ZOPI Q1/2023: Die Preise im Onlineprint pendeln sich auf hohem Niveau ein

27. April 2023, 16:47 Uhr · Quelle: Pressebox

Essen, 27.04.2023 (PresseBox) - Die Entwicklung der letzten Monate setzt sich fort: Auch im ersten Quartal 2023 sind die durchschnittlichen Onlineprint-Preise für Flyer gestiegen und erreichen bei einigen Anbietern erneut Höchstwerte. Damit scheinen sich Onlineprint-Preise erstmals wieder von den Preisen für grafische Papiere zu entkoppeln – schließlich sind die zuletzt leicht gesunken. Etwas anders stellt sich der ZOPI-Warenkorb dar: Hier liegen die Preise leicht unter denen vom 4. Quartal 2022. Alle Entwicklungen gibt es im aktuellen Zipcon Onlineprint Preis Index.

Mit dem Start des neuen Jahres wurden außerdem drei neue Anbieter in den ZOPI aufgenommen: druckdiscount24, Primus-Print und Printkit. Damit stellen wir den Zipcon Onlineprint Preis Index auf eine noch breitere Datenbasis und können einzelne Entwicklungen noch besser beurteilen.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Grundlegend verändert hat sich die gesamtwirtschaftliche Situation in Deutschland im Vergleich zum letzten Quartal 2022 nicht: Unternehmen wie auch Privatleute kämpfen noch immer mit den Folgen des Ukrainekriegs, sprich den gestiegenen Preisen in fast allen Bereichen. Dennoch sind erste vorsichtige Anzeichen für ein allmähliches Abfedern erkennbar.

Nachdem die Gesamt-Inflationsrate im Januar und Februar des Jahres mit +8,7% noch fast auf dem Rekordniveau vom November 2022 lag, sank sie im März 2023 leicht und belief sich auf +7,4% gegenüber dem Vorjahresmonat. Das ist zwar noch immer ein überdurchschnittlich hoher Wert, aber der Höhepunkt scheint vorerst überschritten.

Abgeschwächt haben sich nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes auch die Preise für Energieprodukte. Diese lagen im März 3,5% über dem Niveau des Vorjahresmonats – im Januar betrug dieser Wert noch -19,1% und im Februar -23,1%. Im März hat jedoch ein Basiseffekt aufgrund des starken Anstiegs der Energiepreise im Vorjahr gewirkt, zudem greift inzwischen auch die Preisbremse für Strom, Erdgas und Fernwärme, die rückwirkend seit Januar 2023 gilt. So positiv der leichte Rückgang auch sein mag – er darf höchstens als „kurze Verschnaufpause“ verstanden werden, denn sowohl Inflationsrate wie auch Energiepreise liegen weiterhin deutlich oberhalb der Werte von vor einem Jahr.

Geschäftsklima in der Druckindustrie

Auch bei den Unternehmen der deutschen Druck- und Medienindustrie scheint die Talsohle vorerst durchschritten: Wie das Konjunkturtelegramm des Bundesverbands Druck und Medien (BVDM) für März zeigte, wurden in den ersten drei Monaten des Jahres Geschäftsklima, Geschäftslage sowie die Geschäftserwartungen wieder insgesamt positiver beurteilt als in den beiden letzten Quartalen im Jahr 2022. Auch, wenn die jeweiligen Werte im Januar, Februar und März variierten und weiterhin unterhalb des Niveaus vom ersten Quartal 2022 lagen, so blicken die Druckunternehmen insgesamt wieder etwas positiver in die Zukunft.

Papierpreise sinken wieder leicht

Dazu könnte auch beigetragen haben, dass die Preise für grafische Papiere seit einiger Zeit leicht sinken, wie der Verband der Papierindustrie „Die Papierindustrie“ sowie das Statistische Bundesamt angeben. Allerdings, und das gehört eben auch zur Wahrheit dazu, ist auch die Produktion sowie der Absatz der grafischen Papiere im Jahresvergleich um gute 30% gesunken. Vielleicht auch, weil es weniger Druckereien gibt? Denn ins neue Jahr war die Druckindustrie laut BVDM mit knapp 6.900 Betrieben gestartet – einem Rückgang von insgesamt 3,1%, vor allem getrieben durch weniger Produktionsbetriebe im Zeitungsmarkt, aber auch bei klassischen Druckereien.

Der Onlineprint-Markt

Onlineprint-Unternehmen haben die Herausforderungen der letzten drei Jahre im Vergleich zu vielen klassischen Druckdienstleistern besser gemeistert und haben sich schneller erholt. Insbesondere die Top 5 – Cewe, Flyeralarm, Cimpress, Onlineprinters und Celebrate – konnten im letzten Jahr ihre Umsätze deutlich steigern und liegen zusammengerechnet und nach Einschätzungen von zipcon consulting nur ganz knapp unter der Zwei-Milliarden-Euro-Marke. Auf dem Online Print Symposium Ende März in München wagte ich zudem eine Prognose zur Entwicklung der Online generierten Druckvolumen, die bis 2025 in allen Regionen der Welt – darunter mit über 40% am stärksten in Westeuropa – steigen werden.

Wie entwickeln sich die Preise im Onlineprint?

Doch zurück zum ersten Quartal 2023: Der Zipcon Onlineprint Preis Index, kurz ZOPI, ist ein Trendbarometer, das die Preisentwicklung im Onlineprint-Markt unter die Lupe nimmt und so einen detaillierteren Überblick über den Markt ermöglicht. Wichtig: Dabei geht es nicht um die Umsatzzahlen der Konzerne, sondern um die Preise, die für verschiedene Produktcluster von den wichtigsten Onlineprint-Anbietern aufgerufen werden.

Neue Anbieter im ZOPI

Die neu betrachteten Unternehmen (druckdiscount24, Primus-Print und Printkit) haben Auswirkungen auf die Durchschnittswerte, die ohne die neuen Anbieter vor allem im Produktcluster Flyer mit +33,22% im März 2023 einen neuen Höchstwert erreicht hätten, aber auch unter Einbezug der zusätzlichen Daten mit 25,43% nur um wenige Prozentpunkte darunter liegen. Hier scheinen sich die leicht gesunkenen Papier- und Energiepreise noch nicht direkt auf den Onlineprintpreis durchzuschlagen. Anders beim Warenkorb: Hier liegt der durchschnittliche Preis in beiden Fällen – ohne die neuen Anbieter (+25,98%) sowie mit den neuen Anbietern (+23,46%) – unterhalb des Höchstwertes aus dem November 2022 (+34,97%). Spannender jedoch ist der Blick auf die einzelnen Onlineprinter.

Detailbetrachtung Flyer

Im Zipcon Onlineprint Preis Index wurden für das erste Quartal 2023 damit erstmals zwölf Anbieter betrachtet: Neben den drei bereits genannten sind dies: Vistaprint, Wir-machen-Druck, Unitedprint/print24, Onlineprinters, Flyeralarm, Saxoprint, Onlinedrucken, Redprintgroup sowie sourc-e. Angefragt wird bei allen ein Auftrag mit 10.000 Flyern im Format DIN A5, beidseitig vierfarbig bedruckt und auf 135-g-Papier glänzend. Die durchschnittliche Preissteigerung für diesen Auftrag hatte im November 2022 einen vorläufigen Höchstwert von 28,77% erreicht – der im März sogar noch weiter hoch geklettert wäre, nämlich auf +33,22% auf Basis der bisherigen neun Anbieter. Durch das Hinzufügen der drei neuen Unternehmen wird der Durchschnittswert wie bereits beschrieben jedoch etwas nach unten gedrückt und liegt bei +25,43%.

In der Detailbetrachtung fällt das Bild durchwachsener aus: Während Unitedprint/print24 mit +65,50% im März die bisher größte erfasste Preissteigerung für die 10.000 Flyer im Vergleich zum Indexwert vom Sommer 2020 aufgerufen hat (Dezember 2022: +58,12%), markierte erneut Vistaprint mit -5,43% die größte Abweichung vom Indexwert nach unten (Dezember 2022: -12,43%). Zwischen diesen beiden Extremen sortieren sich im März 2023 die anderen Anbieter in absteigender Reihenfolge so ein: sourc-e mit +50,59% (Dezember 2022: +29,20%), Onlineprinters mit +36,99% (Dezember 2022: +31,70%), Saxoprint mit +35,33% (Dezember 2022: +34,00%), die Redprintgroup mit +34,70% (Dezember 2022: +21,13%), Wir-machen-Druck mit +34,28% (Dezember 2022: +39,10%) sowie Onlinedrucken mit +27,84% (Dezember 2022: + 28,41%). Die beiden letztgenannten haben ihre Preise im Vergleich zum Ende des letzten Jahres also sogar leicht gesenkt.

Unter dem neuen Durchschnittspreis in diesem Produktcluster lagen Flyeralarm mit +19,20% (Dezember 2022: +18,43%) sowie Vistaprint mit -5,43% (Dezember 2022: -12,43%). Die drei neuen Anbieter lagen im einstelligen Bereich – diese Werte beziehen sich jedoch auf einen Startwert vom Sommer 2022. Demnach lagen die Veränderungen in den Preisen für die 10.000 Flyer bei +5% bei Primus-Print, +1,97% bei druckdiscount24 sowie bei -0,79% bei Printkit.

Die größten Preissprünge im Vergleich zum Dezember 2022 hat es bei sourc-e, der Redprintgroup und Unitedprint/print24 gegeben, während im gleichen Zeitraum die Preise bei Wir-machen-Druck, Onlinedrucken und Printkit leicht gesunken sind.

Preisentwicklung im Warenkorb zeigt leicht nach unten

Anders entwickelt als die Preise für den Auftrag über die 10.000 Flyer haben sich die Preise für den Warenkorb. Hier lag die durchschnittliche Veränderung gegenüber der ersten Erhebung dieser Produktkategorie im November 2020 bei +23,46%. Allerdings muss auch hier bedacht werden, dass die Erweiterung um drei neue Anbieter den Wert leicht nach unten gedrückt hat. Doch auch ohne die „Neulinge“ wäre die durchschnittliche Veränderung des Preises im März 2023 bei +25,98% und damit unter dem Wert vom Dezember (+33,46%) gelegen.

Der Warenkorb umfasst zusätzlich zu den 10.000 Flyern im Format DIN A5 auch Broschüren (32 Seiten, DIN A4, geheftet, beidseitig bedruckt) und Visitenkarten (4/4-farbig, ohne Veredelung). Betrachtet werden für dieses Produktcluster seit dem neuen Jahr zehn Anbieter: Neben den drei „Neuen“ sind das: Wir-machen-druck, Unitedprint/print24, Onlineprinters, Flyeralarm, Saxoprint, Onlinedrucken und die Redprintgroup.

In der Detailbetrachtung zeichnet sich das folgende Bild: Die prozentual größte Abweichung nach oben markiert auch beim Warenkorb Unitedprint/print24, und zwar mit +59,92% und damit 3,46 Prozentpunkten mehr als noch im Dezember 2022 (+56,46%). Mit nur +2,27% verlangte im März 2023 Flyeralarm fast wieder dieselben Preise wie zum Start des Warenkorb-ZOPIs im November 2020. Flyeralarm ist in der Betrachtung des Warenkorbs zudem einer von zwei Anbietern, die ihre Preise im Vergleich zum Ende des letzten Jahres gesenkt haben – und das deutlich, nämlich in diesem Falle von +21,37% auf nun +2,27%. Das dürfte zugleich ein Grund dafür sein, dass der Durchschnittswert dieses Mal niedriger ausgefallen war.

Die restlichen Anbieter, die der ZOPI für den Warenkorb regelmäßig beobachtet, haben sich im ersten Quartal 2023 wie folgt entwickelt: Mit +37,11% rief Wir-machen-Druck die zweitgrößte Veränderung gegenüber der ersten Erhebung im Sommer 2020 auf. Dieser Wert hatte im Dezember 2022 noch bei +35,47% gelegen. Es folgen mit +35,70% (Dezember 2022: +33,60%) Onlinedrucken, mit +35,03% (Dezember 2022: +24,50%) Onlineprinters sowie mit +34,87% (Dezember 2022: +34,67%) Saxoprint. Vergleichsweise niedrig lag die Veränderung gegenüber dem Indexwert bei der Redprintgroup: +10,92% (Dezember 2022: +28,17%). Die Onlineprintmarke des Druckhauses Mainfranken hat seine Preise seit Februar deutlich gesenkt. Damit bildet die Redprintgroup zusammen mit Flyeralarm das Duo, das niedrigere Preise als noch im Dezember aufruft.

Ausblick

Nachdem im letzten Jahr die befürchtete Rezession in der deutschen Wirtschaft ausgeblieben ist, wagt der Sachverständigenrat der Wirtschaft in seiner Konjunkturprognose vom März 2023 einen zwar weiterhin verhaltenen, aber ganz vorsichtig positiven Blick auf das aktuelle Jahr: So könnte, heißt es dort, das deutsche BIP im laufenden Jahr um 0,2% steigen, im Jahr 2024 hingegen um 1,3%. Mit einem stärkeren Aufschwung sei unter anderem angesichts der inflationsbedingt niedrigeren Kaufkraft sowie den schlechteren Finanzierungsbedingungen nicht zu rechnen. Jedoch sei der Scheitelpunkt der Inflation überschritten und auch die Energieversorgung habe sich vorerst stabilisiert.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat in seiner gerade veröffentlichten Frühjahrsprojektion die erwartete Wirtschaftsleistung übrigens leicht angehoben und geht nun von einem Wachstum um 0,4 % für das laufende Jahr und 1,6% für 2024 aus.

Dennoch heißt es natürlich, vorbereitet zu sein auf alle Eventualitäten. Dass die Märkte volatil geworden sind, damit müssen wir umgehen lernen, das ist spätestens seit der Pandemie klar. Dass vor allem Onlinedruckereien vor diesem Hintergrund flexibel agieren und schnell auf Entwicklungen im Markt reagieren können, haben wir uns in den letzten Monaten selbst eindrucksvoll bewiesen. Es gibt also keinen Grund zur Panik – gerade Onlinedruckereien können und sollten zuversichtlich in die Zukunft blicken. Denn, wie ich schon auf dem Online Print Symposium 2023 sagte: Onlineprint ist der Evolutions-Reaktor der Druckindustrie. Nur: Wir müssen dranbleiben und uns ständig weiterentwickeln, damit das auch so bleibt! Also, krempeln wir besser unsere Ärmel hoch!

Über den ZOPI – Zipcon Onlineprint Preis Index

Mit dem Zipcon Onlineprint Preis Index, kurz ZOPI, hat das Essener Beratungsunternehmen zipcon consulting ein Trendbarometer entwickelt, das erstmals die Preisentwicklungen im Onlineprint-Markt unter die Lupe nimmt. Dazu wurden zwei Cluster gebildet: Eines betrachtet einen Standardauftrag über 10.000 Flyer im Format DIN A5, beidseitig vierfarbig bedruckt, auf 135-Gramm Papier, glänzend. Angefragt wird der Auftrag bei zwölf Onlinedruckereien: Vistaprint, Wir-machen-Druck, Unitedprint/print24, Onlineprinters, Flyeralarm, Saxoprint, Onlinedrucken, Redprintgroup, Primus-Print, Printkit, druckdiscount24 sowie sourc-e. Das zweite Cluster stellt einen Warenkorb in den Mittelpunkt, der zusätzlich zu den Flyern noch Broschüren und Visitenkarten umfasst. Dieser Auftrag wird bei Wir-machen-druck, Unitedprint/print24, Onlineprinters, Flyeralarm, Saxoprint, Onlinedrucken, Primus-Print, Printkit, druckdiscount24 und der Redprintgroup kalkuliert.

Die Preise werden wöchentlich erfasst. Zipcon bildet auf dieser Basis die Durchschnittswerte für jeden Monat und stellt die prozentuale Veränderung gegenüber dem Indexwert dar. Der Indexwert für das Cluster Flyer stammt vom Juni 2020 (bzw. vom Juli 2022 für Primus-Print, Printkit und druckdiscount24). Der Indexwert für den Warenkorb vom November 2020. Damit spiegelt der ZOPI die Veränderungen der Preise im Onlineprint über den gesamten Zeitraum bis heute wider – und setzt sie in der anschließenden Auswertung in den Kontext der Entwicklungen am Markt und in der Gesamtwirtschaft. Eine ausführliche Betrachtung und Interpretation der Zahlen erfolgt quartalsweise.

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