ZF Friedrichshafen: Neuausrichtung durch Verkauf an Harman
Der traditionsreiche Autozulieferer ZF Friedrichshafen macht einen weiteren Schritt in Richtung strategische Neuausrichtung, indem er sein Geschäft mit Fahrerassistenzsystemen an die Samsung-Tochter Harman verkauft. Dieser Verkauf stellt für das finanziell belastete Stiftungsunternehmen einen bedeutenden Fortschritt dar, erklärte Vorstandschef Mathias Miedreich. Der Wert des verkauften Unternehmensbereichs wurde mit 1,5 Milliarden Euro beziffert, während der Kaufpreis ungenannt bleibt. Mit der Übernahme sollen etwa 3.750 ZF-Mitarbeiter zu Harman wechseln, wobei es um Technologien wie smarte Kameras, Radartechnik und Fahrerassistenz-Software geht. Andere Geschäftsbereiche, wie Elektronik für Fahrwerktechnik und passive Sicherheitstechnologien, verbleiben hingegen bei ZF.
Die Veräußerung dieser Geschäftssparte ermöglicht es ZF, seine Kräfte auf Schlüsseltechnologien zu bündeln, in denen das Unternehmen global führend ist – darunter unter anderem Fahrwerk und Antrieb sowie Nutzfahrzeug- und industrielle Anwendungen. Dies könnte ZF helfen, seine erdrückende Schuldenlast von zuletzt 10,6 Milliarden Euro abzubauen, wie Finanzvorstand Michael Frick betonte. Die Übernahmen des Bremsenspezialisten Wabco und des Zulieferers TRW haben ZF in den vergangenen Jahren stark belastet. Zwar war die Finanzierung in Zeiten niedriger Zinsen günstiger, doch inzwischen summieren sich die Zinszahlungen auf jährlich mehrere hundert Millionen Euro.
Unter der schleppenden Fahrzeugproduktion leidet der Konzern durch rückläufige Aufträge der Automobilhersteller, während der Übergang zur Elektromobilität ebenfalls nur schleppend voranschreitet. Die Folge: ZF musste zuletzt Millionenverluste verbuchen und plant bis Ende 2028 deutschlandweit bis zu 14.000 Stellen abzubauen. Bereits jetzt hat das Unternehmen tausende Arbeitsplätze gestrichen und Arbeitszeiten reduziert, während es den Kurswandel aktiv vorantreibt.

