Xi demonstriert Stärke in Tianjin – Trump bereitet sich auf Handelskonflikt vor
Während in Washington der Fokus auf den kommenden Handelsverhandlungen liegt, setzte Chinas Präsident Xi Jinping in Tianjin ein machtvolles Signal. Beim bislang größten Gipfel der Shanghai Cooperation Organization (SCO) inszenierte sich Peking als Zentrum einer geopolitischen Gegenmacht. Neben Russlands Präsident Wladimir Putin reisten auch Indiens Premier Narendra Modi, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sowie Vertreter aus Iran, Pakistan, Ägypten, Armenien und Aserbaidschan an.
Putins Anwesenheit unterstreicht, dass Washingtons Versuche, einen Keil zwischen Moskau und Peking zu treiben, bislang gescheitert sind. Auch Teherans Beteiligung sendet ein Signal, gerade in einer Phase, in der europäische Staaten für verschärfte UN-Sanktionen gegen den Iran eintreten. Modis Teilnahme wiederum demonstriert, dass Neu-Delhi seine Optionen offenhält und sich nicht allein auf Washington verlässt.
Der Gipfel selbst lieferte zwar keine konkreten Ergebnisse, war aber als Machtdemonstration gedacht – ein „Haka“ vor dem eigentlichen Wettkampf. Wie bei dem Ritual der neuseeländischen Rugby-Teams geht es darum, Stärke und Geschlossenheit zu zeigen, bevor der eigentliche Kampf beginnt. Xi präsentierte ein geschlossenes Bild Eurasiens, während Trump seinerseits in Europa mit Zöllen und politischen Drohungen die amerikanische Führungsrolle festigte.
Doch in Asien bleibt die US-Strategie brüchig. Japan bemüht sich zwar um Kooperation, stößt aber innenpolitisch an Grenzen. Nordkorea wiederum, das Trump durch direkte Gespräche auf Distanz zu Peking bringen wollte, sucht inzwischen engeren Schulterschluss mit Moskau. Kim Jong Uns erwartete Teilnahme an der Militärparade in Peking verstärkt den Eindruck, dass Washington auch hier an Einfluss verliert.
Das Ringen zwischen den beiden Großmächten bleibt offen. Trump setzt darauf, dass Chinas Abhängigkeit vom US-Konsummarkt Peking zu Zugeständnissen zwingt. Xi hingegen baut auf die weltweite Abhängigkeit von chinesischen Exporten und Rohstoffen. Die bevorstehenden Handelsgespräche dürften entscheidender für Trumps historisches Vermächtnis werden als viele seiner bisherigen Erfolge oder Fehlschläge.


