Zinsen fallen, Gold explodiert, Yen wankt: Das neue globale Geldregime
Historische Zinssenkungswelle in den Industrieländern
Neun der zehn wichtigsten Zentralbanken weltweit haben 2025 ihre Leitzinsen gesenkt – darunter die Federal Reserve, die Europäische Zentralbank und die Bank of England. In Summe kamen 32 Zinssenkungen zusammen, das größte Lockerungspaket seit 2009.
Auslöser ist die Kehrtwende nach zwei Jahren harter Zinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung infolge des Ukraine-Kriegs. Das geldpolitische Pendel schlägt nun zurück – wenn auch nicht gleichmäßig. Eine Ausnahme bildet Japan: Die Bank of Japan hob die Zinsen zweimal an und vergrößerte damit die geldpolitischen Unterschiede zwischen den großen Währungsräumen.
Auffällig: Zum Jahresende ließ die Dynamik nach. Im Dezember senkten nur noch Fed und Bank of England die Zinsen. Laut JPMorgan-Makrostratege Luis Oganes könnte 2026 wieder ein beidseitiges Risiko entstehen – also auch erneute Zinserhöhungen, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte.
Schwellenländer lockern noch entschlossener
In den Schwellenländern fiel die geldpolitische Wende deutlich drastischer aus. Allein im Dezember senkten acht Notenbanken – von der Türkei über Russland bis Thailand – ihre Zinsen um insgesamt 350 Basispunkte. Auf das Gesamtjahr gerechnet summieren sich die Zinssenkungen auf 3.085 Basispunkte verteilt auf 51 Schritte.
Nach Einschätzung von Allianz Global Investors gelang es vielen Schwellenländern, die Inflation schneller und konsequenter einzudämmen als den Industrienationen. Dennoch blieb das Umfeld nicht einseitig: Parallel gab es auch Zinserhöhungen im Umfang von 625 Basispunkten. Analysten erwarten jedoch, dass Länder wie Brasilien oder Ungarn ihren Lockerungskurs fortsetzen.
Gold auf Rekordkurs: 4.500 Dollar in Sicht
Der große Gewinner der Zinswende ist Gold. Der Preis näherte sich zuletzt der Marke von 4.500 US-Dollar je Feinunze und erreichte neue Allzeithochs. Seit Jahresbeginn legte das Edelmetall um mehr als 70 Prozent zu – der stärkste Jahresanstieg seit 1979.
Die Gründe sind vielfältig: sinkende Zinsen reduzieren die Opportunitätskosten, geopolitische Spannungen erhöhen die Nachfrage nach sicheren Häfen, und Zentralbanken kaufen Gold in großem Stil. Besonders stark ist die Nachfrage über Gold-ETFs: Bis Oktober flossen rund 64 Milliarden Dollar in physisch hinterlegte Fonds. Auch die chinesische Zentralbank stockte ihre Reserven den 13. Monat in Folge auf.
Zusätzlichen Rückenwind liefern Handelskonflikte und De-Dollarisierungstendenzen. Hohe Zölle zwischen den USA und China sowie ein schwächerer Dollar machen Gold für Investoren weltweit attraktiver.
Yen unter Druck trotz Zinserhöhung
Ein Sonderfall bleibt Japan. Trotz der höchsten Leitzinsen seit 30 Jahren verlor der Yen weiter an Wert und testete erneut die Marke von 156 Yen je US-Dollar. Das Kernproblem: Die Zinsdifferenz zu den USA bleibt hoch, wodurch Kapital weiter abfließt.
Finanzministerin Satsuki Katayama drohte zuletzt offen mit Währungsinterventionen. Kurzfristig stabilisierte sich der Yen leicht. Doch Zweifel bleiben. BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda ließ offen, wann die nächste Zinserhöhung folgt. Marktbeobachter rechnen frühestens Mitte 2026 mit dem nächsten Schritt – einige spekulieren auf einen früheren Eingriff, sollte der schwache Yen die Inflation weiter anheizen.


