Zahl der Geflüchteten in Deutschland steigt nur noch langsam

23. Juli 2020, 18:17 Uhr · Quelle: dpa

Wiesbaden/Wien (dpa) - Die Zahl der geflüchteten Menschen in Deutschland ist im 2019 um drei Prozent gestiegen - der niedrigste Zuwachs seit 2012. Ende Dezember 2019 waren nach Angaben des Statistischen Bundesamts 1,839 Millionen Menschen als Schutzsuchende im Ausländerzentralregister vermerkt.

Es handelt sich demnach um Ausländer, die sich unter Berufung auf völkerrechtliche, humanitäre oder politische Gründe in Deutschland aufhalten. Die Zahl umfasst sowohl Asylbewerber, über deren Antrag noch nicht entschieden wurde, als auch anerkannte Flüchtlinge und abgelehnte Bewerber.

«Heute kommen deutlich weniger Schutzsuchende nach Deutschland als noch 2015/2016 - und die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts bilden den Knick noch gar nicht ab, der im laufenden Jahr durch die wegen der Coronakrise faktischen Einreiseschwierigkeiten entstanden ist», sagte die Vorsitzende des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration, die Politikwissenschaftlerin Petra Bendel, der Deutschen Presse-Agentur. «Derzeit ist nicht absehbar, dass die Zahlen wieder ein Niveau wie vor fünf Jahren erreichen.»

Das für die Bearbeitung von Asylanträgen zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) kommt mit der Bearbeitung von Gesuchen voran: Die Zahl von Asylbewerbern, über deren Antrag noch nicht rechtskräftig entschieden wurde, sank zum Jahreswechsel den Angaben zufolge um 13 Prozent auf rund 266.000 Menschen - was auch an sinkenden Antragszahlen liege. Die Bamf-Statistiken zeigen ähnliche Trends, bilden im Gegensatz zum Bundesamt aber eher Veränderungen in der Zahl der Asylanträge ab als innerhalb der Gruppe der Geflüchteten.

Über einen anerkannten Status verfügten 1,36 Millionen Schutzsuchende, sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Syrien war dabei das Haupt-Herkunftsland (41 Prozent), es folgten Afghanistan (11 Prozent) und der Irak (10 Prozent). In 80 Prozent der Fälle wurde der Status indes zeitlich befristetet. «Bei syrischen Geflüchteten, bei denen es kaum Aussicht auf eine Rückkehr gibt, stellt sich die Frage, ob das noch zeitgemäß ist», merkte Bendel an. «Ordnungspolitisch gibt es gute Gründe - der Integration ist damit aber nicht gedient.» Die Bundesregierung habe den befristeten Schutzstatus vor einigen Jahren eingeführt, um im Vergleich zu anderen EU-Staaten keinen Anreiz zu schaffen, hierher zu kommen.

Zudem lebten laut Bundesamt 213.000 Schutzsuchende in Deutschland, deren Asylgesuch abgelehnt wurde oder die ihren Schutzstatus verloren haben. 84 Prozent der Betroffenen wurden als geduldet eingestuft, ihre Abschiebung wurde also vorübergehend ausgesetzt. Das betrifft vor allem Menschen aus Afghanistan (12 Prozent), dem Irak (10 Prozent) und aus Russland (5 Prozent).

Das Bundesamt zog auch eine Bilanz der Jahre, in denen die Zahl der Flüchtlinge stark angestiegen war. Rund 80 Prozent der rund eine Million Schutzsuchenden, die 2014, 2015 und 2016 erstmals nach Deutschland kamen, seien Ende 2019 weiter als solche registriert gewesen: 61 Prozent mit einem anerkannten, 10 Prozent mit abgelehnten und 9 Prozent mit offenem Status. Rund 20 Prozent hätten sich nicht mehr als Schutzsuchende in dem Register befunden, etwa weil sie Deutschland verließen oder wegen nachträglicher Korrekturen gelöscht wurden.

Nach Einschätzung Bendels wäre das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge heute besser vorbereitet auf einen erneuten starken Anstieg der Zahl der Schutzsuchenden. «Es gibt dort heute zum Beispiel viele Mitarbeiter, die schon einmal über Asylanträge entschieden haben, und erneut in diesem Bereich einspringen könnten.»

Nachdem das Bamf in der Corona-Krise seit Jahresanfang sinkende Zahlen an Asylanträgen registriert hatte, gab es im Juni wieder einen leichten Anstieg. Auch im östlichen Mittelmeer - also über die Türkei und Griechenland - nahm die Migration zuletzt wieder zu: Die EU-Grenzschutzagentur Frontex registrierte hier im Mai 1250 irreguläre Grenzübertritte, acht Mal so viele wie im April. In Deutschland hat die Zahl der täglichen Asylgesuche zuletzt laut Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sogar wieder den Stand vor der Corona-Krise erreicht: Der Minister sprach von 300 bis 400 Migranten pro Tag in den vergangenen beiden Wochen.

Vertreter von 18 Staaten entlang der östlichen Mittelmeerroute und des Balkans wollen ihre Zusammenarbeit zur Bekämpfung unerlaubter Einwanderung verstärken. Darauf verständigten sie sich bei einer Konferenz in Wien. Die stärkere Abstimmung zwischen der EU und den Ländern des Westbalkans soll nach Angaben von Österreichs Innenminister Karl Nehammer zu besserem Grenzschutz, schnelleren Asylverfahren und verstärkter Rückführung von Menschen ohne Bleiberecht führen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sprach von einer Art Frühwarnsystem. Details für die Arbeit der Einrichtung mit Sitz in Wien sollen im September festgezurrt werden.

Flüchtlinge / Migration / Statistik / Horst Seehofer / Statistisches Bundesamt / Bundesamt für Migration und Flüchtlinge / Deutschland
23.07.2020 · 18:17 Uhr
[72 Kommentare] · [zum Forum]
US-Präsident Trump
Washington/Teheran (dpa) - Im Iran-Krieg zeichnet sich kurz vor Ablauf eines Ultimatums von US-Präsident Donald Trump an Teheran keine Einigung ab. Während Trump seine Warnung vor einer «völligen Zerstörung» aller iranischen Kraftwerke und Brücken bekräftigte, falls Teheran nicht bis Mittwochnacht 2.00 Uhr MESZ die Straße von Hormus öffnet, verspottete […] (00)
vor 6 Minuten
Patrice Aminati
(BANG) - Patrice Aminati enthüllt, wie sie mit ihrem neuesten Rückschlag im Kampf gegen den Krebs umgeht. Die Influencerin gab vor wenigen Tagen traurige Neuigkeiten bekannt: Sie befindet sich gesundheitlich in einer "schlechten Phase". In der SWR-Sendung 'Nachtcafé' offenbarte sie: "Jetzt habe ich gestern Abend den Anruf bekommen: Es ist zurück, und […] (02)
vor 15 Stunden
iPhone ausschalten
Berlin (dpa/tmn) - Trotz jahrelanger Nutzung dürfte es den meisten iPhone-Besitzern wohl nur äußerst selten passiert sein. Aber wenn sich das iPhone doch mal aufhängt und so gar nicht mehr reagiert, dann wissen viele User gar nicht weiter. Dabei ist die Lösung zum Glück oft recht einfach. Ein erzwungener Neustart. Und der geht so: Die Seitentaste […] (00)
vor 5 Stunden
Ich habe mal ausgerechnet, wie viele Stunden ich allein in Charakter-Editoren verbracht habe. Über alle Spiele hinweg, seit ich 2003 meinen ersten Helden in Neverwinter Nights zusammengeklickt habe. Das Ergebnis: mindestens 200 Stunden. Zweihundert Stunden, in denen ich Nasenlängen justiert, Augenbrauen verschoben und Haarfarben verglichen habe, ohne […] (01)
vor 7 Stunden
Prime Video zeigt Doku «Jerry West: The Logo» im April
Der Streamingdienst widmet der Basketball-Legende eine persönliche und schonungslose Dokumentation. Prime Video hat den Trailer zur Dokumentation Jerry West: The Logo veröffentlicht. Der abendfüllende Film feiert am 16. April seine Premiere und wird weltweit in mehr als 240 Ländern und Territorien verfügbar sein. Regie führt Kenya Barris, der mit «Jerry West: The Logo» sein Dokumentarfilmdebüt […] (00)
vor 17 Stunden
Daniel Altmaier
Monte-Carlo (dpa) - Tennisprofi Daniel Altmaier hat sein Auftaktmatch beim Masters-1000-Turnier in Monte-Carlo verloren. Der Deutsche unterlag dem Tschechen Tomas Machac in einer umkämpften Partie mit 4: 6, 6: 1, 3: 6. Nach verlorenem ersten Satz zeigte sich Altmaier stark verbessert. Nach einem schnellen Break zum 3: 1 wehrte er in einem umkämpften […] (01)
vor 11 Stunden
bitcoin, currency, finance, coin, crypto, cryptocurrency, brown finance
Ein Krypto-Analyst hat eine neue Roadmap für Bitcoin (BTC) vorgestellt, die seine Interpretation vergangener Ereignisse darlegt und mögliche zukünftige Marktbewegungen prognostiziert. Der Analyst gibt Einblicke in die Marktpsychologie während entscheidender Phasen des aktuellen Zyklus und erklärt, wie man in diesem unsicheren Umfeld handeln kann. Er […] (00)
vor 47 Minuten
Veranstaltungstipp – Familienrundgang mit Bewegungsimpulsen und freier Eintritt
Mainz, 06.04.2026 (lifePR) - Wir laden Familien herzlich zu einer gemeinsamen Entdeckungstour durch die Kunsthalle ein. Hier gibt es immer etwas anderes zu erleben. Gemeinsames Rätseln, Forschen oder Zeichnen vor den Kunstwerken – mach einfach mit! Der Familienrundgang mit Bewegungsimpulsen findet am Sonntag, den 19/04 um 14 Uhr statt und ist Teil des Programms  Freistunden. Im Rahmen der  […] (00)
vor 11 Stunden
 
Wolfgang Kubicki (Archiv)
Berlin - Der FDP-Vize und Vorsitzkandidat Wolfgang Kubicki hat einen politischen […] (00)
Bauarbeiter auf einer Baustelle (Archiv)
Berlin - Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi hat deutliche Kritik an den zentralen […] (00)
Ricarda Lang (Archiv)
Berlin - Die ehemalige Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Ricarda Lang, […] (01)
WHO-Chef Tedros
Genf/Gaza (dpa) - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt nach der Tötung eines […] (00)
Review zum devolo WiFi 7 Mesh BE6500
Nachdem ich in den letzten Monaten verschiedene Mesh-Systeme ausprobiert und mit […] (00)
Dynamo Dresden - Hertha BSC
Frankfurt/Main (dpa) - Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und DFB-Präsident Bernd […] (06)
Technologieaktien unter Druck: Warum Investoren jetzt umdenken müssen
Die Ernüchterung an den Märkten Die Technologiebranche erlebt eine Phase der […] (00)
Starfield DLC verrät neue Stadt – Fans hoffen auf echten Neustart
Es fühlt sich fast wie ein versteckter Blick hinter die Kulissen an: Neue […] (00)
 
 
Suchbegriff