Jahreswechsel

Fröhliche Partys zum Jahresstart - aber wieder Böllertote

01. Januar 2026, 13:57 Uhr · Quelle: dpa
Zwei Tote durch Pyrotechnik in Bielefeld
Foto: -/tv7news/dpa
In Bielefeld starben zwei 18-Jährige.
Beim Jahreswechsel starben in Deutschland und der Schweiz Menschen durch Pyrotechnik-Unfälle, es gab zahlreiche Verletzte und Brände, während internationale Feiern weitgehend friedlich abliefen.

Berlin (dpa) - Zum Jahreswechsel hat es in Deutschland wieder Tote und Verletzte durch Pyrotechnik, Angriffe auf Einsatzkräfte und zahlreiche Brände gegeben. Mindestens zwei Menschen starben durch selbstgebaute Böller. In der Hauptstadt gab es Hunderte Festnahmen. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst in Berlin waren im Großeinsatz. Die größten öffentlichen Partys unter freiem Himmel in Deutschland stiegen am Brandenburger Tor, in Hamburg am Hafen und in der Münchner Innenstadt, wo Zehntausende friedlich feierten.

In den Schweizer Alpen endete eine Party in einem Feuer-Inferno: Dutzende Menschen kamen in einer Bar im noblen Skiort Crans-Montana ums Leben, viele weitere wurden verletzt. Die Tragödie ereignete sich gegen 01.30 Uhr in einer Bar, in der Hunderte Menschen ins neue Jahr feierten. Ein Rettungsarzt sagte dem Westschweizer Sender RTS, Menschen seien mit schweren Verbrennungen in umliegende Krankenhäuser gebracht worden.

Tote durch Pyrotechnik in Bielefeld

In Bielefeld kamen zwei 18-Jährige bei Unfällen mit selbstgebauter Pyrotechnik ums Leben. In der Nähe von Rostock verlor ein 23-Jähriger durch einen explodierten Böller seine linke Hand. In Leipzig wurde ein 16 Jahre altes Mädchen beim Versuch, einen nicht zugelassenen Silvesterböller zu zünden, schwer an der Hand verletzt. Ein 14-Jähriger in Starnberg erlitt mittelschwere Handverletzungen, als er versuchte, eine Rakete aus der Hand zu starten.

Ein Mann in Merseburg in Sachsen-Anhalt versuchte laut einer Polizeisprecherin, einen von zwei Profi-Sprengkörpern in seiner Hand anzuzünden, wodurch auch der zweite explodierte. Der 28-Jährige erlitt eine schwere Handverletzung. In der niederländischen Großstadt Nijmegen an der deutschen Grenze kam ein 16-Jähriger bei einem Unfall mit einem Böller ums Leben.

Bereits am Silvestertag kam es in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses in Bochum zu einer Explosion. In einer angrenzenden Wohnung musste eine 70-jährige Frau reanimiert werden - sie starb später im Krankenhaus. Eine Bewohnerin und ein 46 Jahre alter Besucher wurden vorläufig festgenommen. «Bild.de» berichtete, es sei mit unerlaubten Böllern hantiert worden.

Allein das Unfallkrankenhaus Berlin im Ortsteil Marzahn meldete in der Nacht 30 Patienten «mit zum Teil schweren Handverletzungen», nötig gewesen seien «Amputationen von Fingern oder Teilen der Hand». Und: «Besonders schlimm ist aber, dass wieder acht Kinder dabei sind, deren Leben sich durch diese schweren Verletzungen für immer verändert hat.»

In den Niederlanden eskalierte die Lage zu Silvester. Hier waren Böller und Raketen zu diesem Jahreswechsel zum letzten Mal erlaubt. Es gab etliche Schwerverletzte und zwei Tote. Die Bereitschaftspolizei war landesweit im Dauereinsatz und es gab 250 Festnahmen. In einigen Städten wurden Wasserwerfer eingesetzt. «Letzte Nacht ist es zu vielen Bränden, Zerstörungen und Gewalttaten gekommen», sagte Vize-Polizeichef Wilbert Paulissen. Zahlreiche Autos gingen in Flammen auf. In Amsterdam brannte die monumentale Vondelkirche bis auf die Grundmauern nieder.

An vielen Orten habe sich die Gewalt gegen die Polizei und Rettungskräfte gerichtet: «Wieder wurden Polizisten und andere Rettungskräfte verletzt und Polizeifahrzeuge brutal zerstört.» Die Notrufnummer in den Niederlanden war in der Silvesternacht landesweit überlastet, weshalb die Behörden die Bevölkerung aufriefen, nur bei lebensbedrohlichen Situationen den Notruf zu wählen.

Die Lage in großen Städten

In Deutschland war die Polizei nach Angriffen auf Einsatzkräfte in den vergangenen Silvesternächten verstärkt vor allem in Städten unterwegs. Allein in Berlin waren 4.300 Polizisten im Einsatz. Es gab Dutzende Böller-Verletzte, und Hunderte vorläufige Festnahmen - und doch verlief die Berliner Neujahrsnacht nach Einschätzung der Polizei ruhiger als in den vergangenen Jahren.

In Hamburg wurden nach bisherigen Erkenntnissen zehn Polizisten verletzt. Sie konnten ihren Dienst nicht fortsetzen, wie die Polizei mitteilte. Bremens Innensenatorin Eva Högl kritisierte die Angriffe auf Polizisten und Feuerwehrleute in der Silvesternacht als «erschreckend». In Leipzig wurde die Polizei ebenfalls mit Pyrotechnik angegriffen. Auf die Einsatzkräfte wurden diverse Böller geworfen, wie ein Sprecher mitteilte. Die Polizisten errichteten unter anderem in dem für Ausschreitungen bekannten Stadtteil Connewitz Absperrungen.

Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Hermann Gröhe, verurteilte die Angriffe gegen Rettungskräfte in der Silvesternacht scharf: «Die zunehmende Gewalt gegen Rettungskräfte – leider gerade auch in der Silvesternacht – ist ein erschreckendes Zeichen für die wachsende Verrohung in Teilen unserer Gesellschaft», sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Feuerwehr musste in zahlreichen Städten wegen Bränden ausrücken. Gleich mehrere Dachstühle gerieten in der Silvesternacht in Hagen in Nordrhein-Westfalen in Brand. Das Feuer habe von einem brennenden Baum zunächst auf ein Haus übergriffen, sagte ein Polizeisprecher. Von dort hätten die Flammen die Dächer zweier weiterer Objekte eines Gebäudekomplexes entzündet, die Gebäude brannten vollständig aus. Nun wird ermittelt, ob der Brand durch einen Feuerwerkskörper hervorgerufen wurde.

Ein Brand im Dachstuhl eines historischen Gebäudes am Domplatz in Erfurt griff auf zwei angrenzende Häuser über. Laut der Feuerwehr löste vermutlich eine Silvesterrakete den Brand aus.

Happy New Year und Feliz Ano Novo

Mit dem traditionellen Ball Drop am Times Square begrüßte New York City das neue Jahr. Punkt Mitternacht senkte sich die leuchtende Kugel am weltberühmten Times Square und markierte den Beginn des neuen Jahres. Hunderttausende Menschen feierten mit in den Himmel gerichteten Blicken den Jahreswechsel in Midtown Manhattan.

Hunderttausende Menschen begrüßten in der brasilianischen Küstenmetropole Rio de Janeiro mit Feuerwerk und Musik das neue Jahr. Um Mitternacht begann ein zwölfminütiges Feuerwerk, das von 19 Flößen vor dem Strand des Stadtteils Copacabana abgefeuert wurde. 1.200 Drohnen schwebten über den Feiernden und malten Bilder in den Nachthimmel. Die Stadtverwaltung rechnete mit fünf Millionen Besuchern bei den Feierlichkeiten in der ganzen Stadt. Erst am Dienstag war Rio de Janeiro vom Guinness-Buch der Rekorde für das Vorjahr als Metropole mit der größten Silvester-Party der Welt ausgezeichnet worden.

Datumsgrenze wanderte 26 Stunden über den Globus 

Insgesamt 26 Stunden dauerte es, bis der ganze Globus in das neue Jahr gerutscht war. Amerikanisch-Samoa, das nur 220 Kilometer östlich von Samoa im Pazifik auf der anderen Seite der internationalen Datumsgrenze liegt, war der letzte bewohnte Ort der Erde, der das neue Jahr begrüßte - zwölf Stunden nach Deutschland.

Silvester / Kriminalität / Notfall / Feuer / Deutschland / Schweiz / Niederlande
01.01.2026 · 13:57 Uhr
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