Xbox-Chefin Asha Sharma kündigt „harte Entscheidungen“ an: Steht die nächste Entlassungswelle bevor?
Asha Sharma bereitet die Xbox-Belegschaft auf einen schmerzhaften Kurswechsel vor. In einem internen Memo, das dem Portal The Verge vorliegt, spricht der neue Microsoft-Gaming-CEO von „harten Entscheidungen“ bei Investitionen und Personal – und das ausgerechnet in einer Phase, in der sich die Marke nach dem Abgang von Phil Spencer und einer Reihe von Preissenkungen neu sortiert. Ob hinter den vagen Andeutungen eine weitere Entlassungswelle steckt, ist nicht offiziell bestätigt – aber die Zeichen stehen alles andere als gut.
„Wir bauen ein stärkeres XBOX“: Zwischen Motivation und Drohkulisse
Der Wortlaut des internen Schreibens, das über das berufliche Netzwerk seinen Weg an die Öffentlichkeit fand, liest sich auf den ersten Blick wie eine klassische Aufmunterungsrede. „Wir bauen ein stärkeres XBOX“, heißt es darin. „Das bedeutet, harte Entscheidungen darüber zu treffen, was wir entwickeln, wo wir investieren und was für ein Unternehmen wir in Zukunft sein müssen.“ Die Betonung liegt auf dem neuen Markennamen in Großbuchstaben – ein Rebranding, das Sharma bewusst als strategischen Neuanfang inszeniert, wie sie auf der Plattform XboxDynasty erläuterte.
Doch wer die jüngere Geschichte von Microsoft Gaming verfolgt, horcht bei solchen Formulierungen auf. Im Februar 2025 strich der Konzern rund 1.900 Stellen bei Activision Blizzard und Xbox, im April folgten Schließungen gleich mehrerer Studios – darunter das von der Kritik gefeierte Tango Gameworks und Arkane Austin. Eine dritte Welle wäre nicht ohne Beispiel, und die Andeutungen von „harten Entscheidungen“ klingen in diesem Kontext wie das sprichwörtliche Pfeifen im Walde. Intern brodelt es bereits seit Wochen: Ein anonymer Post auf der Plattform Blind spricht von einer angeblichen Streichung von 15 Prozent der Gaming-Belegschaft – wir haben ausführlich über die Gerüchteküche bei Microsoft Gaming berichtet.
Die „harten Entscheidungen“, die Sharma bereits getroffen hat
Bemerkenswert ist: Sharma redet nicht nur – sie hat bereits handfeste Einschnitte vorgenommen, die ihre neuen Prioritäten klar abbilden:
- Game Pass wird günstiger: Nachdem Sharma im April einräumte, der Dienst sei „zu teuer für Spieler“, senkte Microsoft die Preise für Ultimate von 29,99 € auf 22,99 Euro – ein kräftiger Schritt zurück nach der umstrittenen Preiserhöhung.
- Copilot KI eingestellt: Der KI-Assistent, der als Prestigeprojekt galt, wurde für Konsolen komplett gestoppt. Sharma erklärte, man wolle sich von Features trennen, die „nicht zur zukünftigen Ausrichtung passen“.
- Führungsetage umgebaut: Mehrere langjährige Xbox-Veteranen verließen das Unternehmen, während neue Kräfte aus Sharmas früherer Abteilung CoreAI nachrückten – ein tiefgreifender Umbau, der die gesamte Führungsstruktur bei Xbox neu ordnet.
- Call of Duty vom Day-One-Thron gestoßen: Neuerdings erscheinen CoD-Titel nicht mehr am ersten Tag im Game Pass – ein schwerer Schlag für das einstige Zugpferd des Abos.
Die Summe dieser Maßnahmen zeichnet das Bild eines CEO, der keine Kosten scheut, um die Marke zu verschlanken – und die nächsten „harten Entscheidungen“ könnten durchaus personeller Natur sein.
Was die Warnung für die Zukunft von Xbox bedeutet
Sharmas Memo fällt in eine entscheidende Phase für den grünen Riesen. Der Hardwareabsatz der Xbox Series X|S stagniert, während Sonys PS5 die aktuelle Generation klar dominiert. Gleichzeitig arbeitet Microsoft fieberhaft an der nächsten Konsolengeneration mit dem Codenamen Project Helix, die Sharma zufolge sowohl Xbox- als auch PC-Spiele nahtlos unterstützen soll. „Speicherkosten werden die Preisgestaltung und Verfügbarkeit beeinflussen“, erklärte sie kürzlich mit Blick auf die weltweiten Engpässe bei RAM-Komponenten. Ein Launch vor 2027 gilt als unwahrscheinlich.
Dazu kommt der wachsende Druck aus der Activision-Blizzard-Übernahme. Der 69-Milliarden-Deal muss sich endlich rechnen – und zwar nicht nur in Abonnentenzahlen, sondern in harten Gewinnen. Die radikale Öffnung der Xbox-Plattform für Drittanbieter-Stores und der verstärkte Fokus auf erschwingliche Hardware deuten darauf hin, dass Sharma die Strategie ihres Vorgängers nicht einfach fortschreibt, sondern Xbox fundamental neu denkt. Dass sie sich öffentlich gegen „seelenlosen KI-Brei“ aussprach und die Copilot-Pläne kassierte, zeigt: Sie setzt auf Kernkompetenzen statt auf Buzzwords.
Der Elefant im Raum: Project Helix und die offene Flanke
Das eigentliche Damoklesschwert hängt jedoch über der nächsten Konsolengeneration. Sharmas vorsichtige Andeutungen zu Marktbedingungen und Speicherkosten lassen wenig Gutes erahnen: Project Helix könnte teurer werden als erwartet – oder später kommen als geplant. In ihrem Interview mit Game File betonte sie: „Wir sind noch nicht bereit, einen Launch-Zeitplan zu nennen. Die Welt ist ziemlich dynamisch.“ Ein Satz, der nach einem verantwortungsvollen Manager klingt – aber auch nach dem Eingeständnis, dass Microsoft die Kontrolle über die Rahmenbedingungen längst verloren hat.
Was die angekündigten „harten Entscheidungen“ konkret bedeuten, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Fakt ist: Asha Sharma hat in nur vier Monaten mehr verändert als Spencer in seinen letzten zwei Jahren. Ob das Xbox am Ende stärker macht oder die verbliebene Fanbasis weiter verunsichert, hängt davon ab, was hinter den verschlossenen Türen von Redmond als Nächstes beschlossen wird.

