Israel tötet Hamas-Militärchef - Weltweite Besorgnis über Eskalation

14. November 2012, 22:00 Uhr · Quelle: dpa

Tel Aviv/Gaza-Stadt (dpa) - Israel und militante Palästinenser im Gazastreifen liefern sich einen neuen blutigen Schlagabtausch.

Zum Auftakt einer neuen Offensive namens «Säule der Verteidigung» tötete die israelische Luftwaffe gezielt den Militärchef der radikal-islamischen Hamas, Ahmed al-Dschabari, und seinen Assistenten. Bei mehr als 20 Luftangriffen starben weitere sieben militante Palästinenser in dem Gebiet am Mittelmeer. 50 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Die Antwort ließ nicht auf sich warten: Militante Palästinenser schworen Rache und feuerten israelischen Medienberichten Dutzende Raketen Richtung Israel ab. Dort suchten Hunderttausende Menschen Zuflucht in Schutzräumen. Autos in Beerscheva gingen in Flammen auf, mehrere Gebäude wurden getroffen. Von Opfern wurde zunächst nichts bekannt.

Der militärische Hamas-Arm im Gazastreifen nannte die Tötung von Al-Dschabari eine «Kriegserklärung» und kündigte massive Rache an. Die israelischen Streitkräfte teilten mit, Bodentruppen stünden auch für einen Einmarsch bereit, sollte der Befehl gegeben werden.

Die israelische Armee bezeichnete Al-Dschabari als «Terroristen Nummer eins» im Gazastreifen. Er sei auch an der Entführung des vor gut einem Jahr freigelassenen israelischen Soldaten Gilad Schalit in den Gazastreifen beteiligt gewesen. Auch andere Hamas-Führer seien nun vogelfrei.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte vor einer längeren Offensive: «Sie wird nicht schnell beendet werden.» Ägypten berief aus Protest gegen Israels Angriffe seinen Botschafter aus Tel Aviv zurück. Zudem werde Israels Botschafter einbestellt werden. Kairo werde auch eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates beantragen, teilte Präsidentensprecher Jasser Ali im Fernsehen mit.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief Israelis und Palästinenser dringend zu Zurückhaltung auf. Er forderte eine sofortige Deeskalation, sagte sein Sprecher in New York und verwies auf eine Erklärung vom Montag. Darin hatte Ban ein sofortiges Ende der palästinensischen Raketenangriffe verlangt und Israel zu höchstmöglicher Zurückhaltung bei Gegenmaßnahmen aufgerufen.

Auch Außenminister Guido Westerwelle zeigte sich besorgt über die Zuspitzung des Nahost-Konflikts. «Es darf nicht zu einer neuen Spirale der Gewalt kommen», sagte der FDP-Politiker in Berlin. «Wir verfolgen mit sehr großer Sorge diese grenzüberschreitenden Auseinandersetzungen.» Westerwelle rief alle Seiten zu «größtmöglicher Zurückhaltung» auf.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak nannte vier Ziele der Aktion: Stärkung der israelischen Abschreckung, Zerstörung der Raketen-Infrastruktur im Gazastreifen, Schwächung terroristischer Gruppen und Schutz der israelischen Bevölkerung vor künftigen Raketenangriffen. Auch die Opposition unterstützte das Vorgehen.

Nach Angaben der israelischen Armee bombardierte die Luftwaffe neben Waffendepots der Hamas und anderer militanter Gruppen im Gazastreifen auch gezielt vermutete Lagerstätten von weiterreichenden Raketen. Dabei soll es sich um aus dem Iran stammende Fajr-5-Raketen handeln. Sie können bis zu 75 Kilometer weit fliegen und damit auch den Großraum Tel Aviv erreichen. Bisher wurde Israel nur mit Raketen mit einer Reichweite von bis zu etwa 30 Kilometern angegriffen.

Die neue Runde der Gewalt hatte am Samstag begonnen, als ein israelischer Jeep von einer Rakete aus dem Gazastreifen getroffen wurde. Dabei waren vier Soldaten zum Teil schwer verletzt worden. Bei israelischen Gegenschlägen starben sechs Palästinenser, mehr als 30 wurden verletzt. Zugleich wurden aus dem Gazastreifen mehr als 120 Raketen und Granaten Richtung Israel abgeschossen. Dabei gab es vier Verletzte.

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Jerusalem Post
Haaretz
Konflikte / Gaza / Israel
14.11.2012 · 22:00 Uhr
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