, für das dritte Kind auf 190, für das vierte und weitere Kinder auf je 215 Euro monatlich.

ARBEITSMARKT: HARTZ-IV-BEZIEHER dürfen künftig mehr von ihrem Angesparten behalten: Pro Lebensjahr 750 statt 250 Euro sowie eine selbst bewohnte Immobilie beliebiger Größe. Arbeitslosengeld-II-Empfänger dürfen mehr hinzuverdienen. Bislang sind nur 100 Euro völlig anrechnungsfrei. Bestehende Branchen-MINDESTLÖHNE sollen bleiben, aber bis 2011 überprüft werden. Neuen Anträgen muss das Kabinett einvernehmlich zustimmen. Ein Verbot sittenwidriger Löhne soll kommen. Die Koalition will die Größe von AUFSICHTSRÄTEN prüfen. Zudem «soll neben Aufsichtsräten und Vorständen auch ein Ehrenkodex für Betriebsräte entwickelt werden».

Die BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT bleibt erhalten. Angesichts der Haushaltslöcher wollen Union und FDP bei den Fördermaßnahmen für Arbeitslose aber sparen. Grundsätzlich soll alles auf den Prüfstand. An der Beitragsschraube zur Erhöhung der BA-Einnahmen soll - über die für Anfang 2011 bereits festgeschriebene Anhebung von 2,8 auf 3,0 Prozent hinaus - nicht gedreht werden. Das BA-Defizit will die neue Regierung aus dem Bundeshaushalt ausgleichen.

RENTE: Die Ost-West-Angleichung soll zwar kommen, offen ist aber wann und wie.

GESUNDHEIT: Kurzfristig ändert sich am umstrittenen GESUNDHEITSFONDS nichts grundlegend. Von 2011 an könnte er wackeln. Künftig sollen allein die Versicherten mögliche Prämienerhöhungen der Krankenkassen tragen. Der Arbeitgeberanteil von 7 Prozent soll eingefroren, der bisherige Beitrag von Arbeitseinkommen oder Rente (derzeit 7,9 Prozent) möglicherweise teilweise oder ganz auf eine Pauschalprämie umgestellt werden. Für ärmere Versicherte ist ein Zuschuss aus Steuern vorgesehen. Die Kassen sollen wieder unterschiedlich hohe Beiträge statt des Einheitsbeitrags von 14,9 Prozent nehmen dürfen. Auch zwischen Regionen sollen wieder unterschiedlich hohe Prämien möglich sein. Der Wechsel gesetzlich Versicherter zur privaten Krankenversicherung soll leichter werden.

PFLEGE: Die Pflegeversicherung soll allmählich zu einem Teil privatisiert werden. Zu prozentualen Abzügen vom Einkommen könnte dann ein pauschaler Beitrag hinzukommen, um die wachsende Zahl von Pflegefällen zu zahlen und die Pflege für Demenzkranke auszuweiten.

INNERES: Die umstrittene Sperrung von kinderpornografischen Seiten wird zunächst für ein Jahr ausgesetzt. Die Polizei soll versuchen, die Seiten zu löschen. Für ONLINE-DURCHSUCHUNGEN von Computern ist künftig die Genehmigung des Bundesgerichtshofs nötig. Die Methode bleibt dem Bundeskriminalamt vorbehalten. Die Speicherung von Daten aus Telefon- und Internetverbindungen - VORRATSDATENSPEICHERUNG - wird zwar fortgeführt - der Zugriff auf die Daten aber bis zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in der Sache ausgesetzt. Außerdem wollen Union und FDP kommerzielle Sterbehilfe unter Strafe stellen. Polizei und Nachrichtendienste sollen getrennt bleiben. Für Jugendliche steigt die Höchststrafe für Mord auf 15 Jahre.

BILDUNG: Die Ausgaben für Bildung und Forschung sollen bis 2013 um insgesamt 12 Milliarden Euro steigen. Bis 2015 sollen die Ausgaben einen Anteil am Bruttoinlandsprodukt von 10 Prozent haben. Schwarz- Gelb strebt ein Stipendienprogramm für besonders begabte Studenten an. Geplant sind 300 Euro monatlich - unabhängig vom Elterneinkommen. Jedes Kind muss nach Ansicht von Union und FDP vor dem Schulbeginn Deutsch können. Alle Vierjährigen sollen einen Sprachtest machen.

AUSSEN/VERTEIDIGUNG: Die Wehrpflicht soll bleiben. Männer müssen aber bald nur noch sechs statt neun Monaten zum Bund. Deutschland soll ein Land ohne ATOMWAFFEN werden. Die Verhandlungen zwischen EU und Türkei sollen «ergebnisoffen» geführt werden. Der Marine-Einsatz vor der Küste des LIBANON soll schrittweise beendet werden.

ENERGIE/UMWELT: Die Laufzeit für «sichere» ATOMKRAFTWERKE wird verlängert. Der Großteil der Zusatzgewinne der Konzerne soll dem Bund zufließen. Das niedersächsische Salzbergwerk GORLEBEN wird als mögliches Endlager für Atommüll weiter unter die Lupe genommen.

AGRAR: Schwarz-Gelb legt ein Sofortprogramm für Bauern in Höhe von 750 Millionen Euro für 2010 und 2011 auf. Milchbauern können darin mit zusätzlichen Hilfen von 500 Millionen Euro rechnen. Der Anbau der Industrie-Genkartoffel Amflora wird unterstützt. Das Anbauverbot für Genmais MON 810 bleibt bis auf weiteres bestehen.

VERBRAUCHERSCHUTZ: Schwarz-Gelb will die Lebensmittelkennzeichnung verbessern. Das Verbraucherinformationsgesetz soll reformiert werden.

Parteien / Regierung
24.10.2009 · 22:33 Uhr
[1 Kommentar] · [zum Forum]
Abschluss der 8. Bildungsministerkonferenz (BMK)
München (dpa) - Während der laufenden Debatte um eine Altersbegrenzung der sozialen Medien hat sich die Bildungsministerkonferenz auf eine Stärkung der Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern verständigt. «Unser Ziel ist es, Kinder und Jugendliche zu einem reflektierten, kritischen und sicheren Umgang mit Social Media zu befähigen, ihre Medienkompetenz zu stärken […] (01)
vor 1 Stunde
CBD Vapes gehören 2026 zu den meistgefragten Hanfprodukten in Deutschland und gleichzeitig zu den am häufigsten missverstandenen. Dieser Ratgeber erklärt, was in einer CBD Vape steckt, warum das Thema Legalität weniger kompliziert ist als viele denken und worauf es beim Kauf wirklich ankommt. Nur für Erwachsene ab 18 Jahren. Was ist ein CBD Vape? Ein […] (00)
vor 3 Stunden
SpaceX «Starship»
New York (dpa) - Elon Musks ist mit dem Rekord-Börsengang seiner Weltraumfirma SpaceX zum ersten Menschen mit einem Billionen-Vermögen geworden. Die SpaceX-Aktie debütierte mit einem Zuwachs von gut elf Prozent im Vergleich zum Ausgabepreis von 135 Dollar. Im späteren Handelsverlauf weitete sich das Kursplus zeitweise auf rund 20 Prozent aus. Das […] (01)
vor 1 Stunde
Resident Evil Requiem DLC soll später erscheinen als erwartet
Eigentlich gingen viele Spieler davon aus, dass der geplante Resident Evil Requiem DLC nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt. Nun sorgt jedoch ein neues Gerücht für Diskussionen innerhalb der Community. Demnach könnte die große Story-Erweiterung deutlich später erscheinen als bislang erwartet. Besonders interessant ist dabei der angebliche […] (00)
vor 42 Minuten
Hannes Hiller und Marc Rasmus geben inhaltliche Verantwortung für ProSieben und Sat.1 ab
Die bisherige Struktur, in der einzelne Senderchefs das komplette Programm für einen Kanal steuern, ist augenscheinlich vorbei. Was bei RTL in letzter Zeit mit neuen senderübergreifenden Führungsteams bereits umgesetzt wurde, vollzieht sich nun scheinbar auch bei der Konkurrenz aus Unterföhring. Die inzwischen von der italienischen MFE geführten Sendergruppe ProSiebenSat.1 erhalte nach […] (00)
vor 4 Stunden
Martin Demichelis
Leipzig (dpa) - Trainer Ole Werner steht trotz des Erreichens aller Saisonziele bei Fußball-Bundesligist RB Leipzig nach nur einem Jahr offenbar vor dem Aus. Medienberichten zufolge soll der 45-jährige Argentinier Martin Demichelis zur neuen Saison den Dritten der abgelaufenen Meisterschaft übernehmen.  Laut der Zeitung «Marca» sei der Wechsel nach […] (01)
vor 1 Stunde
GSK zahlt 40%-Aufschlag: Britischer Pharma-Riese kehrt überraschend zur Krebsforschung zurück
Die größte Übernahme seit acht Jahren schockiert die Branche GSK, einer der weltweit größten Pharmahersteller mit Sitz in Großbritannien, hat am Dienstag eine strategische Bombe platzen lassen: Der Konzern zahlt 10,6 Milliarden Dollar für die Übernahme der US-amerikanischen Biotechnologiefirma Nuvalent. Es ist die größte Akquisition des Unternehmens seit 2018 und signalisiert eine fundamentale […] (00)
vor 41 Minuten
Innerhalb weniger Jahre hat sich verschoben, was ein deutsches Auto im Kern ausmacht. Wo früher Hubraum und Verbrauch den Ton angaben, entscheiden heute Reichweite, Ladezeit und die Qualität der Bordsoftware über Erfolg oder Misserfolg. Entsprechend bauen Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz ihre Werke um, stellen Teams neu auf und denken das Fahrzeug von […] (00)
vor 3 Stunden
 
Flughafen Hamburg (Archiv)
Hamburg - Der Sicherheitsbereich des Hamburger Flughafens ist am Freitag von […] (00)
Bauer mit Traktor (Archiv)
Brüssel - Die Europäische Kommission hat am Freitag Maßnahmen vorgestellt, um […] (00)
Schwimmende Wasserstoff-Ladestation für Schiffe besteht Praxistests
Wer einen Hafenliegeplatz mit Landstrom nachrüsten will, wartet in der Regel drei bis […] (00)
Drohne (Archiv)
Berlin - Die Deutsche Flugsicherung (DFS) plant gemeinsam mit dem Rüstungsunternehmen […] (00)
WM 2026 - Mexiko - Südafrika
Mexiko-Stadt (dpa) - Kein Fußball-Feuerwerk, dafür ein Rot-Festival mit drei […] (05)
Auszeichnung für Verdienste um Europa Joachim Nagel, der Präsident der Bundesbank, […] (00)
Clemens Pig neuer ORF-Intendant
Der Wahl in der Nacht auf Freitag war mit rund 15 Stunden die längste Sitzung in der Geschichte […] (00)
Leaker bestätigt: Erstes Touchscreen-MacBook kommt im Herbst
Nach Angaben des bekannten chinesischen Leakers Instant Digital ist Apples erstes […] (00)
 
 
Suchbegriff