Analyse: Facebooks Problem mit Hetze gegen Flüchtlinge

27. August 2015, 09:41 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Inmitten der Eskalation rechter Gewalt in Heidenau und anderen Städten füllen sich auch zahlreiche Facebook-Seiten mit Hetze gegen Flüchtlinge. Die Kommentare kann man dem Onlinenetzwerk melden, aber nicht immer werden sie auch gelöscht.

«In 2 Tagen soll diese ASSI-LANTEN Heuschreckenplage hier einfallen!», kommentiert ein Nutzer auf der Facebook-Seite «Bürgerinitiative Heidenau».

Ein weiterer fügt hinzu: «Solange die Links / Grünen Gutmenschen dumm quatschen was die Politik nennen passiert Garnichts ausser das wir z.B. mit dem Abschaum Afrikas zugemüllt werden!» Die Seite, die fast 500 Facebook-Nutzern «gefällt», kommt im Vergleich dazu zurückhaltender daher. Sie wolle sich «dafür einsetzen, das die Heidenauer eine Möglichkeit bekommen, ihren begründeten Protest friedlich zum Ausdruck bringen zu können».

Hassbotschaften sind auf Facebook offiziell verboten - das steht in den «Gemeinschaftsrichtlinien», die sich das soziale Netzwerk selbst gegeben hat. «Facebook entfernt sämtliche Hassbotschaften, d. h. Inhalte, die Personen aufgrund der folgenden Eigenschaften direkt angreifen: Rasse, Ethnizität, Nationale Herkunft, Religiöse Zugehörigkeit, Sexuelle Orientierung, Geschlecht bzw. geschlechtliche Identität oder Schwere Behinderungen oder Krankheiten», heißt es.

Volksverhetzende Postings können auch strafrechtliche Folgen haben. Ein 34-jähriger Berliner ist jüngst zu einer Geldstrafe von 4800 Euro wegen Hetze auf Facebook verurteilt worden. Er hatte bei einer Diskussion um ein Flüchtlingsheim in Berlin-Köpenick Erschießungen und Gaskammern gefordert. Auch in anderen Teilen Deutschlands nimmt die Polizei Ermittlungen auf, es gibt Urteile mit Geldstrafen.

Trotzdem finden sich auf Facebook viele Seiten, die sich «Bürgerschutz» oder «Bürgerinitiative» nennen, kombiniert mit dem Namen einer Stadt oder Kleinstadt, und Stimmung gegen Asylbewerberheime machen. In den Kommentaren wimmelt es von Begriffen wie «Schmarotzer»,«Bananenpflücker», «Drecksgesindel», «Asylantenpack».

Wie kann es sein, dass hetzerische Aufrufe bei Facebook online bleiben? «Facebook ist in hohem Grad selbstreguliert. Das bedeutet, dass Nutzer Inhalte selbst melden können, die sie als bedenklich oder anstößig empfinden», sagt eine Facebook-Sprecherin. Neben jedem Bild und jeder Meinungsäußerung können Nutzer auf einen Button klicken und den Inhalt melden. «Jede Meldung wird vom Community Operations Team geprüft, das speziell für diese Aufgabe ausgebildet ist und weltweit täglich rund um die Uhr arbeitet.» Jede Woche würden hunderttausende dieser Meldungen bearbeitet. Verstoße ein Eintrag gegen die Gemeinschaftsrichtlinien, werde er gelöscht und unter Umständen auch der entsprechende Nutzer blockiert.

In einem konkreten Fall sieht das so aus: Die Facebook-Seite «Flöha Sagt Nein Zum Heim» öffnet mit dem Statement «Viel Leid in der Heimat, doch Asyl wird hervorgehoben und finanziert!». Knapp 1800 Nutzern gefällt diese Seite, einer davon kommentiert: «Sind ja alles «arme traumatisierte Flüchtlinge». Anpacken -zusammendreschen und dann an einem Seil um den Hals aus Deutschland rauszerren. Sachsen bleibt Deutsch-und Deutschland auch.» Vom Facebook-Team kommt zu diesem Kommentar nach etwa einem Tag Bearbeitung die Antwort, er verstoße nicht gegen die Gemeinschaftsrichtlinien.

Dem Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de, Thomas Lückerath, passiert genau so etwas zu oft, wenn es um fremdenfeindliche Hetze geht. «Da gibt es in der Theorie ein gutes System, das funktioniert nur leider nicht, weil all diese Beiträge, die ich gemeldet habe, angeblich mit den Gemeinschaftsstandards von Facebook vereinbar sind», sagt Lückerath. Auch andere Netzaktivisten, Blogger und Journalisten prangern das Vorgehen von Facebook an.

Anfang August machte Lückerath seinem Ärger über einen Artikel Luft. «Schockierenderweise entspricht fast alles, was man meldet, diesen Standards, was die Frage aufwirft, wie gründlich Facebook das überprüft und wie verantwortungsvoll es mit seiner Community umgeht», sagt Lückerath.

«Inhaltliche Richtlinien aufzustellen, die es mehr als einer Milliarde Menschen erlauben, sich Ausdruck zu verschaffen und gleichzeitig die Rechte und Gefühle anderer Menschen zu respektieren, ist eine permanente Herausforderung», sagt dazu die Sprecherin von Facebook. Zu konkreten Fällen äußert sich das Online-Netzwerk mit rund 1,5 Milliarden Mitgliedern weltweit nicht. Facebook selbst ist als Plattform-Betreiber geschützt und kann nicht für jede Äußerung eines Nutzers verantwortlich gemacht werden.

«Was wir tun können, ist, dagegenzuhalten - mit den vielen einzelnen Menschen, Gruppen oder Initiativen, die sich für die Integration, gegen Nazis und in ihrer Community für Flüchtlinge engagieren - auch auf Facebook», sagt die Sprecherin des sozialen Netzwerks. Dafür arbeite man auch mit verschiedenen Initiativen zusammen.

Julia Schramm, Mitarbeiterin der gegen Rassismus agierenden Amadeu-Antonio-Stiftung, sieht im Umgang von Facebook mit Hassbotschaften noch einen Lernprozess. Facebook habe jeden Tag ein massives Aufkommen an Meldungen. «Die haben selber noch keinen Weg gefunden, damit konstruktiv umzugehen», sagt Schramm. Dabei hätten Neo-Nazis das Netz von Anfang an genutzt, um Propaganda zu betreiben.

Flüchtlinge / Internet / Extremismus / Deutschland
27.08.2015 · 09:41 Uhr
[24 Kommentare]
Donald Trump (Archiv)
Washington - US-Präsident Donald Trump hat sein Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus gegenüber dem Iran offenbar um einen Tag verlängert. In einem Beitrag auf seinem Onlinedienst Truth Social schrieb Trump am Sonntag schlicht die Zeitangabe "Dienstag, 20 Uhr Eastern Time" ohne weiteren Kommentar. Gegenüber US-Medien bestätigte er, dass er sich […] (02)
vor 2 Stunden
Patrice Aminati
(BANG) - Patrice Aminati gibt ein trauriges Gesundheits-Update. Die Influencerin erhielt vor über drei Jahren eine schlimme Diagnose: Sie leidet an schwarzem Hautkrebs. Seit einiger Zeit wird sie palliativ behandelt – die Krankheit gilt nicht mehr als heilbar. Nun macht die 30-Jährige beunruhigende Neuigkeiten öffentlich: Sie befindet sich […] (02)
vor 11 Stunden
Review: Ecovacs Deebot T90 Pro Omni Saugwischer im Test
Hallo zusammen! Nach intensiver Recherche und dem Vergleich zahlreicher Roboter-Staubsauger-Modelle habe ich mich für den Ecovacs Deebot T90 Pro Omni entschieden – und diese Entscheidung hat sich in den letzten Wochen mehr als bezahlt gemacht. Für rund 799 Euro (aktuell oft schon ab ca. 760 Euro erhältlich) erhält man ein echtes Premium-Gerät, das mit […] (00)
vor 3 Stunden
Starfield DLC verrät neue Stadt – Fans hoffen auf echten Neustart
Es fühlt sich fast wie ein versteckter Blick hinter die Kulissen an: Neue Achievements zum kommenden DLC von Starfield sorgen gerade für Diskussionen in der Community. Denn was dort entdeckt wurde, klingt nach genau den Änderungen, die sich viele Spieler seit Release wünschen. Und plötzlich steht eine Frage im Raum: Bekommt Starfield endlich das […] (00)
vor 3 Stunden
«plan b»: Neue Ideen gegen die Wohnungsnot
Die ZDF-Doku zeigt, wie kreative Konzepte den angespannten Wohnungsmarkt entlasten sollen. Am Sonntag, 3. Mai 2026, um 15.30 Uhr widmet sich die ZDF-Reihe plan B einem der drängendsten Probleme in Deutschland: der Wohnungsnot. Die Ausgabe „Gesucht? Gefunden! Schluss mit der Wohnungsnot“ ist bereits seit dem 29. April im Streaming verfügbar. Die Dokumentation von Brianna Lache macht deutlich, […] (00)
vor 9 Stunden
Eintracht Frankfurt - 1. FC Köln
Frankfurt/Main (dpa) - Der 1. FC Köln hat beim Bundesliga-Debüt seines neuen Cheftrainers René Wagner den ganz großen Befreiungsschlag bei Eintracht Frankfurt verpasst, aber immerhin einen Punkt im Kampf gegen den Abstieg gerettet. Die Rheinländer erkämpften sich im ersten Spiel nach der Trennung von Ex-Coach Lukas Kwasniok ein 2: 2 (0: 0), blieben […] (02)
vor 4 Stunden
kostenloses stock foto zu aktienmarkt, bargeldlos, berlin
Die Aktivität an Kryptowährungsbörsen ist weiterhin stark konzentriert und wird größtenteils durch den Handel mit Derivaten bestimmt, wie der neueste Bericht von CoinMarketCap zeigt. Daten belegen, dass eine kleine Gruppe großer Plattformen das gesamte Marktvolumen dominiert. Allein Binance macht 29,42% des gesamten monatlichen Volumens aus und […] (00)
vor 42 Minuten
Die rasante Entwicklung des Cloud-Computings hat die Arbeitsweise von Unternehmen grundlegend verändert und Cloud-Expertise zu einer der gefragtesten Kompetenzen auf dem heutigen Arbeitsmarkt gemacht. Microsoft Azure als eine der führenden Cloud-Plattformen bietet eine Vielzahl von Zertifizierungen, die die Fähigkeit einer Person nachweisen, Cloud- […] (00)
vor 4 Stunden
 
Ostersonntag - Windsor
London (dpa) - Der König in Blau, die Königin in Rot und die Prinzessin in Cremeweiß: […] (00)
Jakub Kaminski (Archiv)
Frankfurt am Main - Zum Abschluss des 28. Spieltags der Fußball-Bundesliga hat der 1. […] (04)
Frau mit Smartphone (Archiv)
Berlin - Seit der Verordnungsfähigkeit von Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) im […] (00)
Dönerbude (Archiv)
Berlin - Obwohl Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sich selbst nur von […] (03)
Herzogin Meghan
(BANG) - Herzogin Meghan hat sich bei ihrem 'Suits'-Kollegen gemeldet, nachdem sie […] (00)
1. FC Union Berlin - FC St. Pauli
Berlin (dpa) - Der 1. FC Union Berlin hat den FC St. Pauli im Abstiegskampf der […] (01)
Bauarbeiten und Sperrung Die Deutsche Bahn hat angekündigt, dass ein Abschnitt der […] (00)
Künstliche Intelligenzen verweigern Befehle, um andere KIs vor Abschaltung zu schützen
Solidarität unter Algorithmen? Vielleicht sogar so etwas wie gegenseitiges Mitgefühl? […] (03)
 
 
Suchbegriff