Wirtschaftlicher Gegenwind: Deutsche Firmen in China unter Druck
Die deutschen Unternehmen in China blicken zunehmend skeptisch auf ihre wirtschaftliche Zukunft, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der deutschen Handelskammer (AHK) in China. 56 Prozent der befragten Unternehmungen erwarten eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage im nächsten halben Jahr – eine dramatische Steigerung im Vergleich zum Vorjahr, als nur 16 Prozent eine ähnliche Einschätzung teilten.
Oliver Oehms, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der AHK in Nordchina, sieht den Hauptgrund in den handelsstreitbedingten Zöllen, die sowohl für die chinesische als auch die deutsche Wirtschaft schädlich sind. Die Unternehmen befürchten, direkt oder indirekt von der angespannten Wirtschaftslage in China betroffen zu sein.
Seit der Zuspitzung des Zollkonflikts im April sind die Handelsbeziehungen zwischen den USA und China nahezu zum Erliegen gekommen. US-Präsident Donald Trump hat auf chinesische Waren hohe zusätzliche Zölle verhängt, worauf Peking mit ähnlichen Maßnahmen für US-Produkte reagierte. In der kommenden Woche planen US-Finanzminister Scott Bessent und Chinas Vize-Ministerpräsident He Lifeng Gespräche in der Schweiz, um mögliche Lösungen zu diskutieren.
Die ersten wirtschaftlichen Auswirkungen sind bereits spürbar, was sich im sinkenden Einkaufsmanagerindex Chinas niederschlägt – ein Signal für düstere Geschäftsaussichten insbesondere in der Fertigungs- und Dienstleistungsbranche. Die AHK-Umfrage vom April zeigt, dass 143 vor allem aus dem Maschinenbau und der Automobilindustrie stammende Mitgliedsfirmen die Zölle als größte Belastung empfinden.
Lediglich etwas mehr als ein Viertel der Firmen rechnet mit einem Umsatzwachstum bis Ende des Jahres, und nur 18 Prozent erwarten steigende Gewinne. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzen 38 Prozent auf eine schnellere Lokalisierung ihrer Aktivitäten in China, um die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten zu reduzieren und den chinesischen Marktanforderungen besser zu entsprechen.
Auch wenden sich einige Unternehmen neuen Märkten abseits der USA zu, um das Beschaffungsrisiko zu diversifizieren. Die Hoffnung auf Unterstützung aus Deutschland ist ebenfalls groß: Während des Wahlkampfes war der nun amtierende Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gegenüber China kritisch eingestellt. Zwei Drittel der Unternehmen erwarten von der Bundesregierung eine stärkere Kooperation mit China. Ein verbesserter Umgang mit der Volksrepublik als Partner und nicht nur als systemischen Rivalen wird ebenfalls gefordert.
Zudem sehen etwa 50 Prozent der Befragten die Verbesserung des China-Bildes in der deutschen Öffentlichkeit als wichtig an, um gegenwärtige geschäftliche Herausforderungen zu mildern. Fehlentwicklungen beim Thema Menschenrechte und unfaire Wettbewerbsbedingungen ausländischer Unternehmen waren in den letzten Jahren häufige Kritikpunkte, die das Ansehen Chinas belasteten.

