Wo der Senf zuhause ist: Bautzen und sein scharfer Botschafter
Bautzen, 24.11.2025 (lifePR) - Er gehört zu Bautzen wie das Frühstücksei zum Sonntag: der Senf. Seit über 150 Jahren wird er in der Stadt der Türme hergestellt – mit Stolz, Raffinesse und einem guten Schuss Geschichte. Doch in Bautzen ist der Senf weit mehr als nur ein würziger Begleiter auf dem Teller. Er ist Symbol, Traditionsträger und jedes Jahr Hauptdarsteller eines kulinarischen Schaufensters, das Genuss und Regionalität verbindet.
Sein Duft ist leicht stechend, die Farbe sonnengelb, der Geschmack unverwechselbar. Bautzner Senf – das ist der kleine Alltagsheld aus der Oberlausitz, der sich seit Generationen auf Würstchen, in Saucen und auf belegten Broten behauptet. Und das längst nicht mehr nur im Osten Deutschlands. Das Produkt in der gelb-blauen Verpackung mit dem markanten Schriftzug hat längst bundesweit Anhänger gefunden. Immer öfter findet man ihn auch in Supermarktregalen im europäischen Ausland. „Sogar an der portugiesischen Algarve habe ich ihn schon gegessen“, sagt Dietmar Stange, der Vorsitzende des Tourismusvereins Bautzen/Budyšin. Am südwestlichsten Punkt Europas steht an der Küste der Kult-Imbisswagen „Letzte Bratwurst vor Amerika“. „Die hatten bei meinem Besuch vor Ort einen großen Eimer Bautzner parat.“
Begonnen hat alles im Jahr 1866, als in Bautzen die erste Senffabrik der Region ihre Arbeit aufnahm. Damals war Senf ein Luxusartikel, ein Genuss für gut situierte Bürger. Erst die Industrialisierung machte ihn erschwinglich – und populär. Besonders in der DDR wurde die Marke „Bautzner“ zum Alltagsbegleiter. Der mittelscharfe Klassiker wurde in großen Gläsern verkauft, stand nahezu in jedem Küchenschrank und gehörte zu Bratwurst und Boulette wie die Butterschnitte zur Brotbüchse.
Nach der Wende ging der Betrieb in private Hände über. Heute wird der Senf unter dem Dach der Develey Senf & Feinkost GmbH produziert – natürlich am Traditionsstandort in Bautzen. Dort, wo alles begann.
Die Senfwochen: Auf Genussroute durch die Stadt
Aber woraus besteht die würzige Mischung denn nun eigentlich? Herzstück sind die Senfkörner. Sie werden gereinigt, geschrotet und mit Wasser, Essig und Salz zu einer feinen Paste vermengt. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen milden und scharfen Saaten. Sie verleihen dem Senf seine unverkennbare Note. Neben dem mittelscharfen Klassiker reicht das Sortiment heute von süß bis würzig, von Honig-Senf, über Preiselbeer-Senfsauce bis hin zum Senf-Brotaufstrich. Immer wieder entstehen neue Sorten.
„Der Senf ist nicht nur ein Produkt“, sagt Dietmar Stange. „Er ist ein Stück Identität der Stadt. Und genau das möchten wir zeigen.“ Einmal im Jahr steht Bautzen deshalb ganz offiziell im Zeichen des Senfs. Dann laden die Bautzener Senfwochen zum Probieren, Schlemmen und Entdecken ein. Vier Wochen lang verwandelt sich die Innenstadt in eine kulinarische Bühne. Rund zwölf Gastronomen, darunter viele traditionsreiche Lokale mit deutscher Küche, beteiligen sich. Auf ihren Speisekarten finden Gäste in dieser Zeit drei eigens kreierte Gerichte, in denen der Senf die Hauptrolle spielt.
Von Senf-Rahmsuppe über marinierte Rinderrouladen bis hin zu mutigen Kreationen wie Senf-Desserts – die Vielfalt ist groß, der Anspruch hoch. „Wir wollen zeigen, wie kreativ Senf sein kann“, erklärt Stange weiter. „Und natürlich wollen wir damit auch Lust auf die Region machen.“ Er hofft, dass die Neugier der Menschen geweckt wird, zu erfahren, woher der leckere Senf aus dem Supermarktregal stammt. „Wenn der Name Bautzner in ganz Deutschland und halb Europa bekannt ist, dann ist das eine Chance für unsere Stadt. Das müssen wir nutzen.“
Ein weiterer Höhepunkt ist alle zwei Jahre die Wahl der Senfkönigin. Seit Kurzem erst gibt es dieses Amt, das Symbol und Werbeträger zugleich ist. Die aktuelle Senfkönigin, Vivien Lenz, wurde beim Ausklang der Senfwochen 2024 feierlich gekrönt.
Mehr als würziger Inhalt
Wer tiefer ins Thema Senf eintauchen möchte, kann das Senfmuseum im Bautz’ner Senfladen am
Fleischmarkt besuchen. Oder die Hammermühle in der Seidauer Straße – ein denkmalgeschütztes Kleinod, in dem Senfworkshops angeboten werden. „Dort erleben Gäste echtes Handwerk“, sagt Mandy Kohlert, Sachbearbeiterin für Tourismus bei der Stadtverwaltung Bautzen. „Und sie nehmen nicht nur ein Glas Senf mit, sondern auch ein Stück Geschichte.“
Doch Bautzen will sich nicht allein auf die berühmte Würzpaste reduzieren. „Wir spielen natürlich mit dem Thema“, fügt sie hinzu. Es gibt senfige Präsente und die Stadt unterstützt mit Fördergeldern die Senfwochen. „Aber wir zeigen auch: Bautzen hat noch viel mehr zu bieten.“ Neben dem Bautzner Senf treten etwa das Frenzel-Bräu, die 1. Bautzener Marmeladenmanufaktur oder die sorbische Küche auf den kulinarischen Plan. Themen wie Slow Food, regionale Wertschöpfung und nachhaltiger Genuss rücken außerdem immer stärker in den Mittelpunkt, weiß die Tourismus-Expertin. „Unsere Gäste wollen nicht nur satt werden“, erklärt Kohlert. „Sie wollen etwas erleben – und schmecken, wo sie sind.“


