Zollsorgen belasten Hoffnungsschimmer der deutschen Wirtschaft
Das leichte Wirtschaftswachstum im ersten Quartal hätte für Deutschland ein Silberstreif am Horizont sein können, wäre da nicht die Unsicherheit durch den amerikanischen Zollstreit. Der Blick in Richtung Washington und die unberechenbare Handelspolitik von Präsident Trump sorgt quer durch Europa für Besorgnis. Ein weiteres Jahr der Rezession droht der Bundesrepublik im Jahr 2025 – ein historischer Tiefpunkt.
Trotz dieser düsteren Aussichten konnten die Monate Januar bis März überraschen. Deutschland, die größte Volkswirtschaft Europas, verzeichnete ein leichtes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Auch die Europäische Union (0,3 Prozent Zuwachs) und der Euroraum (0,4 Prozent Zuwachs) entwickelten sich besser als erwartet.
Der verbesserte private Konsum in Deutschland spielt dabei eine Schlüsselrolle. Laut dem Statistischen Bundesamt wurden höhere Konsumausgaben und Investitionen registriert. Rückläufige Inflationsraten, aktuell bei 2,1 Prozent verglichen mit 2,2 Prozent im März, tragen ebenso zu dieser Entwicklung bei. Sinkende Zinsen schaffen günstigere Rahmenbedingungen für Käufe auf Kredit.
Doch der Weg aus der wirtschaftlichen Lethargie bleibt beschwerlich. Der Arbeitsmarkt zeigt ebenfalls noch Schwächen, trotz einer moderaten Erholung im Frühjahr. Die Arbeitslosenquote bleibt mit 6,3 Prozent stabil, allerdings ist die Anzahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer bestätigt, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht unmittelbar auf eine stabile Erholung hindeuten, auch wenn geplante Investitionen im Verteidigungs- und Infrastrukturbereich zukünftige Impulse erwarten lassen. Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung betont die Notwendigkeit zügiger Maßnahmen zur Stabilisierung der Binnenkonjunktur, insbesondere angesichts der drohenden Belastungen durch US-Importzölle.
Der protektionistische Kurs der USA hat bereits Unruhe in die internationalen Märkte gebracht. Laut Michael Herzum von Union Investment stellen die Zölle eine ernste Gefahr für den deutschen Export dar. Doch könnte es kurzfristig zu einem vorsätzlichen Vorziehen von Exporten kommen, was die wirtschaftliche Leistung stabilisieren könnte.
Trotz wackeliger Aussichten stützten sich einige europäische Länder, darunter Italien und Spanien, auf eine stärkere wirtschaftliche Entwicklung im Vergleich zu Deutschland. Dafür sieht man die Hauptursache in dem robusten Tourismussektor, während zugleich die US-Zölle deutliche Schäden bei der deutschen Wirtschaft anrichten könnten, erklärt Thomas Gitzel von der VP Bank.
Auch der Internationale Währungsfonds prognostiziert, dass Deutschland wahrscheinlich das dritte Jahr in Folge in der wirtschaftlichen Stagnation verharren wird. Die Bundesregierung rechnet diesem Jahr mit einer Stagnation im BIP. Union und SPD planen indes eine Reihe von Maßnahmen, um dem Wirtschaftsabschwung entgegenzuwirken. Mit Erwartungen auf positive Effekte ab 2026 hegt der IWF Hoffnung für eine langfristige Erholung.

