Streit um Lockerbie-Attentäter droht zu eskalieren

22. August 2009, 21:31 Uhr · Quelle: dpa
Tripolis/London/Washington (dpa) - Der Streit um die Begnadigung des krebskranken Lockerbie-Attentäters droht zu eskalieren.

Der Direktor der US-Bundespolizei FBI, Robert Mueller, zeigte sich so empört über die Freilassung von Abdel Bassit Ali Mohammed al-Megrahi, dass er einen flammenden Brief an den schottischen Justizminister Kenny MacAskill schrieb. Darin spricht er überraschend wütend und offen von einer Ermutigung für «Terroristen in aller Welt» und von einer «Verhöhnung der Rechtsgrundsätze».

Al-Megrahi, der in seinen Heimatstaat Libyen entlassen wurde, hat nur noch wenige Monate zu leben. Ein Sprecher der schottischen Regierung verteidigte die Entscheidung am Samstag und sagte: «Begnadigung ist kein Teil des US-Rechtssystems aber Teil des schottischen.»

Unterdessen empfing der libysche Revolutionsführer Muammar al- Gaddafi trotz scharfer Kritik aus den USA und Großbritannien al- Megrahi in Tripolis. Dabei dankte Gaddafi Medienberichten zufolge auch dem britischen Premierminister, «meinem Freund Gordon Brown, Königin Elizabeth und Prinz Andrew, die alle zu der historischen und mutigen Entscheidung der schottischen Regierung beigetragen haben.»

Schottland hatte al-Megrahi, der Prostatakrebs hat, am Donnerstag begnadigt und damit vor allem in den USA Entrüstung ausgelöst. Der 57-Jährige hatte erst acht Jahre seiner lebenslangen Haftstrafe abgesessen, zu wegen des Bombenanschlag auf ein Flugzeug der US-Linie PanAm über der schottischen Stadt Lockerbie verurteilt worden war. Bei dem Anschlag kamen im Dezember 1988 insgesamt 270 Menschen ums Leben, die meisten waren Amerikaner.

Auch die britische Regierung kam immer weiter unter Druck. Die Oppositionsparteien kritisierten, die Regierung hätte «ernsthafte Fragen» zu beantworten, ob Geschäftsinteressen im ölreichen Libyen hinter al-Megrahis Freilassung steckten. Gaddafis Sohn, Seif al- Islam, hatte nach Medienberichten gesagt, dass al-Megrahis Fall bei allen Gesprächen über Öl und Gas Thema gewesen sei. Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair habe den Fall immer wieder angesprochen, sagte er einem libyschen Sender. Das Außenministerium in London erklärte jedoch, zwischen der britischen Regierung und der libyschen «hat es keine Geschäfte gegeben, die etwas mit al-Megrahi (...) zu tun hatten». Wirtschaftsminister Peter Mandelson sagte, die Vorwürfe seien «beleidigend».

Al-Megrahi hatte seine Schuld an dem Attentat immer bestritten. In einem Interview mit der Zeitung «The Times» vom Samstag betonte er, er werde neue Beweise für seine Unschuld vorlegen, bevor er sterbe. «Es war ein Justizirrtum.» Er sei jedoch «sehr, sehr glücklich», frei zu sein.

Schon die begeisterte Begrüßung al-Megrahis bei seiner Rückkehr auf dem Flughafen in Tripolis war von Washington und London als «erschütternd», «empörend» und «widerlich» bezeichnet worden. US- Angehörige der Opfer des Terroranschlags kündigten an, kommenden Monat in New York zu demonstrieren, wenn Gaddafi vor den Vereinten Nationen sprechen soll.

Terrorismus / Justiz / Großbritannien / USA
22.08.2009 · 21:31 Uhr
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