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Zins-Schock aus Tokio: Warum Japans Notenbank gegen den Trend handelt

17. Dezember 2025, 19:54 Uhr · Quelle: Eulerpool News
Zins-Schock aus Tokio: Warum Japans Notenbank gegen den Trend handelt
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Die japanische Notenbank hebt den Leitzins an, obwohl Indikatoren auf Konjunkturschwäche hindeuten. Inflation und der schwache Yen treiben diese Entscheidung voran.

Zinsschritt trotz schwacher Konjunktur

Die japanische Notenbank erhöht den Leitzins von bislang 0,5 auf 0,75 Prozent. Damit erreicht das Zinsniveau den höchsten Stand seit etwa 30 Jahren. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Die Industrieproduktion schrumpft seit Monaten, und auch andere Konjunkturindikatoren deuten eher auf Abkühlung als auf Dynamik hin.

Notenbankchef Kazuo Ueda verfolgt dennoch konsequent das Ziel, die Phase extrem lockerer Geldpolitik endgültig hinter sich zu lassen. Während viele Zentralbanken – darunter die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank – bereits über Zinssenkungen nachdenken oder diese umgesetzt haben, schlägt Japan einen entgegengesetzten Kurs ein.

Inflation bleibt über Ziel – Yen als Belastungsfaktor

Haupttreiber der Zinserhöhung ist die anhaltend hohe Inflation. Seit fast vier Jahren liegt die Teuerungsrate über dem Zielwert von zwei Prozent. Besonders stark belasten steigende Lebensmittelpreise die privaten Haushalte. Allein im laufenden Jahr verteuerten sich nach Schätzungen mehr als 20.000 Nahrungsmittel – ein Zuwachs von rund 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ein zentraler Faktor ist der schwache Yen. Die Abwertung verteuert Importe und wirkt damit wie ein zusätzlicher Inflationstreiber. Die BoJ steht vor einem Dilemma: Ein zu zögerliches Vorgehen könnte den Yen weiter unter Druck setzen, ein zu schneller Zinsanstieg jedoch die Konjunktur belasten.

Rückendeckung erhält die Notenbank von der Politik. Finanzministerin Satsuki Katayama betonte, Regierung und Notenbank seien sich in der Einschätzung der Lage einig. Tokio signalisiert damit, dass höhere Zinsen zur Stabilisierung der Währung politisch akzeptiert sind. Gleichzeitig bleibt die Möglichkeit von Devisenmarktinterventionen im Raum.

Robuster Arbeitsmarkt, schwache Industrie

Die wirtschaftlichen Signale fallen widersprüchlich aus. Positiv entwickelt sich weiterhin der Arbeitsmarkt. Unternehmen planen laut einer aktuellen Umfrage für 2026 deutliche Lohnerhöhungen, vor allem wegen des anhaltenden Arbeitskräftemangels. Diese Entwicklung stützt die Argumentation der BoJ, dass sich eine Lohn-Preis-Dynamik etabliert.

Auf der anderen Seite schwächelt die Industrie. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe liegt trotz leichter Erholung weiterhin unter der Wachstumsschwelle. Die Produktion schrumpft bereits seit sechs Monaten. Auch der Dienstleistungssektor verliert an Schwung, während Unternehmen steigende Kosten zunehmend an Kunden weitergeben.

Diese Kombination aus schwacher Produktion und steigenden Preisen erhöht das Risiko, dass die Reallöhne unter Druck geraten und die Konsumlaune leidet.

Globale Unsicherheit belastet den Ausblick

Zusätzliche Unsicherheit kommt aus dem internationalen Umfeld. Die Handelspolitik der USA, insbesondere mögliche neue Zölle unter Präsident Donald Trump, bereitet japanischen Unternehmen Sorgen. Zwar zeigen Umfragen noch robuste Geschäftserwartungen, doch die Perspektiven für die kommenden Quartale haben sich zuletzt eingetrübt.

Gleichzeitig verschärft die globale Zinsdivergenz den Druck auf den Yen. Während Japan die Zinsen anhebt, lockern andere Notenbanken ihre Geldpolitik. Das macht den US-Dollar attraktiver und erschwert es der BoJ, über Zinsschritte allein eine nachhaltige Yen-Stabilisierung zu erreichen.

Vorsichtiger Pfad weiterer Zinserhöhungen

Mit der aktuellen Entscheidung ist der Zinserhöhungszyklus vermutlich nicht abgeschlossen. Die BoJ schätzt den neutralen Zinssatz langfristig auf ein Niveau zwischen einem und 2,5 Prozent. Dennoch gilt ein vorsichtiges Vorgehen als wahrscheinlich.

Ökonomen warnen vor Nebenwirkungen: Höhere Kreditkosten könnten Unternehmen und Verbraucher belasten, steigende Zinsausgaben den ohnehin stark verschuldeten Staat zusätzlich unter Druck setzen. Eine schnelle Aufwertung des Yen erwarten viele Beobachter selbst nach der Zinserhöhung nicht.

Blick nach vorn: Notenbanken und Konjunkturdaten

Die kommenden Tage dürften für die Finanzmärkte turbulent bleiben. Neben der Entscheidung der Bank of Japan stehen auch Zinsentscheide der Bank of England und weitere Signale der Europäischen Zentralbank an. Hinzu kommt eine Reihe wichtiger US-Konjunkturdaten, die Hinweise auf den weiteren Kurs der Federal Reserve liefern könnten.

Für die Bank of Japan bleibt die Lage anspruchsvoll. Sie muss zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsrisiken navigieren – in einem globalen Umfeld, das von geopolitischen Spannungen, protektionistischen Tendenzen und divergierender Geldpolitik geprägt ist. Der aktuelle Zinsschritt ist damit weniger ein Endpunkt als ein weiterer vorsichtiger Schritt auf dem Weg zurück zur geldpolitischen Normalität.

Finanzen / Zinsschritt trotz schwacher Konjunktur / Japan / Inflation / Yen
[Eulerpool News] · 17.12.2025 · 19:54 Uhr
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