Zwischen Fossilen und Zukunft: Ein Balanceakt in der Energiepolitik
Inmitten der aktuellen Energiestrategien positioniert sich Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt klar gegen neue Öl- und Gasförderungen in Nord- und Ostsee. Er hebt die dringende Notwendigkeit hervor, auf erneuerbare Energien wie die Windkraft zu setzen, anstatt auf neue Bohrplattformen in den ohnehin klimatisch stark belasteten Meeren. Diesem Ansatz steht jedoch ein gestiegener Import von Flüssigerdgas (LNG) gegenüber, der aus der Sicht Goldschmidts nur eine kurzlebige Brücke darstellen sollte.
Die umfangreiche Nutzung von LNG, das überwiegend mit umweltschädlichen Praktiken wie Fracking verbunden ist, verschärft laut Goldschmidt die Klimakrise und sollte nicht zu neuen Abhängigkeiten führen, insbesondere im Rahmen von Handelsabkommen mit den USA. Dabei verweist die Bundesnetzagentur darauf, dass die Einspeisung durch LNG-Terminals im ersten Halbjahr 39,3 Terawattstunden und somit 8 Prozent der Gesamtgasimporte betrug. Ein großer Anteil dieser Einspeisung erfolgte über das Terminal in Brunsbüttel.
Die infrastrukturellen Entscheidungen zur Errichtung von LNG-Terminals nach den Nord-Stream-Anschlägen werden von Goldschmidt trotz ihrer Krisenreaktionsfunktion kritisch betrachtet – insbesondere unter dem Aspekt, dass sie die Energiewende nicht behindern dürfen. Hierbei beunruhigt ihn das Aufleben fossiler Energien. Den Vorstoß der Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche, in belastete Technologien wie CCS (Carbon Capture and Storage) zu investieren und Erdgas über Klimaschutz-Mittel zu subventionieren, lehnt Goldschmidt ab. Für ihn gehört jeder investierte Euro in rückwärtsgewandte Energietechnologien in die Zukunft und den Ausbau der Erneuerbaren.

